Gegen Verschwendung: Julia und ihre Mitstreiter retten im Kreis Cham tonnenweise Lebensmittel

Von Tanja Fenzl · 25. November 2025 um 05:00

Sie „retten“ Lebensmittel: Julia und Nurgül haben als Botschafterinnen die Initiative Foodsharing in den Landkreis geholt. Mit ihren inzwischen weit über 100 Mitstreitern im Landkreis haben sie in den letzten drei Jahren über drei Tonnen Lebensmittel vor der Mülltonne bewahrt. Das Konzept ist klar: Lebensmittelverschwendung vermeiden.

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Die Foodsaver, wie sich die Helfer der gemeinnützigen Vereinigung nennen, arbeiten inzwischen mit fast 30 Betrieben zusammen – Handwerksbetrieben wie Bäckereien, Lebensmittelgeschäften bis hin zu Discountern. Auch von Privatleuten bekommen die Foodsharer immer wieder Sachen angeboten, die sonst weggeworfen würden. „Wir sind da deutlich flexibler als manche anderen Organisationen“, sagt Julia, die wie ihre Mitstreiter nur ihren Vornamen in der Presse lesen will.

Foodsharing: Keine Konkurrenz für die Tafeln

Der jungen Mutter aus Furth im Wald ist es ein Anliegen, deutlich zu machen, dass Foodsharing keine Konkurrenz für Lebensmittelausgaben für Bedürftige ist. Sie sieht Foodsharing eher als Ergänzung solcher Einrichtungen. „Wir dürfen auch Lebensmittel nehmen, wenn sie schon abgelaufen sind.“ Viele Lebensmittel seien auch dann noch genießbar, wenn das Ablaufdatum bereits überschritten sei – und hier setzt Foodsharing ein. „Unsere Stärke ist auch unsere Flexibilität. Wir sind so vernetzt, dass wir eigentlich überall im Landkreis innerhalb kürzester Zeit Sachen abholen können – auch ganz spontan.“

Anders als die Tafeln können die Foodsaver die Lebensmittel auch an jedem Wochentag abholen. „Brot vom Freitag bringt beispielsweise wenig, wenn der Ausgabetag am Mittwoch ist“, erklärt Julia. Die Foodsaver könnten die Ware dennoch abholen und verteilen.

Hier packen ein Marktleiter und seine Frau Sachen für die Lebensmittelretter zusammen, die sie dann abholen. - Foto: Harald Tittel/dpa

Lebensmittel werden geholt

Und das läuft so: Die Foodsaver melden sich über die Homepage bei Foodsharing an. Werden sie nach einem Test als Mitglieder akzeptiert, können sie sich für Abholtermine in ihrer Nähe eintragen und die Lebensmittel bei den jeweiligen Betrieben zur verabredeten Zeit abholen.

Sachen, die sie selber nicht verwerten können, geben sie anschließend an Nachbarn, Freunde, Bekannte weiter. Sind es besonders viele Lebensmittel, die abgeholt werden, bringen die Foodsaver die Lebensmittel auch zu Einrichtungen wie Kindergärten, Sportvereinen oder Altenheimen. „Hauptsache, die Lebensmittel werden nicht weggeworfen“, sagt Julia.

Monika aus Stamsried ist eine der Foodsaver, die regelmäßig Lebensmittel abholen und verteilen. „Man muss sich nur einmal vorstellen, wie viel überall weggeworfen wird. Wenn man bei einem Betrieb Sachen holt, die sonst im Müll landen würden, und man sich vorstellt, das ist nur ein Geschäft im Landkreis Cham, in Bayern, in Deutschland, wo täglich Lebensmittel weggeworfen werden, die man eigentlich noch gut essen kann.“

Am Abholtermin gibt es eine Überraschung

Was die Foodsaver bei ihrem Abholtermin letztendlich abholen, ist jedes Mal eine Überraschung. „Das kann alles sein, von abgelaufenen Konserven über Gemüse und Obst bis hin zu einer Palette Gurken, die übrig geblieben ist“, sagt Julia. Die Foodsaver nehmen alles mit, was sie angeboten bekommen.

Vorher sortieren sie vor Ort wirklich schlechte Waren aus – schimmeliges oder klar verdorbenes Essen holen auch die Foodsaver nicht mehr ab.

260 Stammbezirkler aus dem Kreis Cham gehören zur Initiative in der Region

Aber Obst mit ein paar Dellen, Gemüse, das nicht mehr super frisch aussieht, Säfte oder Joghurts über dem Mindesthaltbarkeitsdatum nehmen sie mit. „Ich habe noch gelernt, dass man sich das Essen vorher genau anschaut. Bei Joghurt zum Beispiel merkt man klar, ob es noch gut oder schon verdorben ist“, sagt Monika. Die 54-Jährige teilt ihre geretteten Lebensmittel regelmäßig mit einer kranken Frührentnerin, die sich dankbar über die zusätzlichen Ressourcen freut.

Foodsaverin Andrea teilt ihre Waren oft in ihrem Bekanntenkreis und in ihrem Heimatdorf. „Die Leute freuen sich eigentlich immer, wenn ich was bringe“, sagt sie. Und wenn einmal leckere Sachen für Kinder dabei sind, ist die Freude umso größer.

Insgesamt 260 Stammbezirkler aus dem Landkreis Cham gehören inzwischen zur Initiative in der Region. Die Betriebe, die Lebensmittel abgeben, sind aus dem Landkreis Cham oder in der Region Viechtach, wo es bisher noch keinen eigenen Foodsharing-Bezirk gibt.

Freude als Motivation

Das Schöne am Lebensmittelretten sei aber nicht nur das Gefühl, Essen vor dem Müll zu bewahren, sagen die Foodsaver. Eine weitere Motivation für die Helfer ist die Freude der anderen, wenn sie Lebensmittel mit ihnen teilen. Oder manchmal auch Blumen. Wohin mit einer ganzen Ladung Blühpflanzen? Die Foodsaver haben auch dafür eine Lösung: Sie schmücken die Kapelle in Altenmarkt oder bringen die Blumen ins Seniorenheim, um den Bewohnern dort eine Freude zu machen.

Wer mitmachen will, kann sich über die Webseite anmelden. „Jede Breze, jede Semmel wird ja gebacken, damit sie gegessen wird, und nicht, dass sie weggeworfen wird “, sagt Monika. „Mitstreiter sind immer willkommen“, betont Julia. Ebenso wie Betriebe, die durch eine Teilnahme am Foodsharing ihren Müll reduzieren können.