„Demografiefeste Kommune“: Bei der Bürgerversammlung in Waldmünchen steht Pilotprojekt im Fokus

Von Nils Mayer · 21. November 2025 um 17:00

Die TV-Halle in Waldmünchen war bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend rappelvoll. Im Vordergrund der Veranstaltung standen aber dieses Mal nicht die Bauprojekte oder Investitionen, sondern ein Pilotprojekt der Stadt. „Ein Leuchtturm von Waldmünchen, der andere Kommunen inspirieren soll“, beschrieb Bürgermeister Markus Ackermann das Projekt des Bürgernetzwerks, das auf den Namen „Demografiefeste Kommune“ hört.

Gleich an der Eingangstür verteilte das Bürgernetzwerk Broschüren, die das Projekt detailliert vorstellten. Die Mitglieder des Netzwerks trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „New York, Paris, London, Waldmünchen“. Dies sorgte für einige Lacher, aber auch für eine gewisse Neugier der Bürger. Was es mit dem Flyer und dem Netzwerk auf sich hat, das sollten die anwesenden Waldmünchner aber erst einmal nicht erfahren.

Denn zuerst ergriff Bürgermeister Ackermann das Wort: „Ich freue mich, den Saal heute Abend so voll zu sehen.“ Eine Bürgerversammlung sei schließlich dafür da, dass die Bürger Meinungen austauschen und ihre Heimat gestalten könnten.

Daten und Fakten zur Stadt

Dann folgten einige Daten und Fakten zur Stadt Waldmünchen, „um euch auf den neuesten Stand zu bringen“, so Ackermann. Im laufenden Jahr habe es bisher 33 Geburten gegeben, genauso viele wie im vergangenen Jahr. „Es hat zwar weniger Zuzüge nach Waldmünchen gegeben, aber auch weniger Wegzüge“, erzählte er.

Im Jahr 2025 habe es insgesamt 71 Bauanträge gegeben, über die der Stadtrat entschieden hatte. „Das sind mehr als im Vorjahr und das ist eine gute Entwicklung“, meinte der Bürgermeister. Dies zeige, dass Waldmünchen wieder mehr investiere.

Auch das städtische Haushaltsvolumen wurde in diesem Jahr gesteigert: „Um mehr als eine Million Euro.“ Erfreuliches hatte der Bürgermeister auch beim Stromverbrauch zu vermelden. Der sei im Vergleich zum Vorjahr zwar beinahe gleich geblieben, gleichzeitig hätte die Stromerzeugung in und um Waldmünchen allerdings zugenommen. Außerdem ist der Schuldenstand laut Ackermann „nur noch bei 294 000 Euro. Diese Zahlen können sich wirklich sehen lassen“, resümierte Ackermann und ergänzte: „Wir in Waldmünchen haben wirklich harte Zeiten durchlaufen, aber diese Zahlen beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Damit das so bleibt, will die Stadt auch weiterhin viel Geld investieren. Dabei nannte Ackermann die Bildung als zentrale Baustelle. Investiert werde unter anderem in die Ganztagsbetreuung der Grundschule in Geigant und in eine neue Lehrküche für die Schwarzachtal-Mittelschule. „Der Stadtrat und ich versuchen, den Bildungsstandort Waldmünchen zu stärken“, erklärte Ackermann die Investitionen.

Aber nicht nur in Bildung, sondern auch in die Stadt selbst werde investiert. Das zeigten laut Ackermann die Sanierungen am Saubrunnenplatz und die Kanalarbeiten unter der Heimkehrerstraße. Besonders betonte Ackermann die Bedeutung des städtischen Bauhofs. „Ohne den läuft bei uns nix“, so der Bürgermeister. Deshalb habe die Stadt „kräftig“ in den Fuhrpark investiert. Ein neuer Bagger, ein Kleintraktor und sogar ein Sandreinigungsgerät wurden neu angeschafft. Letzteres soll laut Bürgermeister die Spielplätze der Kinder sauber halten. „Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass dieses Geld dort gut aufgehoben ist.“

Dann präsentierte der Bürgermeister „den eigentlichen Schwerpunkt des Abends“, und zwar das Pilotprojekt „Demografiefeste Kommune“. „Euch sind vielleicht beim Reingehen die Leute vom Bürgernetzwerk mit den lustigen T-Shirts aufgefallen, die Flyer verteilt haben“, so Ackermann.

