Meisterwerk aus Beton: Talbrücke Krondorf zwischen Neumarkt und Velburg wächst

Eine graue Wand – mehr sehen Autofahrer von der Baustelle nicht, wenn sie auf der A3 über die Talbrücke Krondorf fahren. „Das ist Absicht“, verrät Bauleiterin Sonja Ackermann. „Die sollen ja nicht abgelenkt werden.“ Denn tatsächlich gibt es auf der anderen Seite der Wand einiges zu entdecken.
Neben der bereits fertigen Fahrspur in Richtung Nürnberg wird gerade eine Reihe von 40 Meter hohen Betonpfeilern errichtet. Auf der Spitze eines dieser Pfeiler ist Ackermanns Lieblingsplatz: „Hier habe ich einen guten Überblick über den Baufortschritt.“

Von dort sieht man auch etwas, was von der Straße aus nicht erkennbar ist: Dass die Konstruktion eigentlich aus zwei Brücken besteht. Eine für jede Fahrtrichtung. Aktuell fahren alle Autos bereits über die neue Brücke: „Sie ist einen halben Meter breiter als die Alte“, erklärt Ackermann. „Das bringt Entspannung für den Verkehr, weil wir hier vier statt drei Spuren anbieten können.“ Das habe die Staus deutlich verringert.
Für das Bauteam ist die Arbeit mit zwei Brücken optimal: „Manchmal haben wir Brücken, die aus einem Stück bestehen, da müssen wir dann daneben komplett neu bauen und den Verkehr umleiten“, erklärt Rüdiger Ziener, Geschäftsbereichsleiter Bauunterhalt bei der Autobahn GmbH in Fürth. „Das ist natürlich viel aufwendiger und zeitraubender.“
Fertigstellung 2026

Auch so braucht so eine Großbaustelle Geduld: Die Arbeiten an der 475 Meter langen Brücke begannen im August 2021. Das Ende ist aktuell für November 2026 geplant. „Wir sind etwa zehn Monate im Verzug“, meint Ackermann, versichert aber, dass die Autofahrer immer weniger Behinderungen spüren werden: „Das letzte halbe Jahr machen wir Arbeiten unten am Bauwerk, die den Verkehr gar nicht betreffen.“ Theoretisch könne man so eine Brücke auch in zwei Jahren hochziehen, ergänzt Ziener. „Aber dafür müsste man die Autobahn komplett sperren.“
Ackermann hat jedenfalls Spaß daran, so lange und intensiv an einem Projekt zu arbeiten: „Wir sind ja Baustellen-Nomaden, die von einem Ort zum andern ziehen. Da ist es gut, für ein paar Jahre irgendwo aufgeräumt zu sein.“ Entsprechend wohnlich wirkt das Container-Gebäude, beim Rasthof Jura-Ost, das der Bauleitung als Einsatzzentrale dient. Sogar eine Einbau-Küche gibt es hier.

Die Wände sind übersät mit Skizzen, welche die Details des neuen Bauwerks zeigen. „Es wird etwas eleganter“, meint Ziener. So sind die neuen Pfeiler nicht nur gerade Klötze, sondern erweitern sich oben. Und da sie massiv sind, seien sie auch einfacher in der Wartung. Die Vorgänger aus den 70ern waren hohl und mussten deshalb aus Sicherheitsgründen regelmäßig mit einem Hammer abgeklopft werden. Bei einer solchen Prüfung wurde dereinst auch festgestellt, dass die alte Brücke den modernen Anforderungen nicht mehr standhielt: „Vor allem der Schwerlastverkehr hat stärker zugenommen, als bei der Planung in den 60ern erwartet“, sagt Ziener. Um den Neubau führte deshalb kein Weg herum.
60 Millionen kostet das Projekt, bezahlt werden sie aus Geldern des Bundes. Gearbeitet wird bei jeder Witterung und Jahreszeit – immer Montag bis Samstag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. „In der Nacht arbeiten wir nicht, da die Beleuchtung hier zu aufwendig wäre“, sagt Ackermann. Denn in dem Tal gibt es keine künstlichen Lichtquellen. „Man glaubt gar nicht, wie dunkel so eine Nacht außerhalb der Stadt sein kann.“
Zum Abschluss ihrer Inspektionstour begeben sich Ackermann und Ziener schließlich noch ins Innere der Brücke: Der Betonkasten ist nämlich zu Wartungszwecken begehbar. Allerdings sind bisher nur die ersten Meter beleuchtet, anschließend wird es pechschwarz, da an der Beleuchtung noch gearbeitet wird.

Schon fertig ist aber das Drainage-System: Röhren, über die bei Regen das Wasser von der Fahrbahn nach unten geführt wird. Zudem enthält der Kasten noch Seile, die für weitere Stabilität sorgen.
Im Gegensatz zum luftigen Pfeiler wirkt dieser Teil der Baustelle eher bedrückend: Die Autos direkt über den Köpfen sorgen für ständige Vibrationen und Druck auf den Ohren. „Die Reisezeit in den Süden hat begonnen“, grinst Ackermann. Da sie ständig den Verkehr zählen, wissen die Arbeiter immer Bescheid, wie stark die Brücke befahren ist. Das war vor allem in der ersten Bauphase notwendig, als auf der engeren Brücke je nach Bedarf die dritte Spur in die eine oder andere Richtung freigegeben wurde.
Schließlich geht es wieder nach draußen und Ackermann zeigt den nächsten Schritt: Wenn die Pfeiler fertig sind, wird die neue Brücke von außen darübergeschoben – aufgeteilt in 30-Meter Abschnitte, von denen jeder etwa zwei Wochen Arbeitszeit benötigen wird. Wenn die Krondorf-Brücke fertig ist, steht für Ziener und Ackermann bereits das nächste Projekt im Landkreis an: Bei Pilsach wird eine andere Brücke ersetzt – diesmal eine, die aus nur einem Stück besteht: „Da rechnen wir mit einer Bauzeit von 2026 bis 2032“, sagt Ackermann.