Ausgebüxte Kühe bei Bodenwöhr lassen Landwirt verzweifeln – Wildkamera gibt Hinweis

Ratlos blickt ein Landwirt aus der Region auf seine Weide in Neuenschwand bei Bodenwöhr im Landkreis Schwandorf. 14 Kühe zählt seine Herde – eigentlich. Denn seit Mittwoch fehlen ihm vier Tiere. Die Suche nach den Kühen läuft seitdem auf Hochtouren. Der Landwirt rätselt derweil, wie den 400 Kilogramm schweren Tieren überhaupt die Flucht gelingen konnte. Denn der Zaun war nicht beschädigt.
Die Kühe haben sich für ihre Flucht einen denkbar ungünstigen Ort ausgesucht. Nicht weit von ihrer Weide beim Kammerholz entfernt verläuft die vielbefahrene Bundesstraße 85, und die Bahnlinie Schwandorf-Cham befindet sich auch in der näheren Umgebung. Die Polizei entschied sich daher am Mittwoch, über den Verkehrsfunk vor den Kühen zu warnen. Züge mussten den Bereich zeitweise mit verminderter Geschwindigkeit passieren, wie Neunburgs Polizeichef Markus Schmitt auf Nachfrage der MZ bestätigte.
Fleischrinder stehen ganzjährig auf der Weide
Die ausgebüxten Tiere gehören einem Landwirt aus der Region. Es handelt sich dabei um Fleischrinder, die sich das ganze Jahr über auf der Weide befinden. Sie würden ausschließlich zur Fleischerzeugung gehalten. Die abgängigen Tiere seien etwa eineinhalb Jahre alt und 400 Kilogramm schwer.
Wir sind den ganzen Tag unterwegs und versuchen, die Tiere wieder einzufangen.Der betroffene Landwirt
Der Tierhalter kann nicht verstehen, wie seine Kühe aus der Weide entfliehen konnten. Der Zaun sei jedenfalls nicht beschädigt gewesen. „Vielleicht hat auch jemand das Tor aufgemacht?“, stellte er eine Frage in den Raum. Er versuche nun fieberhaft, die Fleischrinder wieder einzufangen. „Wir sind den ganzen Tag unterwegs“, versicherte er im Gespräch mit der MZ. Auch geländegängige Fahrzeuge und eine Drohne kämen dabei zum Einsatz.
Immerhin einen Anhaltspunkt hat der Landwirt bei der Suche. Eine Wildkamera konnte eine der vier Kühe etwa 600 Meter von der Weide entfernt fotografieren. Weil die anderen Rinder auf der Aufnahme nicht zu sehen sind, ist offen, ob die Tiere tatsächlich in einer Vierergruppe unterwegs sind.
Jäger: Rinder können bis zu 15 Kilometer am Tag zurücklegen
Ein erfahrener Jäger aus der Region berichtete auf Anfrage der MZ, dass Kühe einige Kilometer pro Tag zurücklegen können. „Realistischerweise drei bis fünf Kilometer, es können aber auch zehn bis 15 sein“, sagte der Waidmann. Die Rinder würden im Wald ausreichend Futter finden und könnten dort ohne Probleme überleben. „Sie werden aber immer wieder irgendwo auftauchen. Es wird schon bald Sichtungen geben“, so der Jäger.
Passanten, die die Tiere entdecken, sollten umgehend bei der Polizei anrufen. Diese verständige dann den Besitzer und womöglich auch einen Jäger, der bei Bedarf mit einem Betäubungsgewehr die Rinder sedieren könne. „Das ist die vernünftigste Lösung“, erklärte der Jagdexperte. Ein Abschuss der Tiere komme dagegen „nur nach behördlicher Anordnung bei Gefahr für Leib und Leben“ in Betracht.