Modefirma Mac gründet Initiative: Bayerischer Hanf für die Oberpfälzer Hose

Von Lorenz Nix · 25. November 2025 um 09:00

Das Modeunternehmen Mac aus Wald im Landkreis Regensburg will in Zukunft mehr Baumwolle durch Hanffasern ersetzen. Bei einem Netzwerktreffen im Kreis Regensburg zeigt sich aber: Für eine regionale Wertschöpfungskette fehlt noch wichtige Infrastruktur.

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Sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Und doch sorgt es immer wieder für Aufsehen, wenn das grüne Kraut auf großen Feldern in die Höhe schießt. Schließlich denken bei Hanf viele zunächst an die mitunter berauschende Wirkung von Teilen des Gewächses. Der Nutzhanf, der in Bayern heuer auf rund 360 Hektar angebaut wurde, hat damit jedoch kaum etwas zu tun. Die robuste Pflanze lässt sich in vielerlei Hinsicht nutzen – auch als Alternative zur Baumwolle. Das Oberpfälzer Modeunternehmen Mac setzt bereits auf Hanffasern in Jeansstoffen und möchte deren Einsatz ausweiten. Mit einer neuen Initiative soll die Wertschöpfungskette dafür wieder stärker in die Region zurückkehren.

Mac hat sich auf Hosen spezialisiert. Eigenen Angaben zufolge produziert das Unternehmen aus Wald im Kreis Cham jedes Jahr sechs Millionen Jeans, Chinos und Co. Mittlerweile setzt die Firma dabei nicht mehr nur auf Baumwolle. Zum Einsatz kommen auch weniger ressourcenintensive Rohstoffe. Anfang Dezember wird Mac für eine Jeans, die teilweise aus Brennnesselfasern besteht, mit dem renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Treffen im Kreis Regensburg: Hanf als „vergessene Kulturpflanze“

In manchen Hosen des Modeunternehmens stecken mittlerweile auch Hanffasern. Bei dem Gewächs handele es sich um eine „vergessene Kulturpflanze“, sagte Franziska von Becker, Nachhaltigkeitsberaterin bei Mac, bei einem Netzwerktreffen in Pettendorf im Kreis Regensburg am Montag. Ab 1982 war der Anbau von Nutzhanf in Deutschland verboten. Zur Durchsetzung des Betäubungsmittelgesetzes hatte man damals alle Cannabis-Sorten pauschal untersagt. Seit 1996 ist der Anbau von Nutzhanf mit niedrigem THC-Gehalt – dem psychoaktiven Wirkstoff in Teilen der Pflanze – unter Auflagen wieder erlaubt.

Der Rohstoff fristet hierzulande aber seitdem ein Nischendasein. 2025 bauten in Bayern 101 Betriebe auf insgesamt 361 Hektar Nutzhanf an – das entspricht einer Fläche von knapp 506 Fußballfeldern.

Ziel des Netzwerktreffens in Pettendorf – initiiert von Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) und der Öko-Modellregion Stadt.Land.Regensburg gemeinsam mit Mac – war es nicht in erster Linie, mehr Landwirte vom Nutzhanf zu überzeugen. Es reiche nicht, die Pflanze nur anzubauen, sagte von Becker. Um aus den Fasern Stoff herzustellen und damit für die Textilindustrie nutzbar zu machen, fehlten in Deutschland wie auch in der Region mehrere Verarbeitungsschritte.

Mac hat neue Initiative ins Leben gerufen

Um das zu ändern, hat Mac die Initiative „The European Hemp Connection“ ins Leben gerufen, die die verschiedenen Akteure aus Landwirtschaft, Industrie und auch Politik miteinander vernetzen soll. Die Übersetzung des Namens – „Die europäische Hanf-Verbindung“ – klingt zunächst wenig regional. „Am liebsten wäre uns natürlich bayerischer Hanf in der bayerischen Hose“, sagte die Nachhaltigkeitsberaterin. Man müsse jedoch realistisch bleiben: Einige Schritte der Wertschöpfung seien im nahen Ausland bereits vorhanden, weshalb es sinnvoll sei, zunächst darauf zurückzugreifen.

Landwirt und Unternehmer Heinz Friedrich Schönleber (links) tauschte sich mit Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) und dem Oberpfälzer Bauernpräsidenten Ely Eibisch über Nutzhanf aus. - Foto: Lorenz Nix

So gebe es in Deutschland beispielsweise „leider fast keine Spinnereien mehr“, sagte auch Heinz Friedrich Schönleber, auf dessen Hof das Treffen am Montagvormittag stattgefunden hat. Der Landwirt baut seit längerem im Kreis Regensburg und in Sachsen auf insgesamt etwa fünf Hektar Nutzhanf an. Außerdem hat er die Farmhus GmbH mitgegründet. Das Unternehmen entwickelt Technologien für die Hanfernte und die Verarbeitung der Pflanze.

Infrastruktur fehlt

Die Schritte, die zur Veredelung der Fasern für die Textilindustrie notwendig sind, könne Farmhus „im Labormaßstab schon darstellen“. Nun müsse man das auf einen größeren Maßstab übertragen. „Der Anbau ist nicht das Problem“, sagte Schönleber. Es fehle aber die nachgelagerte Infrastruktur.

Wie diese nach Deutschland oder bestenfalls nach Bayern – vielleicht sogar in die Oberpfalz – zurückkehren könnte, blieb bei dem Treffen noch offen. Ziel sei es, gemeinsam „die textilen Lücken“ zu schließen, sagte von Becker. Julius Kuschel, Öko-Modellregion-Manager am Landratsamt Regensburg, ergänzte, dass der Austausch nicht nur theoretischer Natur sei. Nutzhanf sei eine Zukunftspflanze, deren Innovationskraft noch längst nicht ausgeschöpft sei. Um das zu ändern, wolle man die beteiligten Akteure eng begleiten. Man unterstütze „die regionale Wertschöpfungskette vom Hanf zur Hose“, betonte auch Landrätin Tanja Schweiger.

Zusatz-Info: Deshalb ist Hanf nachhaltiger als Baumwolle

Hanf kommt mit deutlich weniger Bewässerung aus als Baumwolle. Zudem ist die Pflanze robust und widerstandsfähig und benötigt deshalb weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger. Hanf lässt sich außerdem direkt in Europa weiterverarbeiten. Die Pflanze könne deshalb die Abhängigkeit Deutschlands von außereuropäischen Märkten reduzieren, sagte Ely Eibisch, Oberpfälzer Bezirkspräsident des bayerischen Bauernverbands, bei dem Netzwerktreffen im Kreis Regensburg.