Ein Muss zur Weihnachtszeit: Vanillekipferl schmecken einfach himmlisch

Von Isabell Dachs · 30. November 2025 um 05:00

Vanillekipferl sind eines der bekanntesten und beliebtesten Weihnachtsgebäcke hier bei uns. Diese halbmondförmigen Plätzchen, die zusätzlich in Puder- und Vanillezucker gewälzt werden, sollten auf keinem Plätzchenteller fehlen. Dabei ist Vanille ja eigentlich ein Gewürz, das aus tropischen Regionen stammt. Wie kam es also dazu, dass das beliebte Backwerk Teil der österreichisch-bayerisch-böhmischen Backtradition wurde?

Die genaue Herkunft der Vanillekipferl lässt sich nicht eindeutig datieren, doch es ist wahrscheinlich, dass sie im 19. Jahrhundert in Österreich entstanden sind, worauf das Wort Kipferl hinweist. Mit Kipferl wird dort eine längliche, gebogene Backware bezeichnet. Teile Bayerns haben das Wort übernommen, während im restlichen Deutschland eher von Hörndl oder Hörnchen die Rede ist. Einer Legende nach ist das Wort Kipferl in Wien als Hohn auf die erfolglose Zweite Türkenbelagerung im Jahr 1683 entstanden. Demnach hätte sie ein Wiener Bäckermeister während der Belagerung der Stadt kreiert, um den türkischen Halbmond auf dem Stephansdom zu verspotten. Tatsächlich wurde Wien aber von den Türken nicht eingenommen, weshalb das Symbol der Mondsichel nie als Flagge des Osmanischen Reichs am Stephansdom wehte.

Da in einer Urkunde aus dem 12. Jahrhundert das Kipferl aber bereits auftaucht, dürfte es bei ersterer Behauptung bei einer Legende bleiben. Angeblich sollen Kipferl auch dem Croissant „Modell gestanden“ haben. Das französische Croissant aus Plunderteig kam allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts auf. Dort war aber vorher schon halbmondförmiges Gebäck aus Hefeteig bekannt. Die Form soll im 18. Jahrhundert durch eine Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia nach Frankreich gekommen sein.

Ursprung wohl im Kloster

Die Vanillekipferl sind zwar auch als Teegebäck bekannt, üblicherweise werden sie aber hauptsächlich als Weihnachtsgebäck zubereitet. Der Ursprung liegt vermutlich in den mittelalterlichen Klöstern, denn zum Andenken an die Geburt Jesu war erlesenes Backwerk üblich. Stollen waren beispielsweise ein typisches klösterliches Adventsgebäck und auch Rezepte für den Lebkuchen entwickelten sich dort. Heutzutage ist die Weihnachtsbäckerei stark industrialisiert. Laut des Statistischen Bundesamtes werden allein an Lebkuchen in Deutschland über 85.000 Tonnen pro Jahr hergestellt.

So werden Vanillekipferl zubereitet

Für unsere Vanillekipferl brauchen wir 300 g Mehl (Weizen 405 oder Dinkel 630), 100 g gemahlene Mandeln, 100 g Puderzucker, 1 Vanilleschote, 1 Prise Salz, 200 g kalte Butter, 3 Eigelb. - Foto: Isabell Dachs
Mehl mit Mandeln und Puderzucker in einer Schüssel mischen. Vanilleschote längs aufschneiden und das Mark herauskratzen und zum Mehl geben. Salz, Butter in Würfeln und Eigelb zugeben. - Foto: Isabell Dachs
Alles mit den Händen rasch zu einem glatten Teig kneten und zu einer Kugel formen. In Folie gewickelt mindestens eine Stunde kaltstellen. - Foto: Isabell Dachs
Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Backbleche mit Backpapier belegen. Portionsweise den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und aus jeweils walnussgroßen Stücken Hörnchen formen. Alternativ einen flachen 1,5 cm hohen Teigstrang formen, mit einem runden Ausstecher Halbmonde ausstechen und nur die Kanten leicht nachformen. - Foto: Isabell Dachs
Kipferl mit Abstand auf das Blech legen und 6-7 Minuten backen. Wenn sie an den Spitzen beginnen, braun zu werden, dann sind sie fertig. - Foto: Isabell Dachs
Bevor sie vollständig erkaltet sind (nicht heiß), sollten sie mit einer Mischung aus Puder- und feinem Vanillezucker bestreut werden, dann haftet der Zucker besser. - Foto: Isabell Dachs
Auf keinem Plätzchenteller sollten Vanillekipferl fehlen. - Foto: Isabell Dachs

In vielen Familien bei uns ist es Tradition, dass Weihnachtsgebäck selbst hergestellt wird. Allerdings ist das Backen teuer geworden, vor allem aufgrund gestiegener Preise für Butter, Kakao und Nüsse, aber auch durch höhere Energiekosten.

