Obermünsterstraße in Regensburg: Wird hier der Verkehr beruhigt – oder gestaut?

Von Juliana Ried · 9. Oktober 2025 um 15:00

Die Stadt Regensburg will Autos auf der Durchfahrt aussperren aus dem Obermünsterviertel – unter anderem mit Bäumen. Das klappt noch nicht so richtig, findet auch die Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Wie geht es hier und andernorts weiter mit der Verkehrsberuhigung der Regensburger Altstadt?

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Seit ein paar Wochen steht ein Baum in einem großen, roten Pflanztopf zwischen Oberer Bachgasse und der Einfahrt in die Obermünsterstraße. Der provisorische Poller war so oft umgefahren worden, dass die Stadt jetzt auf ein massives Hindernis setzt. Doch Autofahrer, die hier eigentlich nicht mehr durchfahren dürfen, finden andere Wege ins Viertel. Kürzlich sprach Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) ein Machtwort in der Sache. An der Obermünsterstraße sollen „richtige Schilder“ kommen.

Die Stadt nennt die Obermünsterstraße ein „Reallabor“. Seit vielen Jahren will sie dort den Durchfahrtsverkehr aussperren, 2024 beschloss der Planungsausschuss auf Initiative der Brücke-Fraktion „Sofortmaßnahmen“. Im Mai verschwanden alle öffentlichen Parkplätze zugunsten von Stellplätzen für Räder und E-Scooter, Bäumen und Bänken; 25 Parkplätze auf dem Obermünsterplatz gehören nun allein den Bewohnern – offiziell.

Autofahrerin fragt sich: „Darf man da parken?“

Tatsächlich suchen immer noch einige andere dort einen Parkplatz. „Darf man da parken“, fragt etwa eine Frau, die am Mittwochnachmittag in eine Lücke steuert. Anwohnerin Paula Klepser klärt sie auf, das sei nicht mehr erlaubt. Sie erzählt, sie selbst sei eben 20 Minuten gekreist, um einen Parkplatz zu finden – und sie brauche als Hebamme unbedingt einen. Die Bewohnerparksituation sei nach wie vor schwierig. Dennoch kann sie den Sofortmaßnahmen etwas abgewinnen. „Es ist immer noch nicht ruhig. Aber vorher war es total irre“, sagt die 26-Jährige. Jetzt könne man auch mal draußen vorm Café sitzen. Christian Kolbeck (24) bestätigt das, nachdem er sich den letzten freien Anwohnerparkplatz geschnappt hat. „Es gibt einige Leute, die rumirren und sich nicht mehr auskennen“, erzählt er, das liege aber auch an der Baustelle in der Pfarrergasse. Insgesamt gelte: „Es fahren schon weniger Autos durch.“ Er ziehe im Dezember aber an den Galgenberg. „Ein Mitgrund ist, dass es mit dem Parken wirklich schwierig ist.“ Als Musiklehrer fahre er täglich mit dem Auto nach Nittendorf. Um die Ecke betreibt Maximilian Köhler (24) den Damfa-Store für E-Zigaretten. Er nennt die Verkehrsberuhigung „absolut beschissen“. Einerseits parkten die Leute „immer noch, wo sie wollen“. Andererseits beobachte er: „Die Straße war davor schon tot. Und jetzt ist es noch töter.“ Die neue Verkehrsführung sei „auch nicht ausgeschildert“.

Die Beschilderung ist in der Tat spärlich. An der Allee weist ein provisorisches Schild darauf hin, dass es in der Obermünsterstraße keine öffentlichen Parkplätze mehr gibt, an der Fröhlichen-Türken-Straße steht ein Sackgassenschild. Brücke-Stadtrat Florian Rottke fragte kürzlich im Planungsausschuss: „Wann kommen denn da die Schilder? Weil dann ist es ja nicht wirklich verkehrsberuhigt, wenn niemand weiß, dass es verkehrsberuhigt ist.“

Regensburger Oberbürgermeisterin widerspricht Ordnungsamtschef

Ordnungsamtschef Michael Bleckmann antwortete: „Die Beschilderung, die straßenverkehrsrechtliche Anordnung, kann erst dann erfolgen, wenn die baulichen Voraussetzungen dafür vorliegen.“ Die OB entgegnete, auch jetzt seien „richtige Schilder“ nötig, um den Verkehr zu leiten. „Momentan ist es ein bisschen schwierig, weil irgendwelche selbstentworfenen Schilder da aufgehängt sind und die Leute, die reinfahren, nicht mehr rausfinden“. Dazu komme der Kran in der Pfarrergasse. „Es ist in dem Fall keine verkehrsberuhigende Maßnahme an manchen Stellen, sondern eine verkehrsstauende.“

Stadtsprecherin Verena Danner erklärt: „Der Auftrag für die ergänzende Beschilderung wird aktuell innerhalb der Verwaltung bearbeitet.“ Insgesamt seien die bisherigen Rückmeldungen aus der Bevölkerung aber „überwiegend positiv“. Es gebe einzelne Beschwerden zu weggefallenen Parkplätzen. Die Verwaltung arbeite „an zeitnahen Lösungsmöglichkeiten, um den Parkdruck für Betroffene abzufedern“. Der Zeitplan für weitere kurzfristige Verkehrs-Maßnahmen in der Altstadt werde derzeit „final festgelegt“. „Dazu gehören bauliche Anpassungen an zentralen Zufahrtspunkten, die Installation beziehungsweise Anpassung von Beschilderung und Parkleitsystemen sowie die Vorbereitung digitaler Pilotlösungen und Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Fuß- und Radverkehr.“ Über Umgestaltungen von Plätzen sollen die Stadträte 2026 entscheiden.