MZ-Artikel entfacht Debatte zwischen Jäger und Tierschützer im Landkreis Schwandorf

Das Thema Jagd sorgt immer wieder für Kontroversen. Ein kürzlich in der MZ erschienener Artikel zur Aufnahme neuer Jäger und der Feier des Schutzpatrons, dem Heiligen Hubertus, veranlassten Peter Eberhardt, Vorsitzender des Tierschutzvereins im Städtedreieck, eine Stellungnahme an die Redaktion zu senden. Er kann die Jagd mit Blick auf den Tierschutz nicht gutheißen. Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands, MdL Alexander Flierl (CSU), hält dagegen.
In dem Artikel „Die Jäger feierten ihren Schutzpatron“, erschienen am 13. November, wird die Hubertuslegende erwähnt. Dem Schutzpatron der Jäger soll demnach ein Hirsch mit einem Kreuz erschienen sein und ihn angesprochen haben. Der Legende nach soll es die Stimme Christi gewesen sein, die fragte, wie lange Hubertus sich solchen Jagden hingeben wolle. Die Stimme ermahnte diesen, wenn er sich nicht bekehre, werde er in die Hölle hinabsteigen. Peter Eberhardt interpretiert die Legende so, dass weltliches Vergnügen und Jagdleidenschaft im Gegensatz zum Christentum stehen.
Genauso verabscheuend ist die Fallenjagd und die Ausbildung von Jagdhunden an lebendigen Enten.Peter Eberhardt, Vorsitzender des Tierschutzvereins im Städtedreieck
In dem angesprochenen Artikel wird auch zur Verantwortung gegenüber der Natur und dem Wild aufgefordert. Auch solle achtsam mit der Schöpfung umgegangen werden, heißt es. Eberhardt stellt dabei in Frage, wie sich Jagdpraktiken wie die Baujagd mit Tierschutz vereinbaren lassen. „Genauso verabscheuend ist die Fallenjagd und die Ausbildung von Jagdhunden an lebendigen Enten“, kritisiert Eberhardt die Jagd.
Jagd ist kein Hobby
Alexander Flierl teilt die Meinung von Peter Eberhardt nicht: „Jagd ist kein Hobby und kein weltliches Vergnügen, sondern angewandter Natur- und Tierschutz, sichert die Artenvielfalt, erfüllt einen Hegeauftrag für alle Tierarten und pflegt die Kulturlandschaft.“ Jäger sichern laut Flierl stabile Wildbestände, erhalten Lebensräume, regulieren Populationen, wo es nötig ist, zum Schutz von Wald, Artenvielfalt und Landwirtschaft. Dabei würden sie nicht den Tierschutz außer acht lassen.
Wer diese Methoden pauschal ablehnt, ignoriert bewusst die wissenschaftlichen Grundlagen modernen Wildtiermanagements und gefährdet am Ende genau die Arten, deren Schutz er einfordert.MdL Alexander Flierl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbands
Weiter informiert Flierl, der selbst Jäger ist, dass das Bild vom „grausamen Jäger“ ein überholtes Klischee ist: „Solche Vorurteile vereinfacht zu bedienen, mag bequem sein, trägt aber nichts zum Tierwohl und Tierschutz bei.“ Auch erinnert er daran, dass die Bau- und Fallenjagd rechtlich streng geregelt sind und naturschutzfachlichen Zielen dienen. Diese Fallen müssten tierschutzkonform sein und eine schnelle, waidgerechte Durchführung der Jagd gewährleisten. Es handle sich um unverzichtbare Instrumente im Artenschutz, Biodiversitätsmanagement und in der Raubwildregulation, erklärt Flierl: „Wer diese Methoden pauschal ablehnt, ignoriert bewusst die wissenschaftlichen Grundlagen modernen Wildtiermanagements und gefährdet am Ende genau die Arten, deren Schutz er einfordert.“
Demut, Respekt und Maß gegenüber der Schöpfung
Wo Peter Eberhardt die Ausbildung von Jagdhunden ablehnt, sieht Alexander Flierl sie als unverzichtbar für Nachsuchen, wie beispielsweise nach einem Wildunfall. Auch diese Ausbildung hat klare tierschutzrechtliche Leitplanken. „Ohne brauchbare Hunde wäre Tierschutz in der Jagdpraxis nicht möglich“, informiert der Bezirksvorsitzende der Jäger.
Auch die Hubertuslegende spricht Flierl an. Diese mahne zu Demut, Respekt und Maß gegenüber der gesamten Schöpfung, nicht zu pauschaler Ablehnung der Jagd. Die Vorstellung, die Hubertuslegende richte sich gegen nachhaltige Jagd, ist eine Fehlinterpretation, so Flierl. Der Landtagsabgeordnete fasst abschließend zusammen: „Wer Jagd kritisiert, sollte diese Verantwortung und die tägliche Arbeit der Jäger nicht ausblenden und schon gar nicht diskreditieren. Jagd ist gelebter Naturschutz – verantwortungsvoll, gesetzlich reguliert und mit Respekt vor jedem Tier.“