Gegen internationale Konkurrenz durchgesetzt: EU zeichnet Regensburger Bioladen aus

Von Melanie Bäumel-Schachtner · 21. November 2025 um 05:00

Die EU Organic Awards gehören zu den wichtigsten europäischen Auszeichnungen für Bio-Inititiativen. Eine Regensburger Genossenschaft wurde nun als Europas Bio-Lebensmittelhändler ausgezeichnet.

Da steht er auf dem Regal mit kaltgepressten Ölen und Spezialitäten und glänzt und blitzt: Der EU Organic Award 2025, den die europäische Kommission an ein kleines Regensburger Projekt verliehen hat. Eine Kundin im Bioladen Radis&Bona mitten in einem Wohngebiet blickt neugierig nach oben und fragt Mitarbeiterin Rosemarie Hofmann: „Was ist denn das genau?“ Hofmann erklärt, was es mit dem Preis auf sich hat und erntet Begeisterung. „Das ist cool“, sagt die Kundin. „Ich finde den Laden hier so richtig toll.“

Sie zieht weiter und stöbert bei den Gewürzen, dann bei den Säften und beim Käse. Hell und freundlich ist der Bioladen Radis&Bona und die Kunden lieben jedes mit Herzblut gestaltete Detail. Hier arbeiten fast alle ehrenamtlich – der Betrieb ist nicht auf maximalen Gewinn ausgelegt, sondern darauf, mit den erzielten Umsätzen die Mitarbeiter bezahlen und neue Investitionen zu stemmen.

Jeder darf sich bei Radis&Bona einbringen

Hinter einer mintgrün-nostalgischen Holztheke steht Ramona Bethmann und verkauft Baguettes, Brot, frische Semmeln und Kuchen. Rosemarie Hofmann geht in der Zwischenzeit mit Kennerblick durch den Laden. Sie öffnet die Kühltheke und rückt ein Stück Tofu zurecht. Eigentlich ist sie fürs Marketing zuständig und eine der wenigen Hauptamtlichen – doch bei Radis&Bona macht jeder alles, was gerade anfällt, und jeder darf sich einbringen und den Laden weiterentwickeln.

Freuen sich über den EU-Organic-Award: Rosemarie Hofmann (links) und Eva Schmid. - Foto: Bäumel-Schachtner

Rosemarie Hofmann und Eva Schmid – eine der rund 20 Ehrenamtlichen – haben die Bewerbung für den Preis formuliert. Als die Ausschreibung dafür kam, habe sie gedacht: „Das probieren wir“, blickt Schmid zurück. In sieben Kategorien gab es rund 110 Bewerber aus vielen Ländern. Die Preisverleihung in der Kommission in Brüssel sei schon etwas ganz Besonderes gewesen. „Wir sagen aber auch allen Produzenten: Das ist auch euer Preis“, erzählt Rosemarie Hofmann. „Und den Kunden sagen wir es auch.“

Diese Produzenten sind ein Pfund, mit dem Radis&Bona wuchern kann. Sie kommen alle möglichst aus dem Umkreis. Denn Ziel des Ladens ist es, Bio-Produkte aus der Region für alle zugänglich zu machen. Wie kurz die Transportwege sind, kann der Kunde bereits am Preisschild sehen. Ist es grün eingefärbt, dann kommt es aus Regensburg oder den angrenzenden Landkreisen und ist nicht weiter als 80 Kilometer hergereist. „Es gibt viele Bioläden in Regensburg, aber wir heben uns mit dieser bewusst regionalen Ausrichtung von den anderen ab“, gibt Richard Härtl, ein weiterer Ehrenamtlicher, Einblick.

