Oberpfälzer Bauernpräsident im Interview: „Wir sind systemrelevant“

Volatile Märkte, Regulierungsdruck und überraschend gute Ernten: Der Oberpfälzer Bauernpräsident Ely Eibisch zieht im Interview mit der Mediengruppe Bayern Bilanz für 2025. Für das neue Jahr richtet er konkrete Forderungen an die Politik.
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Herr Eibisch, was macht die Landwirtschaft in der Oberpfalz aus?
Eibisch: In der Oberpfalz sind wir klein strukturiert und haben trotz Herausforderungen – geringe Bodenqualität, niedrigere Durchschnittstemperaturen und insgesamt nicht optimale Wetter- und Klimabedingungen – führende Betriebe in Bayern aufgebaut. Unsere landwirtschaftlichen Betriebe haben sich auf Milch, Schwein und inzwischen auch Biogas spezialisiert und schaffen es, aus der Urproduktion eine höhere Wertschöpfung pro Hektar zu erzielen. Das ist eine Stärke Bayerns insgesamt, aber besonders ausgeprägt bei uns in der Oberpfalz. Obwohl wir aus einer eher kargen Gegend kommen, haben wir das sehr gut geschafft – vor allem auch durch Bildung. Wir haben hervorragend ausgebildete Landwirte.
Was hat die Landwirte denn heuer besonders beschäftigt?
Eibisch: Im Öko-Bereich endet die Übergangsfrist für die verpflichtende Weidehaltung, was gerade für innerörtliche Betriebe schwierig ist. Da brauchen wir unbedingt Ausnahmeregelungen. Außerdem sorgt der Fischotter in der Teichwirtschaft für große Verluste, teilweise Totalverluste. Hinzu kommen Regulierungen wie die Düngeverordnung.
Sie sprechen es an: Regulierungen. Vor welchen Herausforderungen stehen da speziell kleinere Betriebe?
Eibisch: Größere Betriebe können das anders organisieren, indem sie eine Person dafür abstellen. Für kleinere Betriebe ist das aber eine zusätzliche Belastung. Die Landwirte machen das aus Leidenschaft. Wenn sie nicht mehr weitermachen wollen, dann weil sie überlastet werden.
Wo sehen Sie denn den größten Entlastungsbedarf?
Eibisch: Das ist schwierig. Wir leben in einem Land, wo jeden Tag auf EU, auf Bundes- und auf Länderebene Gesetze erlassen werden. Eigentlich müssten wir die Gesetze verringern.
Kann man da viele ersatzlos streichen?
Eibisch: Wenigstens vereinfachen. Momentan wird immer noch eins oben drauf gesetzt. Zum Beispiel beim Tierschutzgesetz: Wenn ich die Anbindehaltung verbiete und dafür einen Tag X festsetze, dann ist das in der Oberpfalz ein richtiger Strukturbruch. Von etwa 4000 rinderhaltenden oder milchviehhaltenden Betrieben sind in etwa 1500 noch in Anbindehaltung. Grundsätzlich ist es aber so, dass ein anbindehaltender Betrieb weit mehr Arbeit macht. Das heißt, das ist eine Haltungsform, die so oder so ausläuft. Ich brauche das also nicht regeln, das regelt sich selbst.
2025 hat sich bei den Erzeugerpreisen viel verändert. Welche Betriebe in der Oberpfalz profitieren und welche geraten unter Druck?
Eibisch: Es gibt gewaltige Verschiebungen. Die Märkte bei uns in der Landwirtschaft sind sehr volatil. Insgesamt sind die Lebensmittelpreise aber über Jahrzehnte nahezu gleich geblieben. Dadurch ist ihr Anteil an den Lebenshaltungskosten von früher 50 bis 60 Prozent auf heute rund neun Prozent gesunken. Möglich wurde das durch effizientere Produktion und bessere Technik. Inzwischen sind jedoch kaum weitere Steigerungen möglich. Aktuell sieht man die Schwankungen deutlich. Beim Getreide war 2024 ein relativ gutes Jahr, 2025 ist der Preis durch den Überschuss – vor allem wegen der starken Ernte aus der Ukraine – gesunken. Bei der Milch hatten wir drei gute Jahre, jetzt sinkt der Preis wieder – unter anderem weil der Lebensmitteleinzelhandel Butter künstlich billig macht. Beim Fleisch hatten wir erst gute Rindfleischpreise, die zuletzt schnell wieder abgesackt sind.
Das heißt, grundsätzlich fehlt die Planungssicherheit.
Eibisch: Die haben wir nicht. Bei den Sonderkulturen in der Oberpfalz – Zuckerrübe und Kartoffeln – hatten wir große Herausforderungen wegen der Schilf-Glasflügelzikade. Die überträgt ein Virus, das zu Schrumpf- oder Gummirüben führt. Wegen der schnellen Ausbreitung haben wir eigentlich eine schlechte Ernte erwartet. Dann war das Frühjahr aber sehr trocken, und bei Trockenheit gibt es wenig Krankheitsdruck. Gleichzeitig war später genug Wasser da. Wider Erwarten hatten wir eine tolle Ernte. Der Nachteil: Bei zu viel Ware am Markt verfällt der Preis.
Ein Thema, um das besonders Landwirte nicht herumkommen, ist der Klimawandel. Wie sehr belastet er die Landwirtschaft in der Oberpfalz?
Eibisch: Wir sind abhängig von dem, was unser Klima uns ermöglicht. Da gibt es gewaltige Veränderungen. Die Durchschnittstemperatur ist nach oben gegangen. Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, dass neue Früchte wie Soja in Bayern möglich werden – bei uns bisher noch nicht. Aber wenn es so weiter geht, werden wir auch neue Fruchtarten bei uns bekommen. Entscheidender sind aber die extremen Witterungsverhältnisse: Starkregen in sehr kurzen Zeitabständen, zum Teil 80 bis100 Liter pro Stunde, führt dazu, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann und es große Abschwemmungen gibt. Darauf müssen wir als Landwirte reagieren.
Was brauchen Landwirte also im neuen Jahr?
Eibisch: Man braucht Planungssicherheit. Die jungen Leute wollen wissen, wie sie ihren Betrieb ausrichten sollen. Ich kann ihnen das nicht sagen. Ich brauche eine Politik, die zu ihren Aussagen steht und einen Rahmen schafft, in dem wir produzieren können.
Machen sich mit Blick auf 2026 eher Optimismus oder Zukunftssorgen bei Ihnen und den Landwirten breit?
Eibisch: Ich habe nur Optimismus. Wir haben keine Zukunftssorgen, sondern Herausforderungen. Und aus jeder gehen wir stärker hervor. Unsere Landwirtschaft ist ein Alleskönner. Wir können Nahrungsmittelsicherung, erneuerbare Energieversorgung, Kohlenstoffkreislauf, Karbonisieren und natürlich Biodiversität. Somit sind wir systemrelevant und es wird Landwirtschaft immer geben.