Drei Pinguine stellen große Fragen - und finden clever-witzige Antworten

Von Peter Pavlas · 23. November 2025 um 14:54

„An der Arche um acht“ reißt nicht nur das junge Publikum mit. Alttestamentarisches wird hier vergnüglich erzählt. Das ist purer Bühnenzauber.

„Wann sind wir endlich da?“ – Die ewigjunge Kinderfrage stellen auch die drei Pinguine auf ihrer Fahrt über die Weltmeere. Sie stecken in Noahs Arche, zusammen mit je zwei Zebras, Iltissen, Löwen und so weiter. Im Kahn ist es eng und langweilig und es stinkt, aber es geht schließlich ums Überleben.

„An der Arche um acht“ heißt das Weihnachtsfamilienstück des Theaters, das im Antoniushaus gerade die stürmisch gefeierte Premiere erlebte. Als Vorlage diente das gleichnamige prämierte Kinderbuch und Theaterstück von Ulrich Hub, ausgebildeter Schauspieler.

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In antarktischem Weißblau leuchtet die Bühne, Wintersportgeräte stehen herum und die Pinguine warten bei Schietwetter an ihrer Bude auf Kundschaft für ihre tiefgefrorenen Spezialitäten (Ausstattung: Sita Messer). Diese Wasservögel sind Helden in bislang drei Stücken des Autors. Auf Anhieb menschlich-sympathisch erscheinen die Frack- und Handlungsträger. Katharina Solzbacher, AnnaKat Bano und Sophie Juliana Pollack watscheln augenrollend um die Wette durch die unwirtliche Landschaft. Ab und zu prügeln sie sich wie Clowns im Zirkus, sind einander aber grundsätzlich zugetan. Nicht lange dauert es, bis einer Fragen stellt, die an die Fundamente von Theologie und Moralphilosophie rühren: „Wer ist Gott? Und wo ist er?“ Kann Töten erlaubt sein? Warum straft Gott, warum lässt er zu, dass Böses geschieht? Wie ist mit individueller Schuld umzugehen?

Die gibt’s nur im Dreierpack

„Menschen und Tiere gehen Gott auf die Nerven“, verkündet eine graue, leicht verpeilte Taube, herrlich gurrend und ruckelnd verkörpert von Max Roenneberg. Der Herr habe daher eine Sintflut beschlossen. Die Vögel sorgen sich, hat vielleicht einer von ihnen unabsichtlich die Katastrophe ausgelöst? Und wie können sie beieinander bleiben, einen der Ihren als blinden Passagier an Bord schmuggeln? Denn: „Uns gibt’s nur im Dreierpack!“

Andererseits ist der cleverste Pinguin überzeugt, einzig er allein sei es wert, gerettet zu werden. Freilich siegt am Ende die Solidarität über Egoismus und die strengen Beförderungsbedingungen, und auf ebenso einfache wie logische Weise erleben die vier Vögel das Glück. Der vermeintlich böse Vogel zeigte schon zuvor Empathie, schirmchenschwenkend wie Mary Poppins.

Gebannt verfolgen nicht nur die Jüngsten das Geschehen. „Ob die Tiere es rechtzeitig in die Arche schaffen?“, flüstert ein Mädchen. Befreites Lachen, als Gott sich aus einer Reisetruhe vernehmen lässt. Das waren eben noch Zeiten, als der Herr sich im Alten Testament seinen Schäfchen hienieden noch persönlich widmete oder sich – im Stück – kritisch fragte, ob er es mit dem Strafen nicht etwas übertrieben hätte. Das Verdienst von Ekat Cordes’ Inszenierung liegt unter anderem darin, die heterogene Zielgruppe auf sehr gelungene Weise hochpräzise anzusprechen (Dramaturgie: Hannah Spielvogel).

Tiefgründiges, Klamauk und ironische Distanz

Slapstick, Rap und Comic-Elemente bringen den thematischen Gehalt dem jüngeren Publikum nahe, die Älteren denken beim Titel an Jaroslav Haseks braven Soldaten Schwejk, der seinen Saufkumpanen zuruft: „Nach dem Krieg um halb sechs im Wirtshaus Kelch!“ 1971 sang Bruce Low in sonorem Bass den Dialog zwischen Noah und seinem Herrn, der ersteren ermahnte: „Seid fruchtbar und mehret euch und reizt mich nicht."

Tiefgründiges, Klamauk und ironische Distanz werden eindrucksvoll zusammengehalten durch puren Bühnenzauber, brillante Szenen wie die Tauchfahrt der Arche Noah. Im Nebel erscheint den überzeugend tanzenden Seefahrern eine Feuerqualle ebenso wie ein Fass mit Giftmüll. Gesang und Sounddesign unterstützen die Handlung effektvoll. Satt wie die Pritsche des dummen Augusts klatschen die toten Fische auf die Köpfe.

„Ich bin total geflasht! Sowas hätte ich nicht erwartet“, begeisterte sich Stefanie, eine junge Pädagogin, über die gelungene Verbindung von Ernst und Spaß. Toll, wie gezeigt werde, dass Liebe auch anders aussehen kann als im Klischee. Sie werde das Stück weiterempfehlen. Klein-Leopold bewunderte besonders das Bühnenbild, den Eisberg, der sich in eine Arche mit Bluetooth verwandele, ganz anders als sein eigenes Spielzeug. „Jeder Satz ein Knaller!“, bewertete eine weitere Zuschauerin der Premiere den Text.