Günther Beckstein in Velburg: Warum Demokratie Engagement und christliche Werte braucht

Der ehemalige Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein spricht in Velburg über die Gefahren für unsere Demokratie – von Populismus bis Respektverlust – und warum christliche Werte und politische Bildung wichtiger sind denn je. Dabei verriet er auch, wie er den Zustand von Bundestag und Landtag bewertet.
„Viele Bürger mit Gemeinschaftssinn“ wünschte sich der frühere Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein bei seinem Besuch in Velburg. Im voll besetzten Wieserstadl sprach der 81-Jährige über zwei zentrale Themen: „Demokratie schützen – aber wie?“ und „Als Christ in der Politik“.
Bürgermeister Christian Schmid begrüßte Beckstein, der sich zuvor ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte. Sein halbes Leben hat der bald 82-jährige promovierte Jurist aus dem fränkischen Hersbruck dem Bayerischen Landtag als Abgeordneter der Christlich-sozialen-Union angehört, er wirkte als Innenminister und später auch als Ministerpräsident. Dabei entstand ein Fundus an Erfahrungen, aus dem der Referent nun in freier Rede persönliche Einblicke in seine langjährige politische Laufbahn geben konnte und dann auch Fragen beleuchtete, welche Rolle christlich geprägte Überzeugungen hier im politischen Handeln spielen können.
Dr. Beckstein war von frühester Jugend an in der evangelischen Jugendarbeit des CVJM aktiv und über viele Jahre Mitglied der evangelisch-lutherischen Landessynode Bayerns. Er wusste also, wovon er sprach – seine Erfahrungen mit Politik und Kirche sind bis heute gefragt, wie das große Besucherinteresse im Velburger Wieserstadl zeigte.
Beckstein outet sich als leidensfähiger Club-Fan
Seiner politischen wie kirchlichen Laufbahn kam dabei auch seine „überaus ausgeprägte Leidensfähigkeit“ zugute – eine Eigenschaft, die einem bekennenden Club-Fan zu eigen ist, wie er eingangs schmunzelnd verriet.
Dr. Beckstein nannte die Demokratie eine der größten Errungenschaften der Menschheit. Wo sie fehle, herrschten andere Gesetze – das zeige die aktuelle Weltlage. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und freie Wahlen seien Grundpfeiler der Menschenwürde. Dafür einzutreten sei Pflicht aller, die demokratisch denken und handeln, denn nur das ermögliche ein friedvolles Miteinander, so Beckstein.
Im politischen Alltag seien freie Rede und Gegenrede wesentliche Instrumente der Demokratie. Sie dürften hart geführt werden, müssten aber stets von Respekt vor dem Andersdenkenden geprägt sein. Kompromissbereitschaft sei dabei unverzichtbar – wer dazu nicht fähig sei, werde in einer Demokratie scheitern.
Bundestag und Landtag: Respekt in der Debatte geht verloren
Beckstein beobachtet heute in Bundestag und Landtag einen deutlichen Rückgang an gegenseitigem Respekt. Früher sei oft leidenschaftlich debattiert worden, etwa zu Zeiten von Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner – doch der Respekt sei gewahrt geblieben. Heute träten an diese Stelle oft Populismus und soziale Medien, die mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen lockten. Diese Medien seien zwar nicht mehr wegzudenken, würden jedoch anonym und häufig beleidigend genutzt – und damit zur Gefahr für die demokratische Kultur, so der Referent.
Zum Schutz der Demokratie seien Institutionen wie Verfassungsschutz und Polizei unerlässlich. Doch ebenso brauche es einen wehrhaften Staat, denn den Feinden der Demokratie sei jedes Mittel recht, um bestehende Ordnungen zu untergraben oder zu zerstören. Gerade deshalb sei diese Aufgabe so anspruchsvoll.
Noch wichtiger sei aber die frühzeitige Erziehung junger Menschen zu demokratischem Denken. Es könne gar nicht früh genug damit begonnen werden, mahnte Beckstein. Ein Bekenntnis zur Demokratie könne überall abgelegt werden – wer schweige, überlasse das Feld den Falschen. „Es lohnt sich, für die Demokratie einzutreten, weil wir weiterhin in einer freien Welt und Gesellschaft leben wollen. Und das ist heute notwendiger denn je“, so sein eindringlicher Appell.
In der abschließenden Diskussionsrunde bekannte Beckstein, dass ihm christliche Werte stets eine Hilfe und Richtschnur in seinem politischen Handeln gewesen seien. Auf die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Kirche antwortete er: „Politik muss sich an der Zweckmäßigkeit orientieren, nicht an der ewigen Wahrheit. Dafür sind die Kirchen zuständig – und das braucht es beides. Es kann sich auch gegenseitig helfen.“