14 Mitglieder der Musikerfamilie auf der Bühne: Pfundiger Abend mit dem Wellperium

Von Marianne Sperb · 24. November 2025 um 16:17

Im Aurelium in Lappersdorf (Landkreis Regensburg) erlebte ein schwer begeistertes Publikum eine hochmusikalische Familienaufstellung, mit den Wells in allen Spielarten.

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Die Familie Well darf man sich wohl vorstellen wie ein Mycel. Wie die Zellen eines Pilzes sich in der Walderde ausbreiten und dabei ungeheure Ausmaße erlangen können, so hat sich im oberbayerischen Günzlhofen ein sagenhaftes hochmusikalisches Mycel angesiedelt, das schönste Fruchtkörper hervorbringt und nicht aufhört, sich auszudehnen, verrückte Sachen zu erfinden, noch wilder und noch virtuoser aufzuspielen.

Aus Traudl und Hermann Well, den 15 Kindern und den Wurzeln in der Volksmusik haben sich viele Ableger gebildet: die Wellküren, die Well-Brüder, das Bäsle-Quartett, die Wellbuam, die NouWellcousines und wer sonst noch aller zum Wellperium gehört.

Ein paar Mal im Jahr gibt’s die Wells in weitgehend vollständiger musikalischer Familienaufstellung zu erleben. „All Well“ heißt das Programm, was sich auf bairisch nur lückenhaft übersetzen lässt mit ois guad, das aber die Sache ganz wunderbar trifft. Kulturveranstalter Alex Bolland, lang und herzlich verbandelt mit den Volksmusikrebellen, hat die Truppe jetzt ins Aurelium geholt.

„All Well“ trifft die Sache

Es dauert etwas, bis Michael, Hans, Stofferl, Bärbi und all die anderen Schwestern und Brüder, Nichten und Neffen, Cousins und Cousinen auf der Bühne ihre Plätze eingenommen haben, dann legen 14 Menschen los, mit einem Instrumentarium, das seinesgleichen sucht: Cello, Gitarre, Harfe, Tuba, Alphorn, Dudelsack und Brummtopf sind nur einige Exemplare aus dem Bestand. Sogar eine sogenannte Nonnenposaune krächzt schief zum Gottserbarmen. „Damit“, schallt’s keck von der Bühne, „haben wir schon ganze Säle leer gespielt!“

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Die musikalische Bandbreite durchstreift bayerische Stuben, schottische Hochebenen und Wiener Kaffeehäuser, trifft mexikanische Mariachi, kreuzt Klassik, Folk und Gypsy und macht kurze Ausflüge zu Edith Piaf und zum Pop der 1960er. Immer wieder wechseln die Wells die Farben, spielen sehnsüchtig, innig, zart, auch krachert, immer virtuos und oft rasant. Wie das alles zusammen geht und wie famos das klingt, lässt einen einfach staunen.

Zur Musik kommen der Witz und das Wort: In deftigen Gstanzln und einer pseudofeierlichen Leviten-Lesung bekommen nicht nur Aiwanger, der „Leberkäs-Trump von Erding“, und „Baumumarmer Söder“ ihr Fett weg. Auch ausgschamte Politiker, nervige Gatten, zweckoptimistische Seniorenresidenzler und fehlgeleitete Touristen werden genüsslich aufgespießt. Es wird viel gelacht im Saal. Zwei Stunden im Wellperium enden in begeistertem Beifall. Das Publikum ist sich einig: Das war all well.