„Ein Dorf backt aus“: Warum es Gabi Röhrl mit ihrer Benefizaktion diesmal in die Stadt zog

Eine „Zuagroaste“ überzeugte die langjährige Wirtin der Weltenburger Klosterschenke zu einer „Stadtrunde“. Drei Affeckingerinnen verraten, warum ihr Dorf das „schönste überhaupt“ im Landkreis Kelheim ist und wen sie unterstützen wollen.
Es ist Teil der Kreis-Stadt, trotzdem ist Affecking im besten Sinne ein Dorf. Davon ist Veronika Muggendorfer überzeugt. Streng genommen ist sie eine „Zuagroaste“. Doch vielleicht spürte sie gerade deshalb Qualitäten und Besonderheiten vom „Dorf“ besonders gut (auf). Die 46-Jährige legte sich ins Zeug, damit ihr „Affecking“ Teil der beliebten Aktion „Ein Dorf backt aus“ von Gabi Röhrl wird. Und das war gar nicht so einfach.
Nach fünf Jahren und fünf Backbüchern hatte Gabi Röhrl, die Ex-Wirtin der Weltenburger Klosterschenke das Aufhören im Sinn. Doch Muggendorfer blieb charmant hartnäckig – und überzeugte Gabi Röhrl zur sechsten Auflage für den guten Zweck.
„Schönstes Dorf überhaupt“
Warum sollte Affecking backen? „Weil wir das schönste Dorf überhaupt sind“, sagt Veronika Muggendorfer. „Bei uns geht viel zusammen.“ Seit 2023 die Frauen aus Train – wo die Mama herstammt – ihre besten Adventsrezepte verrieten, verfolgte sie die Aktion und liebäugelte mit der Teilnahme.
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Veronika Muggendorfer heiratete 2008 von der Bauersiedlung nach Affecking. Sie ist hier „dahoam“ und bestens vernetzt. So gehört sie dem Vorstandsteam des Frauenbunds an. 31 Bäckerinnen begeisterte sie für „Ein Dorf backt aus“. Gerne hätte sie auch Männer dabei gehabt. Doch fürs Plätzchen-Backen war kein Herr zu gewinnen.

Dafür sind alle Generationen vertreten. Tochter Miriam (12) und Freundin Lilly Amlang sind die Jüngsten. Zum Treff mit der MZ im Herzen Affeckings, bei der Alten Kirche, brachte Veronika Muggendorfer Brigitta Wenzlow (75) und Renate Drexl (73) mit.
Geschichte und viele Feste
Dass „ihr“ Affecking ein würdiger Dorf-Vertreter ist, steht für das Trio außer Frage. „Das Dorf hat Geschichte“, sagt Renate Drexl. Einst gab es ein Schloss, das Ritter Raidenbach errichten ließ. Vor mehr als 500 Jahren gründete er auch die Pfarrei. Vom Schloss ist nichts mehr zu sehen. Aber die alte Kirche ist noch da und quasi Wahrzeichen.
Affecking, das ist die Donau und der Berg, wo Drexl und Wenzlow als Teenager den Skihang mit ihren Brettln heruntersausten. Bis in die 1980er gab es sogar einen Lift. Dann sind da Lelerl und Lehmweg. Letzterer lieferte das Material für die einst ansässigen Ziegeleien. Die Frischeisen-Kapelle ist jüngeren Datums. Dennoch ist sie Drexls und Muggendorfers Lieblingsort.
Affecking, das ist natürlich die „Zellwolle“, wie sie hier immer noch sagen. Gemeint ist Kelheim Fibres. Viele aus dem Dorf arbeiten dort. Affecking, das sind aber auch Feuerwehr, Siedler, Schützen, SC und VfL, KAB, Pfarrei und Frauenbund. „Eigentlich ist man überall dabei“, so Muggendorfer. Und wenn man gebraucht wird, packt man an. So „schneidert“ Renate Drexl als gelernte Näherin, immer noch für die Heiligen Drei Könige. 1985 hatten Wenzlow und Drexl den legendären Weiberfasching ins Leben gerufen. „Heute sind da die Enkelinnen.“

Apropos Feiern: Die Affeckinger stellen einen Maibaum auf, feiern Dorffest, haben einen eigenen Christkindlmarkt und die Kirche, in der Paare immer noch gerne heiraten. Und auch wenn es die Don Bosco-Schwestern im Kindergarten nicht mehr gibt, die den Affeckingern von klein auf Zusammenhalt beibrachten - der Zusammenhalt ist geblieben, bestätigt Veronika Muggendorfer.
Brigitta Wenzlows Opa Sebastian war einer der letzten Bürgermeister Affeckings, bevor das Dorf 1937 „zwangseingemeindet“ worden war.
In der kalten Jahreszeit haben die Frauen liebgewonnene Traditionen. Wenzlow und Drexl frönen seit den aktiven Tagen von Fritz Fischers („dem bekanntesten Affeckinger“) dem Biathlon-Wetten. Aber auch Plätzchen-Backen gehört definitiv dazu.
Veronika Muggendorfer bäckt, wenn sie „Zeit hat, am liebsten im November“. Denn nach Weihnachten sind Plätzchen bei ihren Liebsten „out“. Im Hause Wenzlow werden es „sicher wieder um die 15 Sorten“. Mit ihrer Tochter gehe das Backen leichter von der Hand und mache mehr Spaß. Es dürfe nur kein schöner Sonnenuntergang dazwischenkommen, „sonst muss ich lossausen“, sagt Wenzlow und grinst. Das Fotografieren ist ihre große Leidenschaft. Für Renate Drexl braucht es zur Weihnachtsbäckerei Weihnachtsstimmung. Sprich bei ihr dauert es noch ein wenig.
Dass sie bei Gabi Röhrls Aktion dabei sind, finden alle drei „cool“. Und auch Gabi Röhrl gibt zu, dass sie sich doch gerne überzeugen ließ. „Schließlich ist es eine Erfolgsgeschichte, mit der man viel Gutes bewirken kann.“
Ab Montag, 3. November, veröffentlichen wir täglich die schmackhaftesten Plätzchen-Rezepte aus Affecking. 30 Tage lang.
Verkaufserlös geht 2025 an BRK-Kriseninterventionsdienst Mona
• Serie: 2020 machten die Hobbybäckerinnen und -bäcker in Gabi Röhrls Heimatdorf Niederumelsdorf den Auftakt. Weiter ging die Backreihe „Ein Dorf backt aus“ in Kirchdorf, Hienheim, Train und Sandharlanden. 2025 packen die Affeckinger ihre liebsten Plätzchen-Rezepte aus.
• Spenden: Bislang kamen 22.000 Euro durch den Verkauf der Rezeptbücher für gemeinnützige Zwecke zusammen. Die Affeckinger Bäckerinnen wollen diesmal mit dem Erlös den BRK-Kriseninterventionsdienst Mona unterstützen. Zudem übernahm die Volksbank & Raiffeisenbank Bayern Mitte 3000 Euro der Kosten.
• Verkauf: Das Rezeptheft 2025 kostet 11,90 Euro. In Kelheim ist es erhältlich bei Buch & Wein am Alten Markt, in der Heilig Kreuz Apotheke im Donaupark, am Kiosk des Caritas-Krankenhauses St. Lukas sowie in Affecking bei La Tienda de Manuel und Friseurin Janett Dantscher. Weitere Verkaufsstellen: Friseurin Sonja Wutzer (Palmberg/Ihrlerstein), Buchhandlung Nagel in Abensberg oder online im Internetshop von „Heimat Holledau“ (heimat-holledau-shop.azoo).