Geschenke für die Organisatoren: Frank Schürmann (l.) und Annika Härtel wurden von Bürgermeister Ackermann für ihre Arbeit gelobt. - Foto: Nils Mayer

Die Koordinatoren des Bürgernetzwerks Waldmünchen sind Frank Schürmann und Annika Härtel. Die beiden übernahmen das Wort und stellten das Projekt vor. Wobei es sich laut Härtel eher um einen „Kulturwandel“ handle als um ein „Projekt“. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir mehr Leute nach Waldmünchen bringen können“, erklärte Härtel die Idee des Bürgernetzwerks.

Dabei hätten die Mitglieder vor allem das Image und den Wohnbau als zentrale Eckpunkte ihrer Strategie herausgearbeitet. Beide Punkte sollen die Abwanderung und zunehmende Überalterung in Waldmünchen verhindern. „Das sind die größten Probleme hier“, stellte Härtel fest. „Wir haben am 16. August 2021 angefangen, uns regelmäßig zu treffen“, erzählte Schürmann. Neben Treffen habe es auch mehrere Bürgerbefragungen gegeben. Aus den Beratungen und Befragungen hätten die Mitglieder des Bürgernetzwerks dann insgesamt 34 Handlungsfelder für ihre Stadt zusammengetragen – unter anderem eine Internetkampagne, um das Image Waldmünchens zu verbessern, oder eine Belebung des Marktplatzes.

Bisher sei laut Schürmann erst ein Bruchteil der Pläne wirklich umgesetzt. „Wir haben also noch viel Arbeit vor uns“, meinte er. Übrigens: Jeder Waldmünchener kann sich dem Bürgernetzwerk anschließen und eigene Ideen für die Entwicklung der Stadt einbringen.

Bürger mit kritischen Fragen

Dass die Bürgerversammlung der geeignete Ort ist, um eigene Meinungen einzubringen, erkannten dann auch einige der anwesenden Bürger. Sie hatten noch einige kritische Fragen an Bürgermeister Ackermann und die Organisatoren des Netzwerks.

„Was bringt es denn, wenn noch mehr Urlauber kommen, aber wir nicht einmal Essensmöglichkeiten hier haben“, fragte ein Bürger. „Dass die Gastronomie ein schwieriges Geschäft geworden ist, bestreite ich nicht“, sagte Ackermann und ergänzte: „Aber der Gastwirt kann nur überleben, wenn auch regelmäßig Kunden kommen.“ Seiner Meinung nach seien die Bürger hier in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten.

Eine weitere Frage rückte die TV-Halle in den Vordergrund. „Was soll jetzt eigentlich mit der Halle passieren?“, fragte ein Bürger, während andere lautstark applaudierten. „Die Halle erfüllt einfach nicht die räumlichen Voraussetzungen, die wir brauchen“, so Ackermann. Mit dem Thema werde sich der Stadtrat aber erst noch intensiv befassen und „dann natürlich auch die Bürger über die Entscheidung informieren“.

Zum Abschluss lobte Bürgermeister Ackermann die Bürgerversammlung und das Engagement der Bürger: „Das war heute ein tolles Beispiel für Bürgerbeteiligung.“ Auch das Pilotprojekt sei ein Leuchtturm für die Stadt. „Damit wollen wir auch anderen Kommunen zeigen, wie es geht“, so Ackermann. „Natürlich gibt es viele Schwierigkeiten, aber wir nehmen die Herausforderung an.“