Das Theater ist „bestes Opernhaus 2025“: Regensburg jubelt über spektakulären Titel

Sensation – das Wort wird gern mal verwendet, wo es um ein Sensatiönchen geht. Hier trifft es: Das Theater Regensburg ist das beste Opernhaus des Jahres 2025. Die Auszeichnung in der Königsklasse des „Opera! Award“ ist tatsächlich spektakulär.
Man muss sich das mal geben: Ein Stadttheater in der Oberpfalz, das ja nicht einmal ein Opernhaus ist, sondern ein kommunales Mehrspartenhaus, steht nun in einer Reihe nicht etwa mit bedeutenden Adressen in München oder in Berlin, sondern mit Nationalopern anderer Staaten. Zuletzt erhielten den Titel das Opernhaus La Monnaie / De Munt in Brüssel, davor De Nationale Opera Amsterdam. In der Tat ein steiler Move, wie man Neudeutsch sagt.
„Umarmende Offenheit statt programmatischer Vorsicht“
Die „wunderbare Nachricht“, vom Haus zuvor so geheim gehalten wie Baupläne für einen nuklearen Marschflugkörper, meldete Andrea Hoffmann, Sprecherin des Theaters, am Dienstag kurz nach zehn. „Keine Frage: Das beste Opernhaus befindet sich unter dem Dach des Theaters – künftig: Staatstheaters – Regensburg!", sagt Ulrich Ruhnke, Vorsitzender der Jury. Er schwärmt: „Mehr Neues als Bekanntes, umarmende Offenheit statt programmatischer Vorsicht und der unerschütterliche Glaube an die Existenzberechtigung des Musiktheaters in allen seinen Formen, Farben und Ausprägungen: Die Risikobereitschaft des Theaters Regensburg unter seinem Intendanten Sebastian Ritschel ist groß“, „die Trefferquote enorm“. Die Erweiterung des immer gleichen Repertoires, stets gefordert, doch selten konsequent realisiert: „In Regensburg findet sie statt!“, sagt Ruhnke. Er hebt das „hervorragende Ensemble“ heraus und verweist auf die vielfältigen Qualitäten und den Vorbildcharakter: „Innovationen in den Bereichen Partizipation, Zugänglichkeit, Community-Bildung und Nachhaltigkeit zeigen darüber hinaus, wie sich ein Theater unverzichtbar in der Stadtgesellschaft verankern sollte.“

Die „Oper! Awards“, 2019 vom Magazin „Oper!“ installiert, ermitteln Fachkritiker. In der Jury sitzen Kaliber wie Eleonore Büning, lange Rezensentin der FAZ, Ehrenmitglied im Deutschen Musikrat. Es gibt auch den Titel „Opernhaus des Jahres“ vom Magazin „Opernwelt“ Berlin und die International Opera Awards, vom Briten Harry Hyman gegründet. Die „Oper! Awards“ sind Deutschlands einziger internationaler Opernpreis. Bei einer Gala werden in 20 Kategorien etwa auch die besten Sängerinnen, Dirigenten, Regisseurinnen geehrt.
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Schauplatz ist immer der Gewinner der Königsklasse. Am 23. Februar wird in Regensburg also Oscar-Prickeln herrschen. Welche Künstler geehrt werden, ist noch offen. Einen Eindruck über die Liga, die hier auflaufen wird, schenkt aber ein Blick auf die Liste der Preisträger, die man diesen Februar in Brüssel feierte: etwa Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt, Dirigent Pablo Heras-Casado und die Regisseure Tobias Kratzer und Peter Konwitschny.
„Wahnsinn!“ und „Des gibt’s ja ned“ heißen die häufigsten spontanen Kommentare zu dem Titel, die man am Dienstag von Passanten am Bismarckplatz hört, als sie einen improvisierten Pressetermin beobachten. Intendant Sebastian Ritschel und Finanzchef Matthias Schloderer treten mittags für die Kameras vor das Haus und strahlen fast noch mehr als die Novembersonne. „Diese herausragende Auszeichnung ist eine riesengroße Ehre und Anerkennung der Leistung und Strahlkraft der Ensembles und des gesamten Hauses in allen Facetten!“, sagt Operndirektor Ritschel. Er spricht von „unbändige Freude für uns alle“ und: „Ich bin stolz, dieses Haus mit diesem Team als Intendant leiten zu dürfen und auch zu erleben, dass Mut und Risikobereitschaft sich lohnen.“ Schloderer verweist auf den „Oper! Award“, den das Haus 2023 für die beste Nachhaltigkeitsinitiative holte. Jetzt bestes Opernhaus: „Das ist einfach fantastisch“, sagt er, „und gibt uns allen für unseren programmatischen Wagemut und den enormen, begeisternden Einsatz aller Teams sehr, sehr viel zurück!“
Vom Kulturstaatsminister bis zum Künstler vom Haus: Der Jubel am Dienstag ist groß. Michael Heuberger, dienstältestes Ensemblemitglied „und seit 1986 an diesem tollen Theater“, sagt, der Mut zum Besonderen sei es, der das Haus auszeichnet, und betont, wie sehr er sich freut über die Auszeichnung. Als Schauspieler hatte er immer wieder Rollen im Musiktheater, zuletzt als Erzähler in Bernsteins Comic-Operetta „Candide“ – auch so ein Beispiel für außerordentliche Experimentierfreude.
Oscar-Preisträger in New York könnte „glücklicher nicht sein“
Der Mut, den Jury-Chef Ruhnke so lobt: Er zeigt sich aktuell bei „The Ghosts of Versailles“, eine „over the top ausgestattete, exaltierte Revue“, bei der „das Regie-Paar Sebastian Ritschel und Ronny Scholz alle Register zieht“, wie es etwa in der SZ zur Premiere hieß. Komponist John Corigliano, Pulitzer-, Oscar- und Grammy-Preisträger, und sein Mann Mark Adamo mailen am Dienstag aus New York: „Wir könnten nicht glücklicher sein“ und: „Unter der Leitung von Sebastian Ritschel und Ronny Scholz hält das Theater Regenburg höchste Standards in Bezug auf Aufführung, Produktion und vor allem Programmgestaltung des zeitgenössischen Repertoires ein. Dieses Unternehmen repräsentiert das Beste aus Vergangenheit und Gegenwart sowie das Versprechen der Zukunft.“