Wärme bringt die Menschen zusammen – Genossenschaft ist Teil der Dorfgemeinschaft Irnsing

Energie und Umwelt sind die großen Themen der Gegenwart. Ein kleines Dorf zeigt, wie die Zukunft in Hinblick auf knapper werdende Ressourcen und steigende ökologische Anforderungen gelingen kann. Im Neustädter Ortsteil Irnsing (647 Einwohner) wurde jetzt ein lokales Wärmenetz eingeweiht.
130 Haushalte sind bereits angeschlossen. Doch das soll nicht der Schlusspunkt sein. Der Neustädter Ortsteil soll energieautark werden. Möglicherweise geht es bei alldem aber um noch mehr.
Die Feier in einer eher schmucklosen Industriehalle am Mittwochabend in der Ortsmitte von Irnsing markierte einen Wendepunkt. Zunächst einmal ging es dabei nur um die Einweihung des örtlichen Wärmenetzes. Seit 2023 liefen die Planungen und Vorbereitungen. Dabei ging es jedoch nicht nur um die Berechnung von Wärmeleitungen, die Verlegung von 6,35 Kilometer Wärmeleitung und die Installation einer großen Hackschnitzelheizung, an die aktuell 130 Abnehmer angeschlossen sind.
Es ging auch um die Gründung einer Genossenschaft. Und die könnte mehr sein als ein reiner Zweckverband. Darauf wurde bei der Einweihung mehrfach hingewiesen. So stellte Pfarrer Basil Iruthayasamy fest: „Wärme ist mehr als Technik, sie steht auch für Leben und Geborgenheit und Gemeinschaft.“ Bürgermeister Thomas Memmel äußerte sich ähnlich. Man sehe an dem Projekt, was daraus entstehen könne – eine Genossenschaft. Memmel betonte zugleich: „Es geht um mehr als ein Heizsystem, es ist eine Gemeinschaft.“
Sonne und Hackschnitzel
Und die könnte weiter wachsen. Nicht nur weil man seitens der Genossenschaft davon ausgeht, dass weitere Irnsinger ihr Haus an das lokale Wärmenetz anschließen und damit auf den Einsatz von Heizöl oder Holz verzichten werden. Das Wärmenetz soll weiter wachsen. Deshalb laufen die Vorbereitungen für eine große Photovoltaikanlage. Das Ziel ist anspruchsvoll: Irnsing soll energieautark werden.
„In der Endausbaustufe werden die am Wärmenetz angeschlossenen Haushalte zu zwei Dritteln des Jahres ausschließlich durch die Energie der Sonne mit Wärme versorgt werden. In dieser Stufe werden durch Strom von Photovoltaikanlagen, die auf Gebäuden im neuen Gewerbegebiet von Irnsing installiert werden, Hochtemperaturwärmepumpen betrieben“, sagt Martin Beck, Vorsitzender der Genossenschaft. So könne zwischen Frühjahr und Herbst die benötigte Wärme bereitgestellt werden, ohne dass ein Wärmeträger verbrannt werden müsse.
Künftig wird nur in der Jahreszeit, wenn Sonnenstunden nicht mehr reichen, um ausreichend Strom zu erzeugen und gleichzeitig der Wärmebedarf steigt, die Hackschnitzelheizung in Betrieb genommen werden.
Wie lange es brauchen wird, um dieses Ziel zu erreichen, wagt im Moment niemand zu sangen. Ein Blick auf die Entwicklung des Wärmenetzes zeigt, dass Geduld sinnvoll ist. Die Ursprünge des Wärmenetzes reichen nämlich weit ins vorige Jahrzehnt zurück. 2011 wurde das erste, kleine Wärmenetz in Irnsing mit 15 Teilnehmern von Stephan Kallmünzer als Betreiber und Besitzer dieses kleinen Netzes in Betrieb genommen.

Im Sommer 2022 ging Kallmünzer mit seiner Idee, das Wärmenetz zu erweitern, damit ganz Irnsing an das Netz angeschlossen werden kann, an die Öffentlichkeit. Als Betreiberkonzept warb Kallmünzer für eine Genossenschaft. Damit sei man unabhängig von künftigen umwelt- und geopolitischen Konstellationen.
Derzeit 90 Mitglieder
„Bereits im November 2022 fand die Gründungsversammlung der Irnsinger WärmeNetz eG statt“, sagt Martin Beck. Im Mai 2024 begannen die Bauarbeiten für Bauabschnitt 1 (Irnsing Oberdorf), im März 2025 gingen die Arbeiten an Bauabschnitt 2 (Irnsing Unterdorf und Kelsstraße) los. Fertig gestellt war die 6,35 Kilometer lange Wärmeleitung vor wenigen Tagen. Gekostet hat das Netz insgesamt rund vier Millionen Euro.
Das Wärmenetz ist aktuell noch im Besitz von Kallmünzer. Sobald die Übergabe des Netzes förderunschädlich möglich ist, wird die Irnsinger WärmeNetz eG das Netz übernehmen. Kallmünzer ist ab diesem Zeitpunkt dann nur mehr der Wärmelieferant.
Die Irnsinger WärmeNetz eG hat aktuell 90 Mitglieder und 130 Wärmeanschlüsse. Die Differenz ergibt sich, da noch nicht alle Bauplätze des neuen Baugebietes verkauft sind und weil einige Mitglieder mehrere Objekte besitzen, die mit Wärme versorgt werden.
