Die weltgrößte Hopfenverarbeitung verbraucht jetzt 95 Prozent weniger Heizöl und Erdgas

In einem kleinen Dorf im Landkreis Kelheim berfindet sich das größte Hopfenverarbeitungswerk der Welt – und nun wohl auch das nachhaltigste.
Auf den ersten Blick wirkt das weitläufige Gelände wie eine Fabrik wie jede andere. Doch wer zwischen den Hallen unterwegs ist, dem steigt sofort ein süß-herber, unverkennbarer Duft in die Nase: Hopfen. Im kleinen Dorf St. Johann im Landkreis Kelheim befindet sich die größte Hopfenverwertungsanlage der Welt. Etwa ein Viertel der globalen Ernte des „grünen Golds“ wird dort zu Pellets und Extrakt verarbeitet. Zurück bleibt der Hopfentreber. Genau aus diesem Reststoff ist nun ein neuer Energieträger geworden: Am Dienstagabend hat das Unternehmen sein neues Heizhaus eröffnet, in dem der Treber gemeinsam mit Holz zu Wärme umgewandelt wird.
Erich Lehmair, einer der beiden Geschäftsführer der Hopfenveredlung St. Johann GmbH, sprach von einem „großen Schritt nach vorne“ – für das Unternehmen wie für die Umwelt. Das neue, dreistöckige Heizhaus sei „alles andere als selbstverständlich“. Im Zentrum des Systems steht ein Biomasseheizwerk, das die Produktion in St. Johann, einem Gemeindeteil von Train, mit der notwendigen Wärme versorgt.
Hopfentreber: Kein einfacher Brennstoff
Eine „Lösung von der Stange“ kam Lehmair zufolge nicht infrage: „Hopfentreber ist ein anspruchsvoller Brennstoff“, so der Geschäftsführer. „Kompetente Menschen aus unserem Werk und von externen Fachfirmen haben geplant, getüftelt, ausprobiert, gebaut – und gemeinsam eine beeindruckende Anlage realisiert.“

Der Hopfentreber wird in dem Heizhaus gemeinsam mit Holz verbrannt. Letztgenannter Brennstoff steht allerdings auch immer wieder in der Kritik. Kürzlich veröffentlichte das Umweltbundesamt ein juristisches Kurzgutachten, wonach Holz „nicht uneingeschränkt als erneuerbare Energie im Sinne der Pariser Klimaziele“ eingestuft werden könne. Das Papier führt unter anderem die Übernutzung der Wälder sowie die CO2-Emissionen an, die bei der Verbrennung von Holz entstehen. Kritik kam prompt vom Fachverband Holzenergie im Bundesverband Bioenergie. Vorsitzende Marlene Mortler zeigte sich „fassungslos“. „Es ist traurig zu sehen, wie das Umweltbundesamt den Job der fossilen Energiewirtschaft macht und sich in einen Grabenkampf gegen die Holzenergie verschanzt“, wird sie in einer Mitteilung zitiert.
In die gleiche Kerbe schlug am Dienstagabend Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei der Eröffnung des Heizhauses. Die Diskussion darum, ob Holz ein erneuerbarer Energieträger ist, sei eine der vielen „Irrungen und Wirrungen“ der vergangenen Jahre beim Thema Energie gewesen. „Da kann man nur den Kopf schütteln“, sagte der Freie-Wähler-Chef. „Natürlich ist Holz ein erneuerbarer, nachwachsender Rohstoff und Energieträger.“ Er erwarte von Brüssel und Berlin, dass die Debatte darum nun endlich beendet werde.

Mit dem Besuch Aiwangers startete das Heizhaus der Hopfenveredlung nach einem erfolgreichen Probe- in den Regelbetrieb. Der Biomassekessel als Herzstück der Anlage könne nahezu den gesamten Wärmebedarf der Produktion decken, heißt es vom Unternehmen. Ein System aus Wärmespeichern sorgt zudem dafür, dass die Energie gleichmäßig genutzt werden kann – selbst dann, wenn der Bedarf in der Produktion schwankt. Ergänzt wird das Ganze durch moderne Zusatzkessel und einen Elektroheizer, der überschüssigen Strom aus der Photovoltaikanlage auf den Dächern des Werks in Wärme umwandelt.
Hopfenveredelung kann nun nahezu CO2-neutral produzieren
Mit dem neuen Energiekonzept verbraucht die Hopfenveredlung St. Johann nach eigenen Angaben rund 95 Prozent weniger Erdgas und Heizöl. Damit könne man nun nahezu CO2-neutral produzieren, sagte Geschäftsführer Lehmair. Neben dem Beitrag zum Umweltschutz biete die Anlage noch einen weiteren Vorteil – gerade für ein energieintensives Unternehmen wie die Hopfenveredlung: Sie sorge für „mehr Planungssicherheit bei der Energieversorgung in Zeiten zunehmender globaler Spannungen und größer werdender Verwerfungen auf den Rohstoff- und Energiemärkten“, so Lehmair.
Wirtschaftsminister Aiwanger sagte, das Projekt zeige, „wie man mit erneuerbaren Energien sowie Unternehmergeist und Eigenverantwortung zu guten Lösungen kommt“. Die Energiewende funktioniere nur, „wenn wir der Wirtschaft den nötigen Freiraum geben und sie nicht mit übertriebenen Regularien in ein starres Korsett zwängen“.