Die Regensburger Philharmoniker in glänzender Spiellaune

Unter dem Titel „Erschütterungen“ führte das Orchester Tschaikowskys Schicksalssinfonie, aber auch weitgehend unbekannte Werke auf. Die Devise „umarmende Offenheit“ trug dem Theater zuletzt auch einen Titel ein.
„Mehr Neues als Bekanntes, umarmende Offenheit statt programmatischer Vorsicht“: das waren die Kriterien der Jury, die dem Theater Regensburg jüngst die spektakuläre Auszeichnung „Bestes Opernhaus des Jahres 2025“ einbrachten. Nicht dabei im Blick, aber gerade deshalb einmal unterstreichenswert: auch die Reihe der Philharmonischen Konzerte fügt sich in dieses innovative Konzept, wie deren jüngste Veranstaltung im Audimax der Universität bestätigte. Denn auch dem ausgebufften Musik-Kenner dürften die Namen der Komponisten (und erst recht deren Werke) unbekannt gewesen sein, die die Programmfolge eröffneten.
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„Will there be singing?“ fragt, frei nach Bert Brecht, eine an diesem Abend als europäische Erstaufführung erklingende Partitur des 1984 geborenen US-Amerikaners Christopher Cerrone. Wüsste man’s nicht vorab, dass Cerrone seine Musik als „Reflexion über das Innenleben eines Komponisten in unsicheren Zeiten“ konzipierte, man würde es kaum vermuten. In ruhigem Fluss entfaltet sie sich aus einem Klangpendel zweier Akkorde, in gleißender Helle, die erst später von tieferen Registern gestützt wird. Ins Bedrohliche umgefärbt wird sie zwischenzeitlich, wenn Pauke und Streichertremoli hinzutreten, und schwingt dann doch wieder wie mit einem breiten Glockengeläut friedlich aus.
So klar nachvollziehbar die musikalischen Prozesse in dieser Novität sind, so verwirrend wirken danach die zwei „Poeme“ von Alexander Weprik. Weprik? Der 1899 in der Ukraine Geborene galt als Hauptvertreter einer „Neuen Jüdischen Schule“ in Russland, geriet dann ins Fadenkreuz des Stalin’schen Terrors, verschwand lange im Gulag und hatte danach nur noch eine spärliche Schaffenszeit bis zu seinem Tod im Jahr 1958.
Wunderbare Soli in der Schicksalssinfonie
In den kurz zuvor entstandenen „Poemen“ ist von solchen persönlichen „Erschütterungen“ (so das Motto des Konzerts) wenig zu spüren. Da gibt es wohl phasenweise klagende Trauermarsch-Assoziationen, die sich freilich immer wieder in sieghaftes Vorwärtsmarschieren und jubelnde Fanfarentöne wandeln. Auffällig: Kollektivem Voranstürmen begegnen immer wieder Soli der Holzbläser oder der Violine wie als Äußerungen des Individuums. Doch eine klare Botschaft will sich insgesamt nicht abzeichnen: Die vielen jähen Stimmungsumschwünge dieser „Poeme“ lassen eher an die Illustrationskünste eines Film-Musik-Komponisten denken.
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„Erschütterungen“: Sie finden nach der Pause auch in Tschaikowskys „Schicksalssinfonie“ Nr. 5 statt. Mit aller Ruhe lässt GMD Stefan Veselka eingangs ihr dunkelfarbenes Holzbläser-Lamento formen, bevor er im „Allegro con anima“ immer wieder für geschickte Modifikationen des Tempos sorgt. Das Philharmonische Orchester gerät unter seiner Stabführung in zunehmend glänzende Spiellaune, zollt dem Melodiker Tschaikowsky mit wunderbaren Soli im langsamen Satz Tribut, aber auch, mit einem eleganten Walzer, dem Ballettkomponisten, bevor im Finale, man weiß nicht wie, das Anfangs-Lamento zum pompösen Triumphmarsch gewandelt wiedererscheint.