Jetzt sind sie Deutsche: Landkreis Schwandorf feierte seine Eingebürgerten

Von Jan Lange · 22. November 2025 um 05:00

Im vergangenen Jahren haben im Landkreis Schwandorf 346 Ausländer den deutschen Pass erhalten. Am Donnerstag wurden sie offiziell in der Gemeinschaft willkommen geheißen. Dazu gab es sogar Glückwünsche aus der fernen Hauptstadt Berlin.

Dass sie gut integriert sind, stellten die Eingebürgerten bereits unter Beweis. Denn um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen, mussten sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen: gute deutsche Sprachkenntnisse, keine Vorstrafen und ein eigenes Einkommen, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Mit dem Erhalt des deutschen Passes sind sie endgültig in Deutschland angekommen. „Jetzt sind Sie Deutsche“, betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Videobotschaft, die zu Beginn der Einbürgerungsfeier eingespielt wurde.

Eingebürgerte sollen Chancen nach Kräften nutzen

Steinmeier riet den Eingebürgerten auch, die neuen Chancen, die sich jedem von ihnen bieten würden, „nach Kräften zu nutzen“. So könnten sie nun auch wählen gehen oder selber für ein Amt kandidieren. „Die freiheitliche Demokratie lebt durch Sie“, so der Bundespräsident.

Es ist auch emotional eine Ehre, wenn man als deutscher Staatsbürger weiß, dass sich andere Menschen für diese Staatsbürgerschaft interessieren.Thomas Ebeling, Schwandorfs Landrat

Steinmeiers Glückwünschen schloss sich auch Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) an. „Es ist auch emotional eine Ehre, wenn man als deutscher Staatsbürger weiß, dass sich andere Menschen für diese Staatsbürgerschaft interessieren.“

Im Landkreis Schwandorf hatten sich im Vorjahr Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern einbürgern lassen. Die meisten kamen – wie schon in den Vorjahren – aus Syrien. Aber auch Menschen aus Äthiopien, Ghana, Russland oder der Türkei haben sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden.

Großteil seit Jahren im Land

Der Großteil von ihnen lebt schon seit Jahren in Deutschland – so wie auch Bicen Menduhe. Die gebürtige Türkin ist schon seit 35 Jahren in Deutschland und fühlt sich nach eigener Aussage hier inzwischen angekommen. Genauso geht es auch Elena Zimbelmann, die aus Russland stammt. Sie kam vor acht Jahren nach Deutschland, hat hier ein Haus gebaut und ihren Lebensmittelpunkt, wie die 35-Jährige erzählt. Und dennoch hat sie sich dafür entschieden, neben der deutschen auch die russische Staatsbürgerschaft zu behalten.

Den bisherigen Pass beim Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft nicht abgeben zu müssen, diese Möglichkeit gibt es erst seit 2024. Die damalige Ampel-Regierung hatte das Staatsbürgerschaftsrecht reformiert.

Das Thema Einbürgerung war seitdem immer wieder in den politischen Diskussionen aufgetaucht. Zuletzt hatte die aktuelle Bundesregierung unter CDU-Führung die sogenannte Turbo-Einbürgerung nach drei Jahren wieder abgeschafft. Laut dem Statistischen Bundesamt haben von der schnelleren Einbürgerung nur einige Tausend Personen Gebrauch gemacht. Dies spiegelt sich auch im Landkreis Schwandorf wieder: Im Jahr 2024 gab es nur eine einzige Turbo-Einbürgerung. Heuer war es keine einzige.

Denn dieses Land, zu dem wir jetzt gehören, braucht uns.Jean-Luc Kalala Mopene, Pfarrvikar von St. Josef Rappenbügl

Dass alle Eingebürgerten aus dem Landkreis Schwandorf unterschiedliche Lebensläufe und eine ganz individuelle Integrationsgeschichte haben, darin waren sich die Redner bei dem Empfang im Konrad-Max-Kunz-Saal in der Schwandorfer Oberpfalzhalle einig. Gebraucht werden sie alle – darin herrschte ebenfalls Übereinstimmung. Landrat Ebeling wies darauf hin, dass es notwendig sei, Menschen aus dem Ausland aufzunehmen. Das sei seiner Meinung nach angesichts des Fachkräftemangels erforderlich. Und der Maxhütter Pfarrer Jean Luc Kalala Mopene, der aus dem Kongo stammt, meinte: „Dieses Land, zu dem wir jetzt gehören, braucht uns.“

Husen Tuke (30) aus Neunburg: „Ich bin 2016 nach Deutschland gekommen, lebe und arbeite hier gerne. Ich bin hier inzwischen verwurzelt. Meine Frau und meine Kinder sind auch eingebürgert worden.“ - Foto: Jan Lange
Elena Zimbelmann (35) aus Maxhütte-Haidhof: „Neben der deutschen besitze ich auch weiterhin die russische Staatsbürgerschaft. Dadurch ist es einfacher, wenn ich zu meinen Eltern reisen möchte, die noch in Russland leben.“ - Foto: Jan Lange
Bicen Menduhe (68) aus Teublitz: „Schon seit 35 Jahren lebe ich in Deutschland. Ich fühle mich in Deutschland angekommen und habe mich deshalb für die deutsche Staatsbürgerschaft entschieden.“ - Foto: Jan Lange

Entwicklung

• Gesamtzahl: 2024 wurden 346 Migranten eingebürgert. Das sind weniger als in den zwei Jahren zuvor: 2022 waren es 381, 2023 insgesamt 379. Die Zahl der Einbürgerungen lag 2021 noch bei 158.

• Ausblick: 2025 wird ein Rekordjahr. Bis Ende Oktober wurden bereits 543 Migranten eingebürgert.

• Antragsteller: Die meisten Eingebürgerten kommen aus Syrien (113), gefolgt vom Kosovo (22), Russland (21), Rumänien (18) und der Türkei (15). Die Verteilung hat sich gegenüber 2023 etwas verschoben: Syrien (178), Irak (39), Ukraine (20) und Rumänien (19).

• Turbo-Einbürgerung: 2023 gab es eine Turbo-Einbürgerung. Es handelte sich um eine Person aus Armenien. 2025 gab es keine Turbo-Einbürgerung.