Ein Kreuz gibt Rätsel auf - Wer hat es aufgestellt? Und warum?

Feldkreuze und Marterl gehören in Bayern zum Brauchtum. Sie stehen für Unglücksfälle und die Religiosität im Leben der Menschen. Nicht selten erzählen sie spannende Geschichten. Aber ein Feldkreuz gibt Rätsel auf, jetzt ist es auch noch zu Bruch gegangen.
Seit Jahrzehnten stand das Feldkreuz auf Höhe des Waldfriedhofs an der Landshuter Straße. Autofahrer, Wanderer und Radfahrer konnten es gut sehen, da es erhöht auf einem Sockel stand. Es war aus Kalkstein gefertigt,eindeutig eine gotische Steinmetzarbeit und gewiss weit über 100 Jahre alt, denn die Stilelemente des Kreuzes entsprachen der Neogotik und die war im 19. Jahrhundert angesagt.
Doch dann war es mit einem Mal mit der Herrlichkeit dieser Steinmetzarbeit vorbei und damit begannen die Rätsel um das Kreuz. Stadtheimatpfleger Edi Albrecht vermutete zunächst Vandalismus als Ursache dafür, dass das Kreuz in viele Einzelteile zerbrochen war.
Steinmetzmeister Rudi Pfeiffer sah sich den Schaden an und entdeckte die ältere Versuche, das Kreuz zu reparieren. „Es hat schon früher Beschädigungen gegeben“, sagte er bei der Untersuchung der Trümmer in seiner Werkstatt. „Man hat versucht, Teile mit Eisendübeln zu verbinden.“ Rudi Pfeiffers Fazit war eindeutig: „Da kannst nix mehr machen.“ Das Kreuz, das Jahrzehnte an der Straße neben dem Waldfriedhof gestanden hat, war nur noch ein Fall für den Schuttcontainer.
Woher kommt das Kreuz?
So klar der Befund auch war, so unklar ist die Herkunft des Kreuzes. Trotz intensiver Suche fanden der Steinmetz und der Heimatpfleger keinen Hinweis auf den Spender oder den Anlass für die Aufstellung. Es gab keine Initialen, keine Jahreszahl, keinen Namen oder gar eine Inschrift, die erklärte, welche Bewandtnis es mit dem Kreuz hatte. Und während Edi Albrecht noch meinte, dass sich die Herkunft wohl nicht mehr klären lasse, erinnerte sich Rudi Pfeiffer: „Wir haben das Kreuz vor 40 Jahren aufgestellt.“ Allerdings wisse auch er keine näheren Einzelheiten mehr zu dem Auftrag.

Auffällig fand er jedoch, dass die gesamte Anlage des Kreuzes etwas merkwürdig geraten war. „Das passte alles nichts zusammen. Der Fels, auf dem das Kreuz steht, der Zwischensockel und dann das Kreuz selbst“, erklärt er. Die Teile stehen für unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, wirken aber in dieser Zusammenstellung, als habe jemand Reste, die irgendwo übrig waren, zusammen getragen und aufgestellt.
Für diese Theorie würde sprechen, dass das Kreuz vermutlich deutlich über 100 Jahre alt ist und schon an einem anderen Ort gestanden hatte. Derartige Zweitnutzungen sind nicht unüblich. Manch einer entscheidet sich bewusst für einen alten Stein oder ein Marterl, das schon anderswo gestanden hat. Seriöse Steinmetze bieten immer wieder derlei an.
Neues Kreuz montiert
Schließlich, während der Heimatpfleger, der Steinmetzmeister und der Lokalredakteur beim Anblick des namenlosen, zerbrochenen Kreuzes in Rudi Pfeiffers Werkstatt über alte Handwerkskunst plaudern, hat der Meister möglicherweise dann doch das Mysterium des namenlosen Kreuzes gelöst. Er erinnert sich an „Tante Mari“. Sie habe einst Felder verkauft, auf denen der Friedhof angelegt wurde, sagt er. Und genau zu der Zeit, so Pfeiffer, soll das neugotische Kreuz aufgestellt worden sein.
Möglicherweise liegt in diesem zeitlichen Zusammenhang die Lösung des Rätsels. Was es dann aber genau bedeutet, lässt sich aufgrund der fehlenden Herkunft wohl nicht mehr klären.
Sicher ist nur, dass dieses Feldkreuz nicht wieder aufgestellt wird. Es gibt jedoch einen Ersatz, das neue Kreuz ist bereits montiert. Bürgermeister Thomas Memmel hatte die Maßnahme sofort genehmigt, sagt Edi Albrecht beim Ortstermin neben dem Waldfriedhof. Und der Bürgermeister lobt den Heimatpfleger für sein Engagement.
Auch das neue Kreuz ist übrigens wieder ein „gebrauchtes“. Die Stadt hat es aus dem Fundus von Rudi Pfeiffer erworben.
