Kittel: „Komplett vergeigte Migrationspolitik“ macht Sicherheitskonzept notwendig

Weihnachtsmarkt-Veranstalter Peter Kittel spricht bei der Eröffnung seines Marktes im Schloss der Familie Thurn und Taxis in Regensburg die Sicherheitslage im Land und für die Märkte an. Grund für die massiven Schutzmaßnahmen - Kittel sprach von drei Verteidigungslinien für seinen Markt - sei ein „weißer Elefant im Raum“, nämlich eine verfehlte Migrationspolitik.
Zwei große gesellschaftliche Ereignisse finden am Weihnachtsmarkt auf Schloss St. Emmeram jährlich statt: Die Eröffnung, zu der Veranstalter Peter Kittel gerne ins Refektorium des Schlosses einlädt. Früher war das im Madonnensaal, man konnte sich kaum umdrehen. Zwischenzeitlich weicht der Veranstalter aus, auch weil er niemanden von seiner Gästeliste streicht: Da kommt der Caritas-Landesdirektor Bernhard Piendl vorbei und glaubt, da sei den Mitarbeitern des Weihnachtsmarkt-Machers einfach ein Fehler unterlaufen. Doch ein Fehler war das nicht: Wer auf seiner Seite steht, so praktiziert Kittel das schon lange, dem bleibt er treu.
Das zweite Ereignis ist Kittels berühmt-berüchtigtes Truthahnessen, das eigentlich immer im Gasthaus Auerbräu in Reinhausen stattfand. Kittel lädt dort sein Netzwerk ein, die geschäftlichen und freundschaftlichen Verbindungen, die er über Jahrzehnte in Regensburg aufgebaut hat. Vergangenes Jahr geschah während seiner Rede etwas unfassbar Tragisches: Auf den Smartphones der Gäste blinkten die „Breaking News“. Ein Mann war in den Weihnachtsmarkt von Magdeburg mit dem Auto gerauscht. Im Laufe des Abends, der in der Blockhütte im Fürstenpark veranstaltet wurde, stieg die Zahl der Toten auf sechs Menschen, darunter ein neunjähriges Kind.
„Bekenntnis an Heimat“
Der Weihnachtsmarkt sei für ihn und sein Team keine Arbeit wie jede andere, das sei „ein Glaubensbekenntnis an unsere Heimat und auch ein Glaubensbekenntnis an unsere Religion“, sagte Kittel vor seinen Gästen am Freitagabend. „Wir genießen es, diese Ruhe, diesen Frieden, der auch in unseren Glauben ausstrahlt“, so Kittel wörtlich. In einer „aus den Fugen geratenen Welt“ hole man 25 Millionen Euro an verbriefter Wirtschaftskraft nach Regensburg.

Kittel sprach aber auch „von dem Irrsinn, den wir veranstalten müssen“. Wörtlich: „Ich habe hier Dutzende von Securities, ich habe Dutzende von Infrarot-Kameras, ich habe Bewegungsmelder, Alarmsirenen, Sechs-Volt-Patch-Boxen, Annäherungs- und Durchbruchlinien in erster, zweiter und dritter Verteidigungslinie“. All dies wegen des „weißen Elefanten im Raum“, so der Veranstalter. Er müsse feststellen, dass keiner die Frage stelle, wieso das eigentlich so sein müsse und weshalb sich „die Kultur von unseren Herzen zunehmend ein Stück entfernt“.
Viele Leute haben Angst, Weihnachtsmärkte zu besuchen.Peter Kittel
Kittel: „Viele Leute haben Angst, Weihnachtsmärkte zu besuchen.“ Dann kam der Veranstalter zum Punkt: „Man legt die Last einer komplett vergeigten Migrationspolitik auf unsere Schultern.“ Der Weihnachtsmarkt-Veranstalter machte aber auch deutlich: „Wir werden den größtmöglichen Schutz auffahren, um ihnen all das zu ermöglichen, was selbstverständlich sein muss in unserer Kultur.“

Kittels Positionen stoßen nicht immer auf Gegenliebe in der Stadtgesellschaft. Schon seit langem hat er vor allem Gruppen gegen sich aufgebracht, die ins linke, mitunter auch ins linksextreme Spektrum vernetzt sind (wir berichteten). Vor allem auch gegen Schlossherrin Gloria von Thurn und Taxis, die immer wieder Rechtspopulisten, aber auch Rechtsextreme wie Steve Bannon aus den USA oder die Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, ins Schloss einlädt, hat sich Widerstand organisiert. Der wird am 6. Dezember vor dem Schloss in einem „Romantischen Weihnachtsprotest“ münden. Kittel umschrieb mit seinen Worten im Kern die Stadtbild-Debatte, die von Kanzler Friedrich Merz angestoßen wurde.
Für die einen sprach der Kanzler dabei kriminelle junge Migranten an, die auch im Umfeld des Regensburger Bahnhofs ihr Unwesen treiben – allerdings mit Konsequenzen, wie der Oberpfälzer Polizeipräsident Thomas Schöniger am Samstag im MZ-Interview eindrücklich belegte. So wurden bisher gegen vorwiegend Tunesier 160 Haftbefehle erlassen, es folgten 154 Abschiebungen. Doch Kritiker des Kanzlers sehen sich selbst verunglimpft, etwa weil sie selbst erkennbar Migrationshintergrund haben, aber Deutsche mit ganzem Herzen sind. Dass auch Kittel differenziert in der Frage, machte er vergangenes Jahr deutlich. Da berichtete die MZ über einen Iraker, der am Weihnachtsmarkt arbeitete und abgeschoben werden sollte. Auch das hatte er 2024 thematisiert.
Kommt Schwögler noch mal?
Wie polarisiert die politische Debatte einerseits ist, und welche Auswirkungen andererseits diese auch für Geschäftsleute haben kann, das wurde auch bei den Schlossfestspielen heuer Thema. Nach einem Streit mit der Fürstin über die Bewirtung von Alice Weidel warf das Gastronomen-Paar Birnthaler das Handtuch. Seither wird spekuliert, wer das Catering im kommenden Jahr übernehmen soll. Jetzt, vor Weihnachten, würden ja bereits zahlreiche Buchungen für ein Essen bei den Festspielen getätigt. Offenbar gibt es bereits Verhandlungen des Veranstalters Odeon mit Helmut Schwögler. Der feierte seinen Einstand am Weihnachtsmarkt – und die Gäste in der Blockhütte waren sehr angetan.