Da musste man ganz Ohr sein: Duo eröffnet die Saison der Odeon Concerte in Regensburg

Von Gerhard Dietel · 24. November 2025 um 11:19

Die russische Cellistin Anastasia Kobekina und der Schweizer Pianist Jean-Sélim Abdelmoula verzaubern das Publikum im Audimax in Regensburg mit fein ziseliertem Spiel.

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Da, wo sich im Audimax sonst ganze Scharen von Orchestermusikern tummeln, ist diesmal nur Platz für den Auftritt zweier Künstler vorbereitet. Sparsames Scheinwerferlicht fällt auf den Bühnenboden, völlig ausreichend für den Auftritt der russischen Cellistin Anastasia Kobekina und ihres Begleiters am Flügel, des Schweizer Pianisten (und Komponisten) Jean-Sélim Abdelmoula. Kammermusik in kleiner Besetzung ist diesmal, zum Start der neuen Odeon-Konzert-Saison angesagt.

Nun ist das riesige Audimax kein geeigneter Raum für besonders intimes Musizieren. Man sieht anfangs mehr als dass man hört, wie wunderbar feinsinnig Jean-Sélim Abdelmoula den Flügel zu behandeln vermag, jeden Tons ganz der Kavalier, der seiner Partnerin am Cello den Haupteindruck überlassen möchte. Nur: den einleitenden „Fantasiestücken“ von Robert Schumann bekommt solche Behandlung nicht gut. All zu viel von dem wunderbar Ineinander-Verschlungen-Sein des Klavier- und des Celloparts gehen verloren.

Die Cellistin vollbringt Mirakel

Oder ist es Strategie des Duos, durch dezentes Spiel Aufmerksamkeit zu erzwingen? Die typisch novemberlichen Hustereien, welche die ersten Minuten des Konzerts noch überlagern, verlieren sich jedenfalls allmählich unter der Herausforderung an die Zuhörenden, ganz Ohr sein zu müssen.

Fein ziseliert bleibt das Spiel von Jean-Sélim Abdelmoula auch in der anschließenden „Arpeggione“-Sonate von Franz Schubert, gewinnt aber doch an Präsenz. Das auch als „Bogengitarre“ firmierende Arpeggione, eine kurzlebige Instrumenten-Erfindung der 1820er Jahre in Wien, mag für die Musikpraxis untergegangen sein, Schuberts dem Instrument gewidmete Sonate haben sich glücklicherweise die Cellisten (und Bratscher) angeeignet.

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Hier, bei Schuberts seligem Kreisen in immer wieder beglückenden Wiederholungen ist nun Zeit, sich ganz auf die Mirakel von Anastasia Kobekinas Cellospiel einzulassen und zu bewundern, mit welcher Geschmeidigkeit sie ihr Instrument einsetzt, den Ton einmal markig zu formen versteht, um ihn gleich darauf wieder ins fast Körperlose zurückzunehmen, oder wie sie wunderbar aus schnellem Passagenwerk ins erfüllte Singen abzubiegen versteht.

Kürzere, poetische Stücke, dann ein gewichtiger Sonaten-Zyklus: nach diesem Muster ist wie die erste, so auch die zweite Konzerthälfte aufgebaut. Wie flüchtige Visionen ziehen zunächst die „Trois pièces“ der französischen Komponistin Nadia Boulanger vorbei, Appetit-Happen, die mit ihrem französisch-eleganten Flair schon auf die A-Dur-Sonate von César Franck einstimmen, die eigentlich als genuines Violinwerk gar nicht dem Cello-Repertoire angehört.

Beifall brandet auf

Das Spiel von Anastasia Kobekina und Jean-Sélim Abdelmoula lässt dies bald vergessen. Mit sanften, aber spannungsvollen Klängen, die immer wieder vergebens nach Auflösung suchen, eröffnet der Pianist, bildet einen Erwartungsraum, in den das Cello sich mit ersten musikalischen Gesten hineintastet. Treibende Passagen vernimmt man im zweiten Satz, viel Rhetorik im rezitativischen Übergang zum Finale, das die Zuhörer mit seinem ohrwurmverdächtigen, kanonisch in den Instrumenten geführtem Thema vollends verzaubert.

Ein letzter Akkord des Klaviers, ein hoch in die Luft erhobener Bogen des Cellos: danach brandet so anhaltender Beifall auf, dass Anastasia Kobekina und Jean-Sélim Abdelmoula um zwei Zugaben nicht herumkommen: Debussys „Beau soir“ als einem verabschiedenden „Gute Nacht, Freunde“, und Camille Saint-Saens’ „Schwan“, der auch an diesem eiskalten November-Abend seine Kreise auf dem stillen See zieht.