Kelheimer Schüler – Rekruten von morgen? Das sagen Jugendliche des Donau-Gymnasiums

Die neuen Wehrdienst-Regelungen betreffen vor allem die jungen Männer ab dem Jahrgang 2008. Sie sind zu einer Musterung verpflichtet. Welche Gedanken haben die Betroffenen zu den Regelungen? Wir haben mit Schülern des Donau-Gymnasiums in Kelheim gesprochen.
Elias Listl sagt deutlich: „Wir müssen unsere Demokratie verteidigen.“ Für Jiovanna Kipper dagegen ist ein Wehrdienst überflüssig. Kontrovers diskutieren Schüler des Donau-Gymnasiums Kelheim die Wehrpflichtreform. Einigen Jungs könnte bald der Musterungsbefehl ins Haus flattern.
Lange Zeit wurde nach einer Lösung für die Regelungen zum neuen Wehrdienst gesucht. Nun einigte sich die Bundesregierung. Das Ergebnis: Eine allgemeine Wehrdienst-Pflicht wird vorerst nicht eingeführt – aber eine verpflichtende Musterung aller Männer ab dem Jahrgang 2008. Unter ihnen sollen sich genügend Freiwillige für die Bundeswehr finden.
Schüler der Oberstufe im Donau-Gymnasium vertreten unterschiedliche Ansichten zu diesem Vorhaben. „Wir leben in einem freien Land und haben das Privileg einer Demokratie. Das ist nicht selbstverständlich. Wenn die Existenz dieser bedroht ist, gilt es, sie zu verteidigen“, sagt Elias Listl. Das sei man der Gesellschaft schuldig, findet er. Er geht in die zwölfte Klasse des Donau-Gymnasiums und ist 2007 geboren. Daher kommt er für die Musterung nicht in Frage.

Klassenkameradin Sina Glandien beschäftigt ein anderer Punkt: der Umgang mit Transmännern. „Den Ansatz der Musterung finde ich gut. Es ist wichtig, dass sich der Staat verteidigen kann“, sagte sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung.
Stefan Urbansky, Fachschaftsleiter für Geschichte und Politik, unterrichtet die Oberstufe im Fach „Politik und Gesellschaft“. Er diskutierte mit den Schülern ebenfalls das Thema und fragte nach ihrer Meinung. Eine Schülerin fände es besser, sich den Zeitpunkt des Wehrdiensts aussuchen zu könne. Ein Mitschüler vertrat die Ansicht, dass die richtige Ausrüstung heutzutage entscheidender sei als „Mannstärke“. Es gäbe moderne technische Hilfsmittel, die eine Kriegsführung in der Gegenwart bestimmen würden.
Musterung ist nachvollziehbar für männliche Jugendlichen
Alle männlichen Schüler, die mit der MZ sprachen, waren sich bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Musterung einig. Sie sei sinnvoll und nachvollziehbar. Auch dass vorerst nur der 2008er-Jahrgang gemustert werden soll, erschien den jungen Männern gerechtfertigt. „Man muss eben irgendwo Grenzen setzen“, lautete mehrfach die Antwort. „Eine faire Lösung für alle gibt es nicht“, findet Benedikt Einzinger aus der elften Klasse.
„Ich habe sowieso überlegt, bei der Bundeswehr zu studieren oder einen Wehrdienst zu leisten“, sagt Niko Metzger aus der zwölften Klasse. Er ist Jahrgang 2008 und damit direkt betroffen. Bei der Frage nach dem vorgesehenen Gehalt von 2600 Euro als Anreiz für den Wehrdienst war man sich uneins, ob der Betrag ausreiche, sich für das Militär zu entscheiden.
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Elias sieht das Geld durchaus als angemessen, um sich für den Dienst zu entscheiden. „Vor allem für Leute, die aus Familien mit geringem Einkommen stammen oder keine Ausbildung haben“, könnte dieser Sold attraktiv sein. Auch für Niko wäre das Gehalt ein Beweggrund für den Wehrdienst. Trotzdem fände er andere Begünstigungen noch sinnvoller: „Als erstes Geld nach der Schule ist die Entlohnung zwar gut, die Garantie auf einen Studienplatz wäre aber sicher für viele Abiturienten ein größerer Anreiz“, sagt er.
Frauen sind bislang noch nicht für die verpflichtende Musterung vorgesehen. Aber könnten sich Schülerinnen einen Wehrdienst vorstellen? Jiovanna Kipper aus der zwölften Klasse sagt: „Man muss Frauen ein System bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Ich finde nicht, dass Frauen die gleichen Voraussetzungen wie Männer haben. Das Risiko, sexuell belästigt zu werden, ist bei Frauen zum Beispiel deutlich höher“. Auch diese Aspekte müsse man berücksichtigen.

Jiovanna sieht nur bedingt die Notwendigkeit einer Wehrpflicht. „Ich habe mir noch keine finale Meinung bilden können“, erklärt sie. Von Fairness könne man ihrer Meinung nach im Zusammenhang mit dem festgelegten Auswahlverfahren nicht sprechen: „Es ist reine Glückssache, ob man zum betroffenen Jahrgang zählt oder nicht.“
Für sie wiegt der Betrag von 2600 Euro das Risiko, das eigene Leben zu riskieren, nicht auf. Sie glaubt nicht daran, auf freiwilliger Basis ausreichend junge Männer zum Wehrdienst bewegen zu können. Der Anreiz sei ihrer Meinung nach nicht groß genug.
Gendergerechtigkeit ist wichtig für die Schüler
„Der Wehrdienst wird von den meisten Schülern durchaus als sinnvoll gesehen“, resümiert Lehrer Urbansky. Zudem fällt ihm auf, dass Gendergerechtigkeit für die Schüler eine wichtige Rolle spielt. Aber nicht alle fänden die Wehrdienstreform gerecht.
Er selbst ist für einen verpflichtenden Dienst für beide Geschlechter. Dieser könne zum Beispiel im sozialen Bereich geleistet werden. Gleichzeitig würde ein solcher Dienst zur beruflichen Orientierung beitragen, findet Urbansky. Er selbst sei damals ausgemustert worden und hätte keinen Wehrdienst leisten müssen.