Vanille war früher extrem teuer

War früher echte Vanille extrem teuer und in Stangenform als Königin der Gewürze bezeichnet, fällt sie heute vom Verhältnis her nicht mehr so stark ins Gewicht. Vanille stammt ursprünglich aus Mexiko und wurde dort schon lange vor der Ankunft der Europäer angebaut und verwendet. Spanische Eroberer brachten sie im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie zunächst als exotisches und seltenes Luxusgut galt. Danach dauerte es noch Jahrzehnte, bis die Verwendung von Vanille in Spanien und dann im übrigen Europa üblich wurde. Sie blieb eine Leckerei für die Reichen und Spanien hütete sein Monopol.

Probieren Sie auch: Bildgebäck:Warum Plätzchen mit Motiven in der Region so sehr beliebt sind

Natürliche Vanille blieb lange kostbar, auch nachdem 1874 die synthetische Herstellung von Vanillin gelang. Bei Backzutaten wird oft Vanillin-Zucker angeboten. Mein Tipp: einfach ausgekratzte Vanilleschoten in ein Schraubglas mit Zucker geben und gelegentlich schütteln. Auf diese Weise braucht nie wieder Vanillezucker zugekauft zu werden.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verschob sich der Schwerpunkt der Produktion von Bourbon-Vanille nach Madagaskar. Bourbon-Vanille zeichnet sich dadurch aus, dass der Vanillin-Gehalt besonders hoch ist. Madagaskar und Indonesien sind heute die Hauptanbauländer und ziehen die Vanille auf Plantagen.

Der langwierige Bearbeitungsprozess ist neben der künstlichen Bestäubung der Grund für den hohen Preis der Gewürzvanille. Je nach Herkunftsland und Produzent gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede, unabhängig davon, welche Vanille-Art angebaut wird. Eine gute Vanillestange soll von elastischer, lederartiger Beschaffenheit sein, keinesfalls hart und vertrocknet.

Vanillekipferl backen

Für unsere Vanillekipferl mischen wir 300 g Mehl (Weizen 405 oder Dinkel 630) mit 100 g gemahlenen Mandeln und 100 g Puderzucker in einer Schüssel gut durch. Dann schneiden wir eine Vanilleschote längs auf, kratzen das Mark heraus und geben es zum Mehl. Des Weiteren kommen eine Prise Salz, 200 g kalte Butter in Würfeln und drei Eigelb dazu. Alles zusammen wird nun mit der Hand rasch zu einem glatten Teig geknetet. Dann den Teig zu einer Kugel formen, in Folie wickeln und im Kühlschrank mindestens eine Stunde kaltstellen.

Danach den Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Den Teig portionsweise aus dem Kühlschrank nehmen, aus jeweils walnussgroßen Stücken Hörnchen formen und mit Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Die Backzeit beträgt etwa 6-7 Minuten. Wenn die Kipferl an den Spitzen beginnen, braun zu werden, dann sind sie fertig. Bevor sie vollständig erkaltet sind (nicht heiß), sollten sie mit einer Mischung aus Puder- und feinem Vanillezucker bestreut werden, dann haftet der Zucker besser. Oftmals gibt es Probleme, dass die Vanillekipferl zerbrechen. Das passiert, wenn der Teig zu warm ist, oder das Ausformen zu lange dauert. Eine schnelle Möglichkeit ist es, einen flachen, 1,5 cm hohen Teigstrang zu formen, mit einem runden Ausstecher Halbmonde auszustechen und nur die Kanten leicht nachzuformen.

Noch mehr Rezepte aus Großmutters Küche aus Cham finden Sie hier

Das nächste Mal

Das nächste Mal: Haben Sie gewusst, dass Lauch oder Porree zu den Küchengiften zählt? Im Mittelalter soll dieser sogar als Folterinstrument Verwendung gefunden haben. Was es damit auf sich hat und wie wir Lauch trotzdem bedenkenlos genießen können, das zeigen wir in unserem nächsten Serienteil. Eine schmackhafte Lauch-Käse-Suppe darf da nicht fehlen.