Obermünsterviertel in Regensburg: Wann kommt die Sanierung?

Seit 2006 plant die Stadt Regensburg die Aufwertung des Quartiers im Welterbe. Jetzt verlängert sie eine Förderfrist um weitere Jahre. Was es damit auf sich hat.
Achim Hubel, der Vorsitzende der Altstadtfreunde, kann sich noch gut erinnern, wann die Stadt anfing mit den Planungen für die Sanierung des Obermünsterviertels: 2006 sei das gewesen, vor knapp 20 Jahren. Nun gibt es einen neuen Zeitplan: Am Dienstag hat der Planungsausschuss des Stadtrats der Stadt noch mehr Zeit für die Sanierung eingeräumt als bislang – bis 2033. Ohne die Verlängerung wäre die Frist 2026 ausgelaufen.
Durch auf Druck der Brücke-Fraktion beschlossene „Sofortmaßnahmen“ fielen zwar in der Obermünsterstraße und am Obermünsterplatz im Frühjahr die öffentlichen Parkplätze weg, zugunsten von bepflanzten Sitzmöbeln. Auch Bäume in Kübeln, Stellplätze für Lastenräder und eine Fahrradreparaturstation kamen. Die Sanierung im weiteren Sinn allerdings, mit dem barrierefreien Rückbau der Obermünsterstraße, der Schaffung eines „Vitus-Spielbachs“, der den historischen Vitusbach aufgreift, der Umwandlung des westlichen Obermünsterplatzes in einen „ruhigen, grünen Aufenthaltsort mit hoher Aufenthaltsqualität“ und der Schaffung eines „Quartiersparks“ im Osten steht noch aus.
Baubeginn soll 2028 sein
Wie es damit weitergeht, erfuhr der Planungsausschuss jetzt: 2027 soll die Planung, mit der 2022 das Büro Terra Nova beauftragt wurde, fertig sein, 2028 soll dann mit der Umsetzung der Baumaßnahmen begonnen werden können. „Die Fertigstellung der Neugestaltung ist bis spätestens 2030 zu erwarten“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Aufwertung des Augustinerplatzes samt Neuordnung des Verkehrs, die barrierefreie Gestaltung von Pfarrergasse, Straußengässchen, Malergasse und die Sanierung von Simadergasse, Jesuitengässel und Fröhliche-Türken-Straße sollen „frühestens ab 2030“ folgen.
Hubel von den Altstadtfreunden sagt dazu: „Die Langsamkeit der Stadt ist durch nichts zu übertreffen.“ Er erinnert daran, dass 2011 der Sanierungsplan für das Viertel öffentlich gemacht worden sei. „60 Seiten stark, da ist alles geschrieben worden, was gemacht werden soll.“ In der Folge sei auch ein Quartiersbüro eingerichtet worden, das Fragen und Anregungen der Bürger aufnahm. „Dann hat’s geheißen: ,sobald das Parkhaus am Petersweg fertig ist, werden die Parkplätze reinverlegt und dann kann man das wunderbar beruhigen.“ Aber noch vor dem Abschluss des Parkhaus-Neubaus seien unter CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger die Planungen gestoppt worden, sagt Hubel, der 2022 zu den Mitorganisatoren einer Demo für ein grünes Obermünsterviertel zählte. Damals hatten die Veranstalter unter anderem für Palmen und einen künstlichen Rasen gesorgt.
Dass die echte Sanierung so lange auf sich warten lässt, begründet die Stadt in der aktuellen Beschlussvorlage für die Stadträte so: „Aufgrund dringend notwendiger Maßnahmen in den Bereichen Wahlenstraße, Obere Bachgasse und entlang der Straße am Brixener Hof“ habe es eine Verschiebung gegeben. Nun solle aber der „Projektfortschritt“ sichergestellt werden, indem der Planungsausschuss im Frühjahr 2026 die Neugestaltung von Obermünsterplatz und -straße beschließt, 5,5 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Der 80-jährige Hubel sagt, er glaube, er werde die Fertigstellung nicht mehr erleben.
Mit der Fristverlängerung können für die Viertel-Sanierung bis 2033 Mittel aus der Bund-Länder-Städteförderung fließen. Der Planungsausschuss stimmte dem Fahrplan einhellig zu.
OB kritisiert Verwaltung
Brücke-Stadtrat Florian Rottke forderte allerdings einen Zeitplan für die Umsetzung der mit den Sofortmaßnahmen begonnenen Verkehrsberuhigung. Erst an diesem Dienstag sei ihm in der Obermünsterstraße ein Auto auf dem Gehweg entgegengekommen, schilderte er, und fragte: „Wann ist damit zu rechnen, dass die aktuelle Anarchie einfach aufhört?“ Er hatte bereits im September kritisiert, dass ordentliche Schilder fehlten, und erfahren, dass das die OB auch so sieht: Am Dienstag bekräftigte Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), es sei eine „eindeutige und vollziehbare“ Beschilderung nötig, damit etwa ein Halteverbot durchgesetzt werden könnte. Mit dem Tempo der von ihr geführten Verwaltung in der Sache ist sie hörbar unzufrieden: „Man müsste halt jetzt einfach Schilder aufstellen“, sagte sie.