Im Cordonhaus Cham: Künstlerduo zeigt funkelnde Kakteen aus Upcycling-Materialien

Erinnerungen an Lucky Luke oder Speedy Gonzalez ploppen auf: Die Installation „Raindrops Keep Falling on My Head“ von Gregor Passens und Torsten Mühlbach zeigt einen sich drehenden Kaktus aus Spiegelglas und über 400 bunte Glastropfen an den Wänden.
Tropfen, Tränen, Niesel. Auf dem Weg zum Cordonhaus nasselt es. Wie dieses feuchtkalte Wetter mit der Ausstellung von Gregor Passens und Thorsten Mühlbach, die wenig später eröffnet wird, zusammenhängt, erschließt sich schon bald nach der Ankunft. Zunächst betritt man ein Meer bunt funkelnder Spiegeltropfen und Poesie.
Wie eine Tapete überziehen diese aus Resten von Spiegelglas geschnittenen Tropfen die Wände des vorderen Raumes. Sie blinken und glitzern im Licht zweier Scheinwerfer, das von einem fast raumhohen, sich drehenden Kaktus ebenfalls aus Spiegeln auf die kleinen Glastropfen und wieder zurückgeworfen wird. Mitten in diesem spielerischen Farbspiel stehen Besuchende und wissen kaum wo sie zuerst hinschauen sollen. Von einer Seite kurz geblendet, erhaschen sie beim Umdrehen ein Ohr, die Nase oder ein Auge von sich in grünen, roten oder gelben Spiegeln.
Wandernde Sonnenstrahlen
Im Licht, das wie wandernde Sonnenstrahlen erscheint, ploppen Erinnerungen an Lucky Luke oder Speedy Gonzalez auf, die zwischen mexikanischen Kakteen ihren Gegnern entwischen. Diese spontanen Einfälle bilden aber nur einen kleinen Teil dessen ab, was alles mit Wüste, Hitze und den wasserspeichernden Riesenkakteen in Verbindung gebracht werden kann. Es ist das für jegliches Leben existentiell notwendige Wasser, mit dem auf Ressourcenschonung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht wird. Bereits bei der Auswahl der Materialien, die von dem Künstlerduo für ihre Installationen und Projekte genutzt wird, steht der Gedanke der Wiederverwertung und Umnutzung ganz oben. Neben Resten aus der Glas- und Spiegelfertigung trifft man im hinteren Ausstellungsraum auf abgewrackte Teile von Kommoden, Schränken und anderen Möbelstücken, die ebenfalls zu kakteenartigen Gebilden verarbeitet worden sind. Es ist eine weniger spielerisch leichte Fortsetzung der Installation „Raindrops Keep Falling on My Head“, erweitert um einige Bilder an der Wald und ein Objekt. Die Möbelkakteen, von denen einer noch das Logo eines schwedischen Möbelriesen trägt, machen auch auf die Funktion des Waldes als Wasserspeicher und natürliche Ressource aufmerksam. Durch den Anbau riesiger Flächen mit Monokulturen wie Fichte oder Kiefer und der Abholzung ganzer Wälder für neue Möbel die Modetrends unterliegen, sind diese Funktionen gefährdet. Der in Sachsen aufgewachsene Mühlbach erzählt, wie nach der Wiedervereinigung ganze Straßenzüge voll mit massiven Vollholzmöbeln standen, die von den Bewohnern aussortiert worden waren, um sie gegen moderne Billigmöbel großer Möbelhäuser auszutauschen.
So wie die Möbelkakteen durch die kreative Umnutzung mit neuen Informationen aufgeladen werden, funktionieren alle Objekte und Bildmotive des in München beheimateten Künstlerduos. An einer aufgeklappten Wäschespinne hängen blau glasierte Keramiktropfen an feinen Drähten und verweisen auf die Funktion des Haushaltsgegenstandes, das Trocknen nasser Wäsche. Zudem fängt es die symbolischen Tropfen auf, hält sie fest und lenkt den Blick erneut auf einen sorgsamen Umgang mit dem lebensnotwendigen Nass.
Reste vom Christkindlmarkt
Verdeckt werden die Gebilde aus Möbelresten von weiteren mächtigen Kakteen, die auf absurd-komische Weise auf Weihnachten und den immensen Verbrauch von Weihnachtsbäumen verweisen. Städtische Mitarbeitende des Bauhofs haben für die Künstler Nadelbaumreste vom Chamer Christkindlmarkt gesammelt. Daraus formten Passens und Mühlbach struppige Gesellen, denen man Nachts nicht unbedingt begegnen möchte. Mit ihrer Ausstellung, kuratiert von Simone Seifert, verbindet das Duo auf geniale Weise spielerische Leichtigkeit und sinnliche Schönheit, man riecht den Duft der Nadelbäume, mit Überlegungen eines besseren und schonenden Umgangs mit den natürlichen Ressourcen unserer Welt.