Bio-Eier als Verkaufsschlager in Regensburg

Seit vier Jahren gibt Radis&Bona, und im Laufe der Zeit ist aus einem kleinen grünen Setzling eine stabile Pflanze geworden. Der Laden hat nicht nur die Corona-Zeit überstanden, sondern ist im Laufe der Zeit immer stetig größer geworden. Es kam hier mal eine Marmelade neu ins Sortiment und da eine weitere Gemüsesorte. Organisches Wachstum also – auch bei den Umsatzzahlen, die in einer langsamen Kurve immer mehr nach oben gehen. Die Idee geht auf die Vorstandsvorsitzende Judith Hock-Klemm zurück. Als im Regensburger Stadtteil Graß der Bioladen aus persönlichen Gründen schloss, wurde sie aktiv. Nach regelmäßigen Treffen und – pandemiebedingt – Videokonferenzen wurde im Juni 2021 die Genossenschaft gegründet. Jeder, der dabei sein möchte, kann für 50 Euro einen Anteil erwerben und darf sich dann nicht nur zugehörig fühlen, sondern bekommt auch vier Prozent auf den Einkauf. Rund 270 Genossen haben bislang schon Anteile gezeichnet. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter bekommen zehn Prozent Rabatt. Doch das ist nicht allein ihr Ziel: Sie stehen für die gute Sache und kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Es sind Lehrer dabei, Krankenschwestern und Marketingexperten. „Das bereichert uns sehr“, sagt Rosemarie Hofmann.

Dem Team ist nicht nur wichtig, gesunde Lebensmittel zu verkaufen, sondern auch Kindern mehr darüber nahezubringen. Eva Schmid führt immer wieder Schulklassen durch den Laden und bietet Pädagogik zum Mitmachen und Selber-Erleben. Auch Kindergartenkinder kommen gerne. Sie dürfen zum Beispiel selber Bohnen ernten. So wird Bio erlebbar und bleibt im Köpfchen – ob es nun das Fleisch vom glücklichen Waldschwein ist oder das Päckchen regional angebauter Linsen. Auch wenn die Auswahl groß ist, gibt es Verkaufsschlager. Auf Platz eins: Die Bio-Eier. „Wir haben in unseren Spitzenzeiten schon mal 2000 Eier pro Woche verkauft“, schmunzelt Richard Härtl. Ebenfalls sehr gefragt ist das Eis. Regelmäßig werden auch neue Produkte aufgenommen. Derzeit ist eine weitere regional geröstete Kaffeesorte in Planung. Die Ideen gehen den Mitarbeitern von Radis&Bona nicht aus – und die Freude ist groß, dass das Konzept nun sogar europaweit ausgezeichnet wurde.

Über die Auszeichnung der Europäischen Kommission

• Preis: Die EU Organic Awards werden jedes Jahr von der Europäischen Kommission vergeben. Sie zeichnen Projekte aus, die Bio-Produkte auf besondere, glaubwürdige und nachhaltige Weise anbieten oder fördern. Die Preise gehören zu den wichtigsten europäischen Auszeichnungen für engagierte Bio-Initiativen und sollen zeigen, wie vielfältig die Ideen in diesem Bereich sind.

• Kategorien: Vergeben werden die Awards in sieben Bereichen – etwa für Landwirte, für Regionen und Städte, für kleine Verarbeiter, für Läden und für Gastronomie. Heuer gab es rund 110 Bewerbungen. Die Jury achtet darauf, ob ein Projekt eine gute Idee hat, verantwortungsvoll arbeitet und auch anderen als Vorbild dienen kann. Die Verleihung fand Ende September in Brüssel statt.

• Ausgezeichnete: Zu den Preisträgern 2025 gehören eine Bio-Bäuerin aus Bulgarien, ein Bio-Bauer aus Belgien, der estnische Bezirk Võru sowie die portugiesische Stadt Valpaços. Ausgezeichnet wurden außerdem ein österreichischer Bäckereibetrieb und ein Restaurant auf Kreta. In der Kategorie „Bester Bio-Lebensmittelhändler“ ging der Preis an Radis&Bona aus Regensburg.