Früherer bayerischer Ministerpräsident will in Neumarkt bauen

In den vergangenen Jahren hat sich zwischen der A3 und der Straße nach Pilsach einiges verändert. In mehreren Schritten haben beide Kommunen große Gewerbeflächen ausgewiesen. Jetzt soll eine der letzten großen Lücken geschlossen werden – auf Kosten von drei Hektar Wald. Involviert sind eine Neumarkter Firma – und Günther Beckstein.
Wer vor 20 Jahren auf der B299 zwischen Neumarkt und Pilsach fuhr, der sah im Norden Wald und Felder. Im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte ist dort Stück für Stück ein großer Gewerbekomplex entstanden.

Zunächst kamen der Megastore des Camping-Händlers Fritz Berger (2002), das Lager von Tchibo (2005) und der neue Standort von Abfallverwerter Edenharder (2015). 2022 eröffnete Fuchs Europoles auf rund elf Hektar ein großes Werk. Nur wenig später brauchte das Unternehmen weiteren Platz, weswegen nebenan rund acht Hektar Wald weichen mussten.
Günther Beckstein plant, eine große Gewerbehalle in Neumarkt zu bauen
Im Vergleich dazu fällt der Bau eines Neumarkter Zweirad-Händlers in der Nachbarschaft klein aus, der 2021 entstand. Zuletzt wies die Gemeinde Pilsach von Osten her ein Gewerbegebiet aus, in dem sich unter anderem die BayWa ansiedelte. Auch hier war die Firmengruppe Fuchs bei der Entwicklung beteiligt.
Gleiches gilt für die neuesten Pläne. Nördlich des Tchibo-Lagers gibt es noch eine große landwirtschaftliche Fläche. Zudem trennt ein Waldstück die Erweiterung von Fuchs Europoles vom Tchibo-Lager. Zusammen ergeben sich so rund 8,5 Hektar, die Gewerbefläche werden sollen.
Zumindest ist das der Plan von Fuchs Europoles und der GB & Cie GmbH. GB steht für Günther Beckstein. Der langjährige bayerische Innenminister und Ministerpräsident ist Gesellschafter der Firma, die nach eigenen Angaben Gewerbe- und Wohnimmobilien-Projekte entwickelt. Ein weiterer Gesellschafter ist Jürgen Lischka. Der Fürther Architekt kennt sich vor Ort aus: Er war am Bau des Edenharder-Standorts beteiligt.

Halle für Neumarkter Gewerbegebiet soll 25.000 Quadratmeter groß sein
Die GB & Cie GmbH plant nach Angaben der Stadt Neumarkt einen Gewerbehallenkomplex mit einer Länge zwischen 184 und 208 Metern sowie einer Breite von 125 Metern. In einem möglichen Bauleitplanverfahren wird laut Stadtverwaltung zu prüfen sein, ob diese Ausmaße noch verträglich sind oder nur kleinere Baukörper erlaubt werden. Dass das Rathaus dies explizit erwähnt, deutet ein gewisses Unbehagen an.
Der Hallenkomplex mit einer Fläche von 25.000 Quadratmetern ist flexibel gedacht und kann zwischen zwei und vier Nutzer aufnehmen. Welche Unternehmen aus welcher Branche das sein könnten, wird sich laut Rathaus erst im Laufe eines möglichen Planungsverfahrens konkretisieren, wenn die Vorgaben bei Immissionen feststehen.
Denkbar seien Unternehmen, die selbst produzieren oder Güter veredeln, erklärt die Stadtverwaltung. Die GB & Cie GmbH hat aber auch Logistik in verschiedenen Formen im Sinn. Reine Lagerlogistik lehnt die Stadt Neumarkt ab. Auch im Stadtrat war in der jüngeren Vergangenheit immer die Maxime: Wenn Flächen für Gewerbe erschlossen werden sollen, dann nur im Gegenzug zu wertigen Arbeitsplätzen.
Wald müsste für Gewerbegebiet in Neumarkt weichen
4,9 Hektar Wiese umfasst der Bereich, auf dem die GB & Cie GmbH angrenzend an den neuen Rastplatz der Autobahn bauen will. Auf 3,6 Hektar südlich davon will Fuchs Europoles ein weiteres Mal seine Produktionskapazitäten erweitern. Aktuell laufen noch auf dem westlich angrenzenden Grundstück die Bauarbeiten für eine erste Erweiterung.
Für diese waren rund acht Hektar Nadelwald gefällt worden. Daran hatte es Kritik gegeben. Die nun angedachte Flächenerweiterung beträfe erneut Wald. Rund drei Hektar sind Nadel- bzw. Mischwald.
Denkbar, dass dies am kommenden Montag im Bausenat des Neumarkter Stadtrats zu Diskussionen führt. Die Stadträte müssen entscheiden, ob ein Bauleitplanverfahren für das Projekt eingeleitet wird oder nicht.