Regensburger Frauenhaus will aufstocken – das hilft auch Frauen aus dem Landkreis Kelheim

Von Martina Hutzler · 29. November 2025 um 05:00

Frauen aus dem Kreis Kelheim, die vor häuslicher Gewalt fliehen, haben künftig bessere Chancen, Zuflucht zu finden: Eines der Regensburger Frauenhäuser will seine Kapazitäten deutlich aufstocken. Das findet die Kreispolitik sehr gut – auch, weil sich die finanziellen Folgen in Grenzen halten.

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Im Landkreis Kelheim gibt es kein eigenes Frauenhaus; vielmehr finanzieren Kelheim und mehrere Nachbarkreise die zwei Regensburger Einrichtungen mit, die insgesamt 20 Plätze vorhalten. Eine davon, betrieben von „Frauen helfen Frauen e.V.“, hat nun von einem katholischen Orden ein Gebäude angeboten bekommen, das weitere acht Platz ermöglichen würde. „Kaufen!“, war sinngemäß die Reaktion im Kreisausschuss. Nicht zuletzt, weil selbst mit der Erweiterung wohl nicht alle betroffenen Frauen und Kinder Schutz finden werden.

120 Prozent Auslastung im Haus des Vereins

Während das – kleinere – Frauenhaus des Sozialdienstes Katholischer Frauen laut Statistik des Sozialministeriums auf 69 Prozent Auslastung kommt, ist das von „Frauen helfen Frauen“ zu 105 Prozent ausgelastet. Dessen Trägerverein schreibt, sein Haus habe „seit mehreren Jahren zwischen 100 und 120 Prozent Auslastung“.

Voriges Jahr habe man 252 Anfragen hilfesuchender Frauen gehabt; tatsächlich neu aufnehmen konnte man aber nur 30 Frauen, so der Verein. Besonders schwierig ist demnach die Unterbringung von Frauen mit mehreren Kindern und Frauen mit Behinderung. Beides wäre laut Verein in dem Ordensgebäude, zu dem auch ein Garten gehört, gut möglich. Im Verkaufsangebot des Ordens spiegelt sich laut Verein dessen soziale Engagement wieder.

Der Kauf soll noch heuer über die Bühne gehen, das Haus dann nächstes Jahr saniert und umgebaut werden – mit Hilfe eines Förderprogramms des Freistaats – und ab Frühjahr 2027 für die Aufnahme von Frauen bereit sein. In dem Jahr also, in dem der Landkreis finanziell eh nicht mehr zuständig ist.

Gesetz fordert Ausbau des Schutzes vor Gewalt

Denn nach dem im Februar in Kraft getretenen neuen Bundes-Gewalthilfegesetz sind ab 2027 nicht mehr die Kommunen, sondern ist der Freistaat zuständig für Organisation und Finanzierung dieser Hilfe für Frauen. Zugleich verpflichtet das Gesetz die Länder zum Ausbau der Schutzplätze. Der wäre auch aus Kelheimer Sicht dringend nötig, schreibt Kreis-Gleichstellungsbeauftragter Christian Gabler in einem Statement: Voriges Jahr suchten laut Statistik 33 Frauen aus dem Kreis Kelheim Rat bei den Regensburger Frauenhäuser. Tatsächlich Platz fanden nur sieben Frauen mit ihren Kindern.

Bislang zahlt Kelheim jährlich zunächst pauschal rund 100.000 Euro und hat dafür Anspruch auf statistisch 3,2 Plätze in den beiden Häusern. Solche Bedarfe werden statistisch ermittelt, anhand der Einwohnerzahlen. Dass die Endabrechnung für Kelheim regelmäßig deutlich höher ausfällt, zeige den Mehrbedarf, erklärte Sozialamtsleiter Josef Bader. Für den Kreishaushalt 2026 – dem letzten Jahr der Landkreis-Zuständigkeit – plant er mit rund 131.000 Euro.

„Platzmangel ist unsäglich“

Der Kreisausschuss zeigte sich erfreut über die Aussicht auf mehr Plätze. „Es ist wirklich unsäglich, wenn man für die Frauen keine Plätze für eine sichere Unterbringung findet“, weiß etwa Kreisrat Werner Maier (FW) aus seiner früheren Arbeit als Polizei-Sachbearbeiter von Fällen häuslicher Gewalt. Für Christian Schweiger (CSU) macht so ein Schutzangebot nur „in der Anonymität einer Großstadt“ Sinn, weshalb die Regensburger Verbundlösung die richtige sei.

Dr. Uwe Brandl (SLU) wollte in den Beschluss nochmals explizit die finanzielle Zuständigkeit des Freistaats ab 2027 aufnehmen. Darüber müsse man demnächst sowieso verhandeln, sagte Josef Bader; falls der Staat nicht alle Kosten freiwillig übernehme, werde man die Kreispolitik darüber informieren.

Einstimmig bestätigte der Ausschuss schließlich, wie von „Frauen helfen Frauen“ erbeten, die Anerkennung des Platz-Mehrbedarfs. Stadt und Kreis Regensburg sowie der Kreis Cham haben sich bereits – ebenfalls positiv – geäußert, nur Neumarkt steht noch aus.

„Kelheimer Erklärung“

Die Beratung im Kreisausschuss war zeitlich passend: Der 25. November ist nämlich alljährlich der „orange day“, der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Rund um dieses Datum finden vielerorts Veranstaltungen statt. Die Gleichstellungsstelle des Landkreises und die Katholische Erwachsenenbildung haben heuer im Roxy Kino Abensberg die kostenlose Filmvorführung „Morgen ist auch noch ein Tag!“ organisiert, in dem es um häusliche Gewalt, aber auch Emanzipation geht.

Im Roxy-Kino Abensberg wurde die "Kelheimer Erklärung" präsentiert. - Foto: Gerda Kroiß

Im vollbesetzten Kinosaal wurde auch gleich die „Kelheimer Erklärung“ öffentlich präsentiert, berichtet Gleichstellungsbeauftragter Christian Gabler. Gabler hat die Urkunde zusammen mit dem Runden Tisch „Häusliche Gewalt“ initiiert, um dem Thema breitere Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Die Erklärung fordert, alle Formen von körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt in Familie und Partnerschaft zu ächten und Betroffene besser zu schützen. Dazu sollen „verlässliche Hilfestrukturen im gesamten Landkreis Kelheim“ entstehen und die zugehörigen Institutionen verstärkt zusammenarbeiten. Unterzeichner sind u.a. Vertreterinnen und Vertreter von Landkreis, Polizei und Justiz, Beratungs- und Opferschutz-Stellen, Schulen, Frauenverbände und das Kelheimer Krankenhaus.

Kontakt und Beratung

Kontakt: Die Gleichstellungsstelle im Landratsamt steht für weitere Informationen und – auch anonyme – Beratung zur Verfügung: christian.gabler@landkreis-kelheim.de , Tel. 09441 207-1040.