Wohnen statt Wiendl: Entwurf erntet Kritik von Regensburger Gestaltungsbeiräten

Kastaniengarten: So heißt das Projekt, das Sebastian Knorr Regensburgs Architekturwächtern am Donnerstag vorlegte. Das war es dann aber auch schon mit der Idylle. Denn die Vorstellungen dazu, wie aus dem Hotel Wiendl ein Wohnhaus werden könnte, lagen weit auseinander.
Die Nähe zur Altstadt, der Blick auf den Dom, der Hof mit den Kastanien – all das habe Architekt Knorr gereizt. So begann er zu erzählen, was er in Zukunft dort sieht: Den Gebäudeteil, der mit dem Giebel zur Straße steht, würde er verbreitern. In den Geschossen unter ihm könnten Wohnungen in der Größe von 80 bis 85 Quadratmetern Platz finden, die für Endnutzer – Käufer – konzipiert sein sollen, darunter eine Tiefgarage. In der Flanke zur Straße sieht Knorr Platz für ein gemeinschafliches Wohnprojekt, weitere Wohnungen in einem Neubau im Osten des Grundstücks. Das Erdgeschoss könne erhalten bleiben – seinetwegen auch das erste Obergeschoss.
Es gab Gegenwind
Darüber plane er einen Massivholzbau, in den beiden Eiskellern könnten Fahrradstellplätze oder die Haustechnik untergebracht werden. Große Glasflächen, vergrößerte Fenster, Schiebeläden, vorgehängte Balkone, Lamellen, ein Penthouse – irgendwann hatte Gestaltungsbeirätin Prof. Gesine Weinmiller genug. „Sie reißen es im Endeffekt weg, oder?“, unterbrach sie den Architekten mit einer rhetorischen Frage.
Knorr unternahm zwar noch einen Versuch, den Entwurf zu retten, aber dann ergriff Gestaltungsbeirat Helmut Dietrich das Wort. Er wolle nun einmal eine Lanze für das Quartier brechen, sagte der. Das seien stattliche Wohnhäuser, dazwischen gebe es qualitätsvolle Höfe, die sich öffneten. „Sie sollten nicht nur die Altstadt sehen, sondern auch den Ort, an dem Sie etwas machen wollen“, forderte Dietrich von Knorr. Hier werde eine völlig neue Welt erschaffen, die mit der jetzigen Situation nicht mehr viel zu tun habe, außer ein paar Fenstern. Die Frage sei, wie mit dem Ort umzugehen sei, damit das Gebäude weiterhin ein Teil des Quartiers bleibe und kein totaler Fremdkörper werde, warf Dietrich ein.
Bestand mit Präsenz
„Muss das sein, dass man die Welt neu erfindet?“, bohrte er weiter. Da war auch Knorr klar: „Hier stimmen wir nicht überein.“ Seine Projekte seien alle Kinder ihrer Zeit, wiesen aber auch in die Zukunft, erklärte er. Weinmiller formulierte, die Aspekte, die aus Sicht des Gremiums überarbeitet werden müssen: Die Gebäude seien zu nahe an den Bäumen, der Neubau rage als einziger Gebäudeteil im Quartier in den Hof, die Dachlandschaft des Entwurfs negiere die Umgebung, die Adresse des Gebäudes müsse besser herausgearbeitet werden.
Das aktuelle Gebäude dagegen habe eine gute Präsenz für den Ort und wirke beruhigend, erklärte Weinmiller weiter. Deswegen sei zu überlegen, wie mit dem Bestand weitergearbeitet werden könne, ohne ihm eine vollkommen neue Architektur überzustülpen. Baureferent Florian Plajer ergänzte, dass der Entwurf für das Gebäude auch zu groß sei, um damit Baurecht erwirken zu können.
Wir finden sicher einen Weg, wie wir das hinkriegen.Sebastian Knorr, Architekt
Ihm persönlich gefalle Gebäudebestand, wie er ihn zuvor auf einem Foto aus den 1930er-Jahren gezeigt hatte, auch besser, sagte Knorr noch. „Dann bauen‘s das! Da sind wir sofort mit dabei“, antwortete Weinmiller. Später erklärte Knorr, zu dem Projekt zu stehen und offen für Veränderungen zu sein. „Wir finden sicher einen Weg, wie wir das hinkriegen“, sagte er. Hotel und Lokal haben weiterhin geöffnet.