Neuer Schulstandort: Stadt Regensburg verprellt Vereine – „Sind stinkesauer“

Eigentlich hatte die Stadt Regensburg schon ein Grundstück für die neue Grundschule für das Kasernenviertel, aber das rückte der Bund nicht heraus. Jetzt brauchte sie schnell Ersatz – und griff zu einer Fläche, auf der die Karnevalsgesellschaft Narragonia einen Tanzsport-Tempel bauen wollte.
Die Stadt muss möglichst schnell eine neue Grundschule für das Kasernenviertel bauen, schließlich sollen 2027 auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne die ersten Wohnungen fertig sein. Entstehen sollte diese an der Ecke Zeißstraße/Guerickestraße, doch dann bekam die Stadt die Fläche nicht vom Bund. Sie wich auf ein nahe gelegenes Areal aus, für das die Karnevalsgesellschaft Narragonia zusammen mit anderen Vereinen seit Jahren große Pläne für ein Haus des Tanzes machte – und zwar ohne sie zu informieren.
Den Ersatzstandort für die Schule, also die Fläche, auf der die Narragonia bauen wollte, präsentiert die Stadt nächsten Donnerstag den Stadträten der zuständigen Ausschüsse. Es handelt sich um ein Areal neben der neuen Leichtathletikhalle des Sportparks Ost.
Wie weit war die Planung für das Haus des Tanzes?
In der Beschlussvorlage schreibt die Stadt selbst, dass es bisher unter anderem als Standort für ein Haus des Tanzes gehandelt worden sei, zudem habe der DJK-Sportbund dorthin umsiedeln wollen. Konkrete Grundstücksverhandlungen sowie eine Grundsatzentscheidung des Stadtrats über eine künftige Nutzung der Flächen habe es aber nicht gegeben. Aktuell sei „trotz langjährig andauernder Vorabstimmungen mit der Stadt Regensburg“ bislang nicht mit einer zeitnahen Umsetzung der Planungen zu rechnen.
Was die Narragonia angeht, sagt Präsident Lichtl dazu: „Das stimmt nicht ganz so.“ Er ist der Meinung: „Das wäre schon lange gebaut, wenn die Stadt nicht gefordert hätte, dass wir mehr Vereine ins Boot holen.“ Seit 2021 sei der Narragonia das Grundstück in Aussicht gestellt worden. Zuerst habe die Karnevalsgesellschaft mit etwa 300 Mitgliedern ein kleineres Haus nur für sich bauen wollen, durch den Wunsch nach einer Beteiligung weiterer Vereine seien aber mehrfach Umplanungen nötig geworden, eine fünfstellige Summe sei schon geflossen für die Planung.
Zuletzt sah diese ein 40 auf 30 Meter großes, drei Stockwerke hohes Haus des Tanzes mit neun Trainingsräumen vor. Drei davon hätten sich in einen Saal verwandeln lassen können, so dass dort auch Bälle und Tanzsportturniere hätten stattfinden können. Circa acht Millionen Euro hätte die Narragonia investieren wollen, mehr als die Hälfte dieser Summe hätte sich wohl mit Fördergeld bestreiten lassen. Den Rest hätte die Narragonia mit Mietzahlungen anderer Vereine finanzieren müssen und mit einem Kredit – für einen solchen hätte sie aber etwas Schriftliches von der Stadt gebraucht. „Durch die mangelnde schriftliche Zusage der Stadt war es schwierig mit der Finanzierbarkeit“, so schildert Lichtl den Vorgang.
Verärgert ist er aber vor allem, dass die Stadt ihn nicht darüber informiert habe, dass sie das Grundstück nun selbst brauche. Um einen entsprechenden Termin mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) habe er sich selbst gekümmert, nachdem er von der Sache gehört habe. „Natürlich sind wir stinkesauer“, sagt Lichtl. „Was soll ich jetzt meinen Mitgliedern erzählen?“ Lukas Trißl, Vorsitzender des Tanzclubs Blau-Gold, der mit der Narragonia kooperiert, sagt, ihm gehe es genauso. „Für uns kam das mehr als überraschend und es hat uns alle auch sehr verärgert.“ Die Tänzerschaft von ganz Regensburg sei „sehr darauf bedacht“ gewesen, eine Heimat zu bekommen. So müsse der TC Blau-Gold seine Turniere derzeit in der sanierungsbedürftigen RT-Halle abhalten: Den nötigen Schwung habe das Parkett dort nicht mehr.
Oberbürgermeisterin: Es war nichts zugesagt
Auch im Stadtrat ist der Ärger angekommen: So sprach CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl am Dienstag im Grundstücksausschuss davon, dass die Narragonia sich auf das Areal verlassen habe. Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer entgegnete, der Gesellschaft sei kein Grundstück zugesagt worden. Es sei ihr in Aussicht gestellt worden. Sie habe dem Vorsitzenden angeboten, „dass sich die Stadt auf die Suche nach einem neuen Grundstück macht“. Ohnehin sei die Planung noch nicht so weit, dass ein Bauantrag gestellt werden könne. Deshalb habe die Bürgermeisterin – die für Sport zuständige Astrid Freudenstein (CSU) – das Projekt auch aus dem Investitionsprogramm genommen.
Die geplante Schule für circa 500 Kinder samt Hort lasse sich auf dem Gelände „mit untergeordneten Grundrissänderungen“ realisieren, heißt es in der Beschlussvorlage. Statt einer Doppelsporthalle lasse sich dort sogar eine angesichts der maroden großen Sportstätten im Stadtgebiet dringend benötigte Dreifachhalle bauen.
Die neue Schule
Kosten: Im Entwurf für das Investitionsprogramm für 2025 bis 2029, über das die Kommunalpolitiker hinter den Kulissen gerade verhandeln, sind für das Gesamtprojekt Haushaltsmittel in Höhe von 83,1 Millionen Euro eingeplant.
Zeitplan: Schule und Hort für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern sollen bis 2029 fertig werden und so auch dringend benötigte Betreuungsplätze im Kasernenviertel bieten. Die Geburtenzahlen im Sprengel steigen nämlich.