Gefahr durch Elterntaxis an der Regensburger Kreuzschule: Reagiert die Stadt?

Zur Kreuzschule im Regensburger Westen haben Kinder zum Teil weite Wege. Das Ergebnis ist ein tägliches Park-Chaos. Der Elternbeirat hat schon viel probiert, ein Radpendler hat jetzt eine neue Idee.
Erst sind es zwei Autos, dann drei, vier und fünf: Im Nu sind am Donnerstag um 16 Uhr etliche Meter des Radstreifens in der Lessingstraße im Stadtwesten zugeparkt – von Eltern, die ihre Kinder von der Kreuzschule abholen. Bereits im vergangenen Jahr schlugen Betroffene Alarm und die Stadt färbte den Schutzstreifen rot ein. Aber reicht das?
Elternbeiratsvorsitzender Giovanni Avolio (47) beschreibt die Verkehrssituation als „katastrophal“. „Wir haben viel Glück, dass bisher nichts passiert ist.“ Von Montag bis Donnerstag gegen 16 Uhr und am Freitagmittag parkten Elterntaxis in zweiter Reihe, das gefährde sowohl Radfahrer als auch Kinder, die die Straße überqueren oder aus Autos, die auf den offiziellen Halteplätzen stehen, aussteigen. Um die Situation zu entschärfen, habe der Elternbeirat der Stadt vorgeschlagen, die Lessingstraße als Schulstraße auszuweisen, die zu gewissen Zeiten für Autos gesperrt wird, oder den Radstreifen zu verlegen. Beides sei leider nicht möglich gewesen. Die Aktion „Laufbus“, bei der Kinder in Begleitung von einzelnen Eltern zu Fuß unterwegs sind, habe der Elternbeirat mangels Helfern bisher nicht umsetzen können.
Radpendler Holger Hiltl-Müller schrieb an die OB
Radpendler Holger Hiltl-Müller (49) beobachtet täglich auf dem Heimweg von seiner Arbeit in der Logistik des Bezirksklinikums, dass sich einige mit dem Auto haltende Eltern auch von der roten Markierung des Radstreifens nicht abschrecken lassen – und schrieb deswegen kürzlich Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). „Unfälle sind hier förmlich vorprogrammiert“, so Hiltl-Müller. Er bat die OB, „seitens der Stadt nach einer besseren Lösung zu suchen“. „Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, den Schuleingang so zu verlegen, dass Eltern ihre Kinder sicher zur Schule bringen können, ohne den Fahrradschutzstreifen zu blockieren“, sagt Hiltl-Müller – etwa in Richtung der Stichstraße, die von der Prüfeninger Straße wegführt. Aus Sicht der Stadt ist das „nicht zielführend“, so Sprecherin Katrin Holzgartner. Dann müssten Kinder auf den Fahrradweg aussteigen, sagt sie – laut Hiltl-Müller wäre das aber gar nicht der Fall.
Holzgartner räumt ein, rund um die Kreuzschule herrsche zu Stoßzeiten eine „erhöhte Verkehrsbelastung“. Sie führt das darauf zurück, dass der Schulsprengel einen Bereich von bis zu zwei Kilometern um die Schule umfasse. „Insofern ist der hohe Anteil an Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, wenig überraschend.“ Dabei sei die Entfernung grundsätzlich zu Fuß, mit dem Rad oder in Kombination mit dem öffentlichen Nahverkehr gut zu bewältigen. „Ziel ist es, die Verkehrssicherheit dauerhaft zu stärken und das schulische Umfeld für alle Kinder so sicher wie möglich zu gestalten, indem die Zahl der Autos reduziert wird“, so die Sprecherin. Eine kurzfristige Verbesserung der Situation könnte insbesondere „durch eine verstärkte Präsenz vor Ort und die direkte Ansprache der Eltern“ erreicht werden. Zuständig für die Überwachung des fließenden Verkehrs sei die Polizei, der kommunale Verkehrsüberwachungsdienst unterstütze sie „im Rahmen der personellen Möglichkeiten“.
Polizei: kein Unfallschwerpunkt
Von der Polizei heißt es allerdings: „Natürlich orientieren wir uns schon stark an Unfallschwerpunkten“, so Verkehrssicherheitsbeauftragter Michael Zaschka. Ein solcher sei die Lessingstraße nicht, dort ereigneten sich vor allem „Parkrempler“ ohne Verletzte. Stadtsprecherin Holzgartner ergänzt, auch die Schule selbst könne „auf verkehrsgerechtes Verhalten hinwirken“. „Es muss jedoch realistisch eingeschätzt werden, dass nachhaltige Verhaltensänderungen erfahrungsgemäß nur begrenzt erreichbar sind.“
Diese Erfahrung hat auch Elternbeiratsvorsitzender Avolio gemacht. Der Elternbeirat versucht es nun mit Schildern mit der Aufschrift „Achtung Kinder“. Sie sollen – in Absprache mit der Stadt – bald zum Einsatz kommen.