Umzug der Superlative: 88 Bewohner vom Chamer Seniorenheim St. Michael ziehen in Neubau

Ein halbes Jahr wurde dieser Tag vorbereitet: Am Dienstag startete der Umzug der Bewohner des St. Michael Seniorenheims in Cham. Bis Donnerstag sollen 88 Senioren in den Neubau gegenüber einziehen. Vor Ort zeigt sich, wie herausfordernd die drei Tage für das Personal werden und warum ein Umzug laut Heimleiterin Monika Lobmeier „längst überfällig“ war.
Dass der Umzug keine einfache Sache wird, ist der Heimleiterin bewusst: „Unserem Personal wird die nächsten Tage wirklich viel abverlangt.“ Denn der Betrieb des Seniorenheims läuft trotz Umzugs ganz normal weiter. Das Pflegepersonal muss also oft mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen.
Die größte Herausforderung
Die größte Herausforderung: „Wir transportieren ja nicht nur Gegenstände“, sagt Lobmeier. Neben den Betten und Möbeln werden ja schließlich auch die Heimbewohner vom alten Gebäude in den Neubau gebracht. „Da ist Fingerspitzengefühl gefragt“, erklärt die Heimleiterin und ergänzt: „Für manche ist der Umzug auch nicht so einfach, weil sie so sehr am alten Gebäude hängen.“ Der Altbau wird abgerissen, wenn der Umzug geschafft ist. „Dann wird dort noch ein weiteres Gebäude entstehen.“

Jetzt steht aber erst einmal der Umzug der Bewohner an. Los geht es im dritten Stock. „Wir machen das Ganze von oben nach unten“, erklärt Lobmeier. Dort haben es sich schon drei Senioren auf Stühlen gemütlich gemacht und warten auf ihre Abholung. Die Heimleiterin erkundigt sich kurz, wie die aktuelle Gefühlslage bei den Senioren ausschaut. „Schade ist es schon“, sagt eine, und die andere ergänzt: „Ja mei, es hilft halt nicht.“ Trotzdem freuen sich die meisten Bewohner auf den Umzug, bestätigt der dritte Senior in der Runde.
Dann geht es wieder die Treppe nach unten ins Untergeschoss. Im Treppenhaus trifft Heimleiterin Lobmeier auf ein Ehepaar, das extra aus der Nähe von Düsseldorf angereist ist, um die eigene Verwandtschaft beim Umzug zu unterstützen. „Meine 97-jährige Mutter wohnt seit 2019 hier, und für uns ist es selbstverständlich, dass wir heute mithelfen“, erklärt Lilo Gietl. Ihr Ehemann Volker Knappe ergänzt: „Wir sind sogar bis Donnerstag da.“ Untergebracht sind die beiden solange in einer Chamer Pension.
Aber was hält eigentlich die Mutter von dem Umzug? „Die freut sich“, meint Gietl. Vor allem über das neue Badezimmer werde sie sich freuen. Die Toiletten sind im Neubau nämlich rundum erneuert. „Der Unterschied ist wirklich groß“, bestätigt auch Heimleiterin Lobmeier. Die Toiletten im Altbau sind laut ihr „schon lange sanierungsbedürftig“. Allein deshalb lohne sich der Umzug.

Bevor es ins neue Gebäude rübergeht, kommt die Leiterin noch beim alten Speisesaal des Seniorenheims vorbei. An der Tür hängt ein Zettel: „Am Montag, 01.12.25, letztmals geöffnet“, steht dort. Und so sieht der Raum auch aus: Die Lichter sind aus, und auch die Sonne scheint kaum mehr rein.
Der Speisesaal, der sonst Platz für etliche Senioren bietet, ist wie leer gefegt und dunkel. Nur Stühle und Tische stehen noch da und lassen erahnen, was hier wohl während der Essenszeiten los war. Auch Lobmeier wird bei diesem Anblick etwas wehmütig: „Traurig ist es schon, weil man einfach so verbunden mit dem Haus ist.“ Sie selbst sei bereits 15 Jahre lang Heimleiterin und habe dementsprechend auch viel in den Räumen des Seniorenheims erlebt. Trotzdem: „Ich habe die Einschränkungen hier ja täglich miterlebt, und der Umzug war längst überfällig.“
Der Neubau, der den Namen Begegnungszentrum St. Michael trägt, soll laut ihr alles besser machen. Helfen soll auch das sogenannte Quartierskonzept: „Die Senioren sollen privat leben können und trotzdem in einer Gemeinschaft, die auch mit der Öffentlichkeit verknüpft ist.“
Umzugskartons im Flur
„Aber am besten zeige ich Ihnen, was ich meine“, meint Lobmeier. Also geht es über eine provisorisch errichtete Brücke in den Neubau. Frisch gestrichene Wände und einige Umzugskartons in den Fluren fallen direkt auf. Und in einem Zimmer hat sich bereits der erste Senior eingerichtet.

Wobei er nicht der Erste, sondern der Dritte war, der in den Neubau einziehen durfte. „Um 9 Uhr morgens wurde ich abgeholt“, erzählt Edgar Kiefl. Der 86-jährige Chamer lobt den unkomplizierten Wechsel ins neue Heim: „Das ging flott wie die Biene.“ Und was sagt Kiefl zu den neuen Räumlichkeiten? „Das dauert ein bisschen, bis man sich daran gewöhnt hat“, gibt er zu. Vor allem sein neues Bett habe ihn aber überzeugt. „Alles in allem bin ich sehr zufrieden.“
Als Nächstes zeigt Heimleiterin Lobmeier den neuen Gemeinschaftsraum. „Das ist ein echtes Highlight“, meint sie. Die Bewohner erwarten laut ihr eine „gigantische Weitsicht“ und eine Terrasse. Und auch hier sitzt bereits eine ältere Frau auf einem Sessel und schaut in die Ferne, während neben ihr ein Radio läuft. Nur eine Sache fehlt ihr: „Ich brauche ein Verlängerungskabel.“ Dieses sei wohl beim Umzug vergessen worden. „Kein Problem“, beschwichtigt Lobmeier und ergänzt: „Das kriegen wir wieder.“

Auf dem Rückweg in das alte Heim kommt Lobmeier noch beim Begegnungscafé vorbei. Hier läuft der Aufbau schon auf Hochtouren. Daniela Zierreis, Hauswirtschaftsleiterin des Seniorenheims, hilft tatkräftig mit und bittet kurzerhand auch Heimleiterin Lobmeier um Hilfe. Zusammen schieben sie die letzten Tische an ihren Platz. „Echte Teamarbeit eben“, sagt Lobmeier. Und auch der Weihnachtsbaum steht in dem neuen Café schon. Eine Helferin schmückt diesen mit einer Lichterkette.
Apropos Weihnachten: Gibt es am Donnerstag, wenn der Umzug geschafft ist, dann eine Feier? „Nein, dann müssen wir alle erst einmal wieder zur Ruhe kommen“, erklärt Lobmeier. Außerdem steht am Freitag schon die nächste Herausforderung an, dann soll nämlich noch die Verwaltung das Gebäude wechseln. „Und danach sind wir dann alle platt.“ Eine Einweihungsfeier soll es aber trotzdem noch geben, und zwar voraussichtlich am 19. Januar. Dann soll auch Ministerpräsident Markus Söder vorbeischauen.
Schlussendlich soll das Begegnungszentrum St. Michael Platz für rund 120 Senioren bieten, erklärt Lobmeier. „Endlich kehrt Leben in den Neubau ein, darauf haben wir alle lange gewartet.“