Neues Werk für Fuchs-Europoles in Neumarkt: Geplante Rodung sorgt weiter für Zündstoff

Von Petra Schlierf · 13. Dezember 2023 um 15:44

Knapp acht Hektar Wald müssen weichen, wenn die Firma Fuchs Europoles ihre Produktion am Industriegebiet Habersmühle in Neumarkt erweitern darf. Vor allem dieser Umstand hat im Bausenat für wenig Begeisterung gesorgt. Einige Stadträte fanden die Ausgleichsmaßnahmen alles andere als ausreichend.

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Die Bauleitplanung für den Bereich Habersmühle III zwischen A3 und B299 hat bereits eine längere Geschichte hinter sich, wie Ralf-Peter Hoffmann vom Stadtplanungsamt skizzierte. Grundsätzlich wolle man Fuchs Europoles damit die Möglichkeit geben, seine Produktion um einen neuen Geschäftszweig zu erweitern. Eine erste Runde der Öffentlichkeitsbeteiligung hat bereits stattgefunden, Stellungnahmen von Behörden und öffentlichen Stellen wurden eingeholt.

Der Sinzinger Planer und Architekt Bernhard Bartsch erläuterte ausführlich die Festsetzungen der Bauleitplanung. Etwa neun Hektar umfasst der Geltungsbereich, acht davon sind derzeit noch Wald. Der Geltungsbereich umfasst außerdem den schon bestehenden Mitarbeiter-Parkplatz, der für das neue Werk noch vergrößert werden soll.

Demo-Mast darf bis zu 30 Meter hoch werden

Was nun darf auf dem Gelände passieren, wenn der Wald gerodet ist? Dafür wurden laut Bartsch unterschiedliche Bereiche definiert. Den größten Teil in der Mitte sollen zwei Produktionshallen einnehmen, die bis zu 14 Meter hoch werden dürfen. Ganz im Norden, im Grenzbereich zum Wald, werden laut Bartsch Krananlagen mit höchstens zehn Metern installiert.

Dazu komme ein „Demonstrationsmast“, der bis zu 30 Meter in den Himmel ragen darf. An anderer Stelle ist ein Silo erlaubt mit maximal 22 Metern Höhe. An der Europoles-Straße im Süden des Geländes sollen ein Regenrückhaltebecken sowie im Anschluss daran das Verwaltungsgebäude mit vier Stockwerken entstehen. Dachbegrünung, PV-Anlagen und der Erhalt besonders wertvoller Bäume seien außerdem vorgesehen.

Da das Gelände aktuell ein Gefälle aufweist, wird es vor der Bebauung durch Abgrabungen und Auffüllungen ausgeglichen werden müssen, erklärte Bartsch, „sechs bis sieben Meter Abgrabung an der tiefsten Stelle“. Dabei werde allerdings in das sensible Schichtenwasser eingegriffen. Das sei noch ein Thema des Wasserrechtsverfahrens und eines Gutachtens, so Bartsch.

Das ganze Gebiet ist laut Bartsch mit Lärmkontingenten belegt, die der Investor einhalten muss. Das solle verhindern, dass an den nächstgelegenen Wohnanwesen die Grenzwerte überschritten werden.

Doch wie soll dieser Eingriff in das Waldstück ausgeglichen werden? Insbesondere der Bund Naturschutz hatte die Pläne im Vorfeld massiv kritisiert und lehnte sie in seiner Stellungnahme als „krasse Fehlentwicklung“ ab. Auch Olaf Böttcher (Grüne) und Werner Thumann (CSU) übten Kritik, weil ihnen die Wiederaufforstung zu dürftig ausfiel. „Mir ist das alles eindeutig zu wenig“, sagte Thumann.

Der Investor habe bereits nachgebessert, betonte Bartsch. Zwei Hektar bisher intensiv genutztes Grünland nahe Oberölsbach werden aufgeforstet und sollen zu einem wertvollen Laubwald heranwachsen. Zuvor waren dafür nur 0,7 Hektar eingeplant gewesen. Weitere Waldflächen, bisher Monokulturen, werden so umgebaut, dass aus ihnen wertvoller Laub- bzw. Laubmischwald entstehe. Insgesamt summiere sich die Fläche damit auf sechs Hektar.

Produkte wichtig für die Energiewende

Die Fläche falle zwar zahlenmäßig geringer aus als das zu rodende Gebiet, räumte Bartsch ein. Es gehe jedoch darum, wie wertvoll die Wälder sind. Der jetzige Fichtenwald sei ökologisch weniger wertvoll als ein Laubwald, zu dem ein Teil davon im Randbereich des Areals umgebaut wird. Grün soll es auch auf dem Betriebsgelände selbst geben: Die Böschungen und auch der Parkplatz müssen intensiv eingegrünt werden. An drei Seiten des neuen Betriebsgeländes – mit Ausnahme der Straßenseite – bleibt der Wald erhalten.

Von überragendem öffentlichen Interesse seien laut Bartsch die Produkte, die dort künftig entstehen sollen: „Es werden dort neue Bauteile entstehen, die für den Ausbau der erneuerbaren Energien benötigt werden.“ Und diesem Sektor räumt auch das Gesetz überragendes öffentliches Interesse ein, so der Planer. Auf Nachfrage erklärte Fuchs Europoles, dass im neuen Werk künftig Hybridmasten für Windkraftanlagen entstehen sollen. Fundament und die unteren 80 Meter bestehen aus Beton. Dazu will Fuchs auch gleich die Betonteile für die zugehörige Infrastruktur liefern, zum Beispiel Fundamente und Trafowannen für Umspannwerke, Freileitungen oder Stromspeicher.

Parkhaus eine Alternative zur Rodung für Parkplätze?

Diesen Punkt fand auch Martin Meier (UPW) überzeugend. Für ihn stand die Erweiterung außer Frage: „Für mich ist klar, dass wir – nachdem wir A gesagt haben – auch B sagen.“ Das Werk von Fuchs Europoles in Habersmühle ist seit rund eineinhalb Jahren in Betrieb.

Dass man das Unternehmer grundsätzlich in seiner Entwicklung unterstützen will, habe man bereits mit dem Ja zum neuen Produktionsstandort an der Habersmühle klar gemacht, erinnerte Olaf Böttcher. „Aber das war auch schon mit Bauchgrummeln“, blickte der Grünen-Stadtrat zurück. „Jetzt kommt diese Erweiterung – sehr schnell, sehr überraschend.“

Verwunderlich findet er es zum Beispiel, dass für den vergrößerten Parkplatz Bäume gefällt werden sollen. Mit einem Parkhaus könne man das zumindest teilweise verhindern. Das aber wolle der Investor nicht, berichtete der Planer. Zudem verwies er auf den Gleichbehandlungsgrundsatz: In den umliegenden Gebieten seien keine Parkhäuser gefordert.

Einen weiteren Aspekt griff Günther Stagat (SPD) auf. Er vermisste eine intensivere Beleuchtung des Einflusses auf das Grundwasser. Das solle nämlich auch für die Produktion angezapft werden. Trotz aller Eingriffe werde er das Projekt befürworten, denn wenn Fuchs Europoles nicht in Neumarkt hätte bauen können, wäre das Werk anderswo realisiert worden. „Und auch dort wäre wahrscheinlich Fläche versiegelt worden“, vermutete er. Außerdem wäre der Stadt dann die Gewerbesteuer verloren gegangen.

Mit 9:4 Stimmen billigte der Bausenat letztlich den Bebauungsplan Habersmühle III.