Alter Bahnhof Waldmünchen: Historischer Charme für Gastronomie und Wohnungen

Ein Gebäude, wie es prägender nicht sein kann – der Alte Bahnhof von Waldmünchen im Landkreis Cham ist zwar längst seiner Funktion beraubt, dennoch strahlt er weiter das aus, was er zum Ende des 19. Jahrhunderts für Waldmünchen bedeutete: Prosperität und Beständigkeit. Ohne die Eisenbahn hätte die Stadt nie die Bedeutung erlangt, die sie hatte und hat.
Das zeigt das Gebäude auch in seiner Architektur. Die großen Granitsteine – Zyklopensteine genannt – vermitteln die Wuchtigkeit eines Bauwerks, das noch in Jahrhunderten stehen soll. Die roten Backsteine darüber erzählen vom wirtschaftlichen Erfolg der Gründerzeit. In einem Beitrag der deutschen digitalen Bibliothek heißt es über die Verwendung von Backstein im 19. Jahrhundert: „Weit über traditionelle Verbreitungsräume hinaus werden Fabrik- und Bahnhofsgebäude aus rotem, unverputzten Backstein und Klinkern errichtet. (...) Backstein (...) wird zum architektonischen Grundstein der Industrialisierung.“

Kein Wunder also, dass der Waldmünchner Bahnhof in der Denkmalliste steht. Eher verwunderlich ist, dass ein baugleicher Bruder wie beispielsweise der Bahnhof in Bad Kötzting nicht in der Denkmalliste auftaucht.
Doch zum Waldmünchner Gebäude selbst: Von außen sieht die Sanierung des Bahnhofs schon weitgehend fertig aus. Backsteine und Granit erstrahlen frisch, das Dach ist neu gedeckt. Die auffälligste Arbeit an der Fassade sind aber die alten Sprossenfenster, die mit alten Beschlägen extra vom Schreiner gefertigt wurden. Die haben die sprossenlosen Vorgängerfenster, die irgendwann einmal in den Bahnhof eingebaut wurden, ersetzt. Architektin Yvonne Schrattenthaler merkt man an, wie sehr es sie freut, dass diese Kastenfenster trotz aller Vorschriften zur Dämmung eingesetzt wurden.
Wie heizt man ein Denkmal?

Und damit sind wir bei einem wesentlichen Punkt, warum die Sanierung von Herbst 2023 bis Mitte 2026 dauern wird. Es ist die Art der Heizung. „Das Heizungsthema haben wir lange und intensiv diskutiert“, sagt die Architektin. Bei dem stark geförderten Projekt sei dem Bauherren Dr. Manfred Griehl, dem auch das Marktgelände drum herum gehört, und ihr klar gewesen, dass nur eine regenerative Heizung in Frage komme. Dennoch sei man genau in die politische Umbruchsituation des Heizungsgesetzes gekommen.
Eine Wärmepumpe in einem Denkmal sei wegen der dafür nicht ausreichenden Dämmung nicht sinnvoll. „Für uns war die Frage, wie schaffen wir den Spagat zwischen Denkmalschutz und Gebäudeenergiegesetz.“ Letztlich sei es eine Pelletheizung geworden. In diesem speziellen Fall wäre für sie sogar eine Gasheizung denkbar gewesen, sagt Schrattenthaler.

Nur der Vollständigkeit halber: Gefördert wird der Umbau des Bahnhofs durch der Bezirk Oberpfalz, die Städtebauförderung, die Bayerische Landesstiftung, die Stadt Waldmünchen und das Landesamt für Denkmalpflege.
Das Erdgeschoss des Gebäudes wird ein kleine Gastronomie mit 30 bis 40 Sitzplätzen beherbergen. Man kann sich schon jetzt gut vorstellen, wie sich die bodentiefen Fenster-/Türelemente zum kleinen überdachten Vorplatz öffnen. Auch hier wird die Historie des Bahnhofs wiederzuerkennen sein: Mit den ursprünglichen Sitzbänken des Warteraums beispielsweise oder Teilen des alten – erstaunlich bunten – Fliesenbodens und Teilen der Wandbeläge. Vorsichtig weist Schrattenthaler darauf hin, dass sich bisher noch kein Interessent für die Räumlichkeiten gefunden hat.
Alte Eichenholztreppe

Ein Highlight des Gebäudes wird bestimmt die alte Eichenholztreppe. Der Teil von Erdgeschoss zum 1. Stock ist derzeit noch beim Schreiner, der morsche Stücke ersetzen muss. Vom Keller war im Laufe eines Jahrhunderts Feuchtigkeit ins Holz eingedrungen, erklärt Schrattenthaler. Die beiden Obergeschosse sind baugleiche Wohnungen, die für ihre Entstehungszeit sehr großzügig geschnitten waren. Sie enthalten auf rund 100 Quadratmetern drei gleich große Räume, Küche und zwei Sanitärräume.
„Ideal auch für Wohngemeinschaften von Studenten“, sagt Schrattenthaler. Immerhin liege der Bahnanschluss zum Campus in Cham direkt vor der Haustür. Die Räume sind selbst jetzt im trüben November durch die hohen alten Fenster lichtdurchflutet. Erhalten werden auch die alten Dielenböden. „Sowas kriegt man heute nicht mehr“, sagt Schrattenthaler. Isoliert und gedämmt werden die alten Böden jeweils an der Decke des darunterliegenden Raums. Das Feeling einer alten Bahnererwohnung wird durch die erhaltenen Wohnungstüren – teilweise mit den Originalbeschlägen – vervollständigt. Ein Denkmal – auch im Innenraum.

