Baugebiet am Regensburger Hollerweg: Das sind die Folgen des teuren Biotop-Kaufs

Von Juliana Ried · 30. Juli 2025 um 05:00

Anfang Juli wurde öffentlich, dass die Stadt Regensburg in Keilberg Bauerwartungsland kaufen wollte – tatsächlich aber Sandmagerrasen erwarb. Warum das Biotop erst nach dem Kauf entdeckt wurde und wie es jetzt weitergeht, erfuhren am Dienstag die Stadträte des Planungsausschusses.

Video ansehen

Am Hollerweg in Keilberg endet die Stadt in einer Sackgasse, vor der Wiese dahinter hängt ein rotes Band. Wer davor stehen bleibt, sieht es blau leuchten, die rundblättrigen Glockenblumen sind dem Bund Naturschutz zufolge typisch für einen ökologisch wertvollen „Sandmagerrasen“ wie diesen. Die Stadt allerdings plante jahrelang die Bebauung der Fläche, die sie als Bauerwartungsland erwarb und die tatsächlich ein Biotop ist. Wie es dazu kam, schilderte am Dienstagabend im Planungsausschuss des Stadtrats Matthias Wanninger, der Leiter des Liegenschaftsamts.

Er versicherte: „Wir werden alles daran setzen, dass so etwas kein zweites Mal passieren wird.“ Anfang Juli war öffentlich bekannt geworden, dass ein Teil des Baugebiets, mit dem die Stadt fest geplant hatte, wohl nicht bebaubar ist. Die Stadträte bekamen zwar vertrauliche Informationen, dennoch blieben bei ihnen viele Fragen offen. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hatte nun einen mündlichen Bericht zum Sachstand auf die Tagesordnung gesetzt.

Für Bauerwartungsland war Preis nicht besonders hoch – aber für ein Biotop

Wanninger referierte, wie es zu dem Kauf des 2,3 Hektar großen Grundstücks kam, das sich zu großen Teilen als Biotop herausstellte. Die Stadt sei 2020 auf den Eigentümer zugegangen, weil sich die Fläche gut geeignet habe für eine Erweiterung des geplanten Baugebiets. Die Verhandlungen hätten sich eineinhalb Jahre hingezogen. 2022 habe die Stadt den Zuschlag erhalten: Sie habe dem Eigentümer landwirtschaftliches Tauschland im Landkreis angeboten, an dem dieser sehr interessiert war. Der angesetzte Wert für die Wiese in Keilberg, die als Grünland genutzt wurde, sei niedriger gewesen als der Bodenrichtwert für Bauerwartungsland von 300 Euro pro Quadratmeter. Nicht bebaubares Land ist allerdings viel weniger wert.

Auf dieser Wiese befindet sich der ökologisch wertvolle Sandmagerrasen. - Foto: Julia Ried

Vor dem Kauf habe es mehrere Begehungen gegeben – jedoch ohne Vertreter des Umweltamts, die den ökologischen Wert erkennen hätten können. „Einen Anlass, das Umweltamt hinzuziehen, sah man aus der damaligen Perspektive nicht“, erklärte Wanninger. Die Biotopkartierung habe keinen Hinweis auf Sandmagerrasen gegeben; allerdings war diese veraltet. Es wurde deshalb an einer neuen gearbeitet, ein erstes Ergebnis für die Fläche am Keilberg gab es 2024. „Die ging von zehn Prozent Sandmagerrasen aus. Es ist dann leider mehr geworden.“ Mit dem Kauf von Bauerwartungsland sei immer Risiko verbunden. Hier habe sich das „in einem hohen Maß niedergeschlagen“, das sei „eine sehr unschöne Situation“. Der Vorfall werde intern aufgearbeitet, um daraus zu lernen. Wanninger versicherte: Künftig werde das Thema „Biotop-Potenzial“ in den Prüfprozess aufgenommen.

Planungsamtschefin Tanja Flemmig erklärte, eine Bebauung des Sandmagerrasens komme nicht infrage. „Das sind Flächen, die gibt’s nicht allzu oft.“ Die Stadt müsse sieben Gebäude mit Geschosswohnungen und einen Quartiersplatz aus der Planung streichen. Wenn auf der restlichen Fläche dichter gebaut werde, lasse sich das teilweise ausgleichen, so dass statt 400 Einwohnern 320 bis 360 Platz finden könnten – und das ohne Hochhaus.

Vorwürfe von der CSU

CSU-Fraktionschef Michael Lehner griff die Verwaltung scharf an. „Wenn das einem Privatinvestor passiert, ist der danach pleite.“ Der Kauf des schadstoffbelasteten Gebäudes in der Maximilianstraße, in dem jetzt der Kulturort M26 ist, sei ebenso ein Fehlgriff gewesen. „Wir müssen einfach andere Modi finden, damit uns so etwas nicht mehr passiert.“ Annahmen Lehners, das Biotop sei entstanden, weil die Stadt falsch mit dem Areal umgegangen sei, wies die Verwaltung zurück: Bis Sandmagerrasen entstehe, dauere es 25 bis 70 Jahre. Lehner, Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow und Hans Holler (SPD) forderten, dass die Stadt das Verfahren für den privaten Eigentümer einer Fläche dort beschleunigt, damit er bauen kann. „Der Investor steht in den Startlöchern“, so Thurow. Die Stadt will aber erst in der Planung für das Gesamtgebiet weiterkommen, auch damit die Erschließung gut geregelt ist.

Malz-Schwarzfischer sagte: „Theoretisch hätte man es wissen können. Man hat es aber nicht gewusst, auch nicht in Erwägung gezogen.“ Nun sei es „bedauerlicherweise, so wie es ist“. Wenn die vom Planungsamt anvisierte Einwohnerzahl möglich sei, entstehe „kein wahnsinnig großer Schaden“. Die Bewohner würden einmal stolz sein, dort zu leben, „wo man etwas Einmaliges hat“.

Die Vorgeschichte

Beschluss: Zuletzt hatte sich der Planungsausschuss 2023 mit dem geplanten Wohnbau am Keilberg am nordöstlichen Stadtrand beschäftigt. Damals stimmte er einer Verdopplung des Baugebiets, für das die Stadt seit 2021 an einem Bebauungsplan arbeitete, auf 7,2 Hektar zu.

Ziel: Ziel war damals, „in einer verdichteten Bauweise ein Angebot für möglichst viele Nachfragegruppen zu schaffen“: von Mietwohnungen über Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser bis zur Möglichkeit, Bauherrengemeinschaften mit Häusergruppen zu bilden.