Berlins bekannter Pop-Art-Künstler Jim Avignon stellt in Kallmünz aus

Von Michael Scheiner · 1. Dezember 2025 um 18:00

Er wird der schnellste Maler genannt und dreht dem Kunstmarkt eine lange Nase. Galeristin Katharina Höhne fragte ihn ungeniert an - und er kam.

Eckige Hosenbeine, Arme und Füße wie in einem Comic, guckt der weit nach vorne gebeugte Mann mit einem zugekniffenen Auge prüfend in einen großen Spiegel. Ein Geisterwesen schaut konsterniert zurück. Auge in Auge steht das ungleiche Paar auf einer Weltkarte zwischen Nord- und Südamerika. Ein Fuss in der Karibik, der andere auf der schmalen Landbrücke.

Das Bild ist Teil der Ausstellung Stadt-Land-Club des Berliner Künstlers Jim Avignon in der Galerie beim Weißen Lamm in Kallmünz. Katharina Höhne, die Betreiberin, hat den Schauraum mit ihrem Mann, einem Grafiker, in einer ehemaligen Metzgerei eingerichtet. Den bekannten Pop-Art-Künstler haben sie ganz ungeniert kontaktet und eingeladen, in der Oberpfälzer Provinz auszustellen. Die Bilder, die der Berliner auf Anhieb begonnen hat für die Ausstellung zu malen, sind von briefkuvertklein bis metergroß und darüber hinaus. Dafür griff Avignon tief in die Themenkiste und bevölkert die Papierbahnen neben Menschen und Häusern mit Bäumen, Tieren und Wald. Zwei Pilze, „wild Mushrooms“ betitelt, spielen Gitarre auf einem Feld aus Punkten. Unter ihnen lauert „Der Schlagbaum“ mit Vampirzähnen und einer Keule auf sein nächstes Opfer, einen Spaziergänger.

Seine Kritik steckt voller Humor

Avignon wird mit seinem zwischen Comic, Streetart und Illustration angesiedelten Stil oft als schnellster Maler der Welt bezeichnet. Dazu hat auch eine Aktion auf der Documenta IX in Kassel beigetragen, bei der er täglich ein vier mal fünf Meter großes Bild malte und abends wieder zerstörte. Mit dieser Leichtfertigkeit gegenüber dem – bleibenden – Wert von Kunst stellt er sich dem herkömmlichen Kunstmarkt in den Weg, zeigt ihm sozusagen eine lange Nase. Das führt dazu, dass die ungerahmten Arbeiten auch für den oft beschworenen „kleinen Geldbeutel“ erschwinglich sind. Bei Avignon sind sie es tatsächlich. Schon während der gut besuchten Eröffnung, die der auch musikalisch produktive Künstler mit groovenden Sounds in Bewegung versetzte, klebten ersten rote Punkte.

Seine Arbeitsweise orientiert sich stark am Leben und ist den Menschen zugewandt. Kritik am Konsumverhalten, Umweltverbrauch oder an Einsamkeit in einer kommunikativ überlaufenden Welt steckt voller Humor, vermeidet apostelige Moralappelle und drückt auf keine Tränendrüse. Durch seine knallig bunte Farbwelt und die verspielt-simplen Botschaften, die er häufig durch Wortbanderolen verstärkt, spricht er Betrachtende zudem ganz direkt an. Er packt sie an ihren Emotionen, dockt mit seinen comichaften Figuren und der Vermenschlichung von Objekten und Tieren an Erinnerungen an.

Manches kann man auch kritisch sehen. Wenn ein Betonmonster in Form eines geschäftig mit Aktentasche und Handy sprintenden Hochhauses von einem freundlich lächelnden Baum umarmt wird, kann es auf einen respektvollen Umgang zwischen Natur und Kultur hindeuten. Oder es wird als Verharmlosung interpretiert, mit welcher der gnadenlose Raubbau des Menschen an seiner Umwelt verdeckt wird.

Lebensbejahend und ironisch

So oder so, die bunte Welt des Pop-Art-Künstlers mit ihrer lebensbejahenden Ausstrahlung und heiteren Ironie kann Stimmungen aufhellen. Versteckte und manchmal unmittelbar zu Tage tretende Gesellschaftskritik bewahrt sie zudem davor, als Verharmlosung oder gar als Etikettenschwindel gelesen zu werden. Und auch der Wald hat seinen berechtigten Platz bei dem Großstädter, stammt doch Avignons Großvater aus der tiefsten Oberpfalz bei Weiden.

Bis 21. März 2026, geöffnet Di. bis Do. von 9 bis 18 Uhr, und n.V. (Telefon: 0176-63 34 04 47).