Warum Kelheim (noch) mehr mit dem Bierland Bayern zu tun hat, als man denkt

Kelheim, ein Teil der Hallertau? Hopfenanbau auf dem Gebiet der heutigen Kreistadt? Bei diesen Fragen fällt die Reaktion vieler Menschen eindeutig aus.
Gehört Kelheim zur Holledau? Also, nicht der Landkreis, sondern die Stadt? Die meisten Kreisstädter werden die Frage spontan und inbrünstig mit „Nein!“ beantworten. Warum die Aussage aber doch irgendwie stimmt.
Gabi Röhrl, die Initiatorin der adventlichen Holledauer Benefiz-Aktion „Ein Dorf backt aus“, hat es schwarz auf weiß im Internet gefunden. In der Durchführungsverordnung zum Bayerischen Hopfengesetz steht’s. Zu den 15 Siegelbezirken der Hallertau zählt der Abensberger Bezirk. „Bis heute“ gehören auch Kelheim, Saal, Hausen und Rohr zu diesem. „Die Holledau ist eben weitaus größer, als viele denken“, sagt Gabi Röhrl.
Wenn Abensberg als „Tor zur Hallertau“ gilt, ist dann ist der Nordosten des Landkreises um Kelheim der Hinterhof? „Randgebiet“, nennt es einer der letzten aktiven Hopfenpflanzer aus Kelheims Nachbargemeinde Saal. Aber auch wenn er bis vor Kurzem quasi zur „Zunft“ gehörte: „Wenn ich höre, dass Kelheim zur Holledau gehört, dann schüttelt es mich. Da bekomme ich Gänsehaut“, sagt der Mann.

Ob Hallertau oder Donauland. Dass in Kelheim Hopfen angebaut worden ist, hat auch der Landwirt noch nie gehört. Doch Kelheims und Abensbergs Stadtarchivare liefern den Foto-Beweis. Alte Fotografien aus Stausacker und Weltenburg um 1900 belegen, dass hier Hopfen angebaut worden ist.
Fragt man die Affeckinger, dann haben auch hier viele noch nie etwas vom Hopfenanbau vor der Haustür gehört. Landwirt Josef Frischeisen, der Carlbauer, aber weiß, dass sein Großvater bis in die 1930er Jahre, dort, „wo heute die Fibres steht und früher die Südchemie war“, Hopfen pflanzte. Dann habe sich das aufgehört, wohl auch weil ab Mitte der 1930er Zellwolle und Südchemie gebaut worden waren.
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Während weiter südlich, im Kerngebiet der Hallertau, „bereits im frühen 20. Jahrhundert Hopfen mit hohen, drahtverspannten Pfosten gezogen worden ist, wurde in und um Kelheim der Hopfen im kleineren Stil an Holzstangen gezogen“, weiß Kelheims Stadtarchivar Wolf Kulke. Jedes Frühjahr wurden sie direkt neben die Pflanzen in den Boden gesteckt. Im Herbst wurden sie neben den Feldern zu „Pyramiden“ zusammengesteckt. So warteten sie auf ihren Einsatz im neuen Jahr.
Heute baut in Kelheim niemand mehr Hopfen an. Außer vielleicht ein Liebhaber im Garten. Sollte es jemanden geben, darf er oder sie uns gerne ein paar Infos und ein Foto schicken: kelheim@mittelbayerische.de