Beglückende Perfektion: Pavel Haas Quartet gastierte im Aurelium

Von Gerhard Dietel · 21. November 2025 um 13:38

Das Prager Ensemble holte ein Konzert nach, das vor zwei Jahren ausfallen musste, und kam in erweiterter Besetzung. Gespielt wurden Streichsextette von Komponisten tschechischer Herkunft. Das Publikum jubelte.

Aufgeschoben – doch nicht aufgehoben. Bereits in der Saison 2023/24 sollte das Prager Pavel Haas Quartet, verstärkt um zwei weitere Streicherstimmen, beim Regensburger Musikverein auftreten. Was Krankheit damals verhinderte, wurde am Donnerstagabend im Lappersdorfer Aurelium nachgeholt, fast auf den Zeitpunkt genau zwei Jahre später und mit identischem Programm: drei Streichsextetten von Komponisten tschechischer Herkunft, an diesem Abend in beglückender Perfektion musiziert von den Ensemblemitgliedern Veronika Jarusková und Marek Zwiebel (Violinen), Simon Truszka (Viola) und Peter Jarusek (Violoncello), ergänzt um die Zusatzstimmen von Pavel Nikl (Viola) und Ivan Vokác (Violoncello).

Dass Pavel Nikl einst selbst zu den Gründungsmitgliedern des Pavel Haas Quartets gehörte, unterstützte noch die Einheitlichkeit der Interpretation, wenn man auch spürte, dass hier unterschiedliche Charaktere zusammenwirken. Am extrovertiertesten wirkte Veronika Jarusková, die als Primaria immer wieder Impulse setzte und so leidenschaftlich bei der Sache war, dass es sie beim Spielen das eine oder andere Mal geradezu vom Sitz hob.

Herbe Akkorde von Bohuslav Martinu

Herbe, nicht leicht aufzufassende Akkorde stellt Bohuslav Martinu an den Beginn seines 1932 entstandenen Sextetts und machte es dem Musikvereins-Publikum zunächst nicht leicht, sich in seine modern gehärtete Klangsprache hineinzufinden, die in manchen nahezu ruppigen Wendungen von Igor Strawinsky inspiriert scheint. Doch dann bricht auch immer wieder ein melodischer Sehnsuchtston durch, und im Finale des Werks erinnert sich der längst in Paris lebende Komponist auf einmal seiner Heimat: mit folkloristischen Anklängen, die einen dörflichen böhmischen Tanzboden beschwören.

Als Bruder im Geiste erweist sich danach Erwin Schulhoff mit seinem wenige Jahre früher, nämlich 1924 komponierten Sextett. Auch hier geht es erst einmal eher aggressiv zu, danach aber auch immer wieder doppelbödig, wenn die Musik in ein Lamento verfällt und sich allmählich erstarrend in den Schlaf zu weinen scheint. Grandios gelingen der zweite Satz mit seinen spärlichen Melodieansätzen vor ganz leisen, schattenhaften Hintergrundklängen und die rhythmisch gepfefferte „Burlesca“, bevor in Abkehr von der Formtradition ein „Adagio molto“ mit allmählich ersterbenden, ins Nichts führenden Klängen am Ende steht.

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Nicht einmal 50 Jahre älter als diese beiden Werke von Martinu und Schulhoff ist das nach der Pause erklingende Streichsextett op. 48 von Antonin Dvorák und kommt doch wie aus einer anderen, versunkenen Welt. Eine Fülle des Wohllauts verbreiten die sechs Musiker auf dem Podium nun und entwickeln im Kopfsatz einen schwelgerischen Gesamtklang mit wohldosierter Emphase. Offen Folkloristisches folgt mit einer balladesken „Dumka“ und einem „Furiant“, bevor sich das Ensemble in den Final-Variationen nach gezügeltem Beginn in einen mitreißenden Klangrausch hineinspielt.

Applaus und Jubel des Musikvereins-Publikums im Aurelium folgen unmittelbar, belohnt von einer Furiant-Wiederholung.