Landwirtschaft in Cham: Arbeiten in der freien Natur, doch auch besonders gefährdet

Von Christoph Klöckner · 29. September 2025 um 19:00

Wer etwas Urlaubsidylle im Grünen sucht, der ist in Hutting richtig – saubere Höfe, Mütterkühe mit ihren Kälbchen auf der Weide, viel Natur. Für Landwirte, die in solch einem Umfeld arbeiten, ist das ein Pluspunkt für den Job. Doch es lauern auch Gefahren in der Landwirtschaft wie Depressionen und Burnout – auf das hat jetzt Franziska Aumer im Gespräch mit Freien-MdL Julian Preidl hingewiesen.

Die angehende Landwirtin, die mit der Familie den traditionsreichen Schießlhof in Hutting bewirtschaftet, und schon als Kind sicher war, einmal als Bäuerin zu arbeiten, hat vor dem Start als Bäuerin zunächst eine Lehre als Mechatronikerin gemacht und dann ein Studium als Informatikerin in Regensburg drangehängt.

Viele Erkrankungen

Nun steht die 30-Jährige vor der Abschlussprüfung als Landwirtin, die sie 2026 ablegen will. „Ich bin nie weggekommen von der Landwirtschaft“, sagt sie auf die Frage, wie sie dann doch wieder dort gelandet ist, wo sie herkommt.

Lesenswert dazu: Was die Proteste der Landwirte in Cham bewirkt haben: Mehr Vertrauen statt Kontrolle Vermutlich liegt ihr das im Blut, denn der idyllisch gelegene Schießlhof in Hutting ist bereits seit 1650 in der Hand der Familie Schichtl.

Neben ihrer Arbeit als Landwirtin ist Franziska Aumer auch für ihren Berufsstand engagiert – bekannt als eine der AckerSchwestern, die mittlerweil zur AckerRose (ackerrose.de) geworden sind. Das Ziel dieser ehrenamtlichen Projekte ist es, den Bauern wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse an die Hand zu geben, um Vorurteile abzubauen und falsche Informationen zu widerlegen.

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Durch diese Versachlichung und Aufklärung der Bevölkerung soll für die Landwirtschaft ein guter Weg in die Zukunft geebnet werden. Gerade die Aufklärung der Allgemeinheit über die Arbeit der Bauern ist ein wichtiger Punkt – denn Umfragen unter Landwirten haben einen Grund für Depressionen und Burnout-Erkrankungen bloßgelegt: Die negative Sicht der Gesellschaft ist ein Faktor für diese Erkrankungen, die hier häufig sind.

Hohes Risiko

Franziska Aumer zitiert dafür aus einer Untersuchung, die dieses Thema aus Sicht der Landwirtschaft beleuchtet. Diese Studie sei überhaupt die erste, die sich dieser Problematik annehme.

Und die habe ein hohes Risiko im Berufsfeld Landwirtschaft festgestellt, von einer psychischen Erkrankung betroffen zu werden. „Ich selbst habe mehrere Fälle in meinem Umfeld gehabt!“, sagt Aumer. Die Höfe würden daran zerbrechen, Suizide seien vielfach die Folge. Sechs Prozent aller Deutschen bekämen rechnerisch einen Burnout – „in der Landwirtschaft sind es 27 Prozent!“

Ein Drittel mit Angst

Ähnlich die Zahlen bei Depressionen: Bundesweit würden acht Prozent der Bürger daran erkranken, in der Berufswelt Landwirtschaft seien es 25 Prozent. Gleich 31 Prozent der Bauern leide an Angstzuständen. „Das Berufsbild des Landwirts fördert diese Erkrankungen!“, so das Fazit Franziska Aumers. Letztlich würden 46 Prozent der Arbeitenden in der Landwirtschaft als erkrankt gelten.

Landtagsabgeordneter Julian Preidl berichtete aus seinen Erfahrungen aus den Protestzeiten der Bauern. „Der Druck wird hier immer größer“, so Preidl. Die Proteste seien für ihn auch Signale der Verzweiflung gewesen. Viele Bauern würden resignieren. Die Zahlen seien erschreckend. Der Staat mache schon einiges, um zu helfen, doch müsse das effizienter werden, sagt Preidl.

Arbeit wartet vor der Türe

Das sieht auch Franziska Aumer so, wobei sie betont, dass etwa Burnout in der Landwirtschaft etwas anderes sei als in anderen Berufsbranchen. Dort könne eine Auszeit von der Arbeit eine Hilfe sein – in der Landwirtschaft sei die Arbeit vor der Haustür. Zudem sei es schwierig für Bauern, über die eigene negative Lage zu erzählen: „Man redet nicht darüber, wenn es einem schlecht geht!“ Hilfe werde zu spät angenommen, weshalb eigentlich Prävention wichtig wäre.

Die Ursachen für psychische Erkrankungen sind vielfältig, hat die Studie laut Aumer herausgefunden. Die wirtschaftliche Unsicherheit sei sicher ein Punkt, der Landwirten Probleme mache, ebenso die 80-Stunden-Woche, die viele hätten. Doch die Nummer 1 der Faktoren, die Bauern krank machen würden, seien Richtlinien und Beschlüsse der Politik.

Einer zahlt immer

66 Prozent der Befragten hätten diese Ursache genannt, dahinter folge die Bürokratie (44 Prozent) und das negative Bild, das die Gesellschaft von Landwirten habe, und die Folgen daraus (30 Prozent). „Billige Lebensmittel gibt es nicht – einer zahlt immer den Preis!“, so Franziska Aumer. Für die Landwirte, die heute weiter arbeiten würden, sei es weniger ein Beruf, sondern mehr eine Berufung – und manchmal auch ihr Verderben.

Julian Preidl meint, die Politik müsse hier mehr praxisorientiert denken und handeln. Einfache Antworten zu finden, sei dabei schwierig – Politik brauche jedoch das Vertrauen der Bauern.