Stadtwerke in Waldmünchen bald ohne eigene Ladesäulen?

Von Martin Hladik · 11. November 2025 um 19:00

Ausgesprochen aufschlussreich ist auch heuer wieder die Rechnungsprüfung bei den Stadtwerken. Nicht weil etwas schiefläuft, sondern weil der Bericht der Rechnungsprüfer auch einen guten Einblick in die Arbeit der Stadtwerke gibt.

Die Stadträte Anton Ruhland, Wolfgang Kürzinger und Alexander Schneider haben an zwei Tagen die Bücher die Stadtwerke durchgesehen und erneut festgestellt, dass „der Geschäftsleitung sowie dem gesamten Stadtwerke-Team für ihre wirtschaftliche und zukunftsorientierte Arbeitsweise ein besonderer Dank auszusprechen“ ist.

Höchstes Lob also, dennnoch wären Prüfer nicht Prüfer, wenn sich nicht auch Dinge fänden, die besser laufen könnten. Zwei dieser Anmerkungen betreffen Neuerungen im Energiebereich. Neben der wichtigen digitalen Aufrüstung des Netzes für Wallboxen und Wärmepumpen, sprechen die Prüfer die komplizierte Abrechnung von Ladekarten an den E-Ladesäulen der Stadtwerke an. Hier heißt es: „Nicht unerwähnt darf bleiben, dass die Abrechnungen der Ladekarten an den E-Ladesäulen nach wie vor einen hohen Aufwand erfordern.“ Eine praxisgerechte Software wäre dringend nötig. Das Problem ist nämliche große Vielfalt an Karten, die dann unterschiedlichste Gebühren für den Bezahlvorgang mit den Stadtwerken abrechnen lassen. Stadtwerkechef Stefan Höcherl sieht darin eine sehr große Bürokratie.

Ladesäulen verkaufen?

Im Gespräch wird aber deutlich, dass er sich gerade über eine gesetzliche Vorgabe ärgert. Ab dem 31. Dezember 2026 dürfen die Betreiber von kleineren Stromnetzen nicht die Betreiber von Ladepunkten sein. Der Paragraph 7 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) schreibt sogar vor: „Das Verbot des Entwickelns bedeutet hierbei, dass der Netzbetreiber nicht an Vorarbeiten zum Betrieb des Ladepunktes beteiligt sein darf, die über seine Verpflichtungen als Netzbetreiber hinausgehen.“ Das Verbot betrifft insbesondere die Planung, die Genehmigung, die Beschaffung und den Bau von Ladepunkten, heißt es auf der Seite Bundesnetzagentur. Hintergrund ist die Absicht der Entflechtung des Stromnetzes.

Allerdings dürften andere zu den Stadtwerken gehörende Unternehmen, oder Unternehmen, an denen die Stadtwerke beteiligt sind, diese Ladestationen betreiben. Höcherl vermutet jetzt, dass die Stadtwerke gezwungen sein werden, ihre Ladestation an ein anders Unternehmen zu übergeben, an dem sie wiederum beteiligt sind. Solche Poollösungen, deutet Höcherl an, gebe es auch schon in anderen Bereichen mit anderen Stadtwerken.

Was Höcherl ärgert ist allerdings die Tatsache, dass die Stadtwerke eine „sehr gute Abdeckung“ mit Ladesäulen in Waldmünchen geschaffen hätten und jetzt indirekt dafür bestraft würden. Wie gut die Abdeckung in Waldmünchen ist, zeigt ein simpler Blick auf eine der vielen Ladepunkte-Karten für E-Autos im Internet.

Ein ähnliches Problem spricht Höcherl auch beim Einbau von Smart Metern an. Das ist ein digitaler Stromzähler, der den Energieverbrauch in Echtzeit misst und die Daten automatisch über das Internet an den Netzbetreiber oder Stromlieferanten übermittelt. Laut der aktuellen Auswertung der Bundesnetzagentur zur Jahresmitte liegt die bundesweite Quote bei etwa 16,4?Prozent. Andere Staaten sind hier schon viel weiter. Ein wichtiges Problem bei dem Messsystem, das Daten senden und empfangen kann, ist dabei das immer noch schlechte Mobilfunknetz in der Region, sagt Höcherl. Zudem scheint der Stadtwerkechef schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. „Gerade in diesem Bereich gab es viele Änderungen. Am besten sind bisher die gefahren, die nichts gemacht haben.“

Mehr Wasser aus Tschechien

Erklärungsbedürftig ist eine weitere Darstellung der Rechnungsprüfer. So heißt es unter dem Punkt Wasserversorgung, dass die Stadtwerke ihre Abnahmemenge für Wasser aus tschechischen Quellen deutlich erhöhen. So betragen die Entnahmen nicht mehr 120 000 Kubikmeter, sondern erhöhen die Menge auf 200 000 Kubikmeter jährlich und vertraglich abgesichert bis Ende 2032. Dabei hatten die Stadtwerke doch eigene Tiefbrunnen mit einer guten Wasserschüttung gebaut. Höcherl erklärte die Erhöhung mit einer Veränderung der Vertragsgestaltung auf tschechischer Seite. Bisher habe man für die geplante Abnahmemenge (120 000) zahlen müssen, egal wie viel Wasser davon tatsächlich gebraucht wird. Künftig werde nach dem tatsächlich entnommen Wasser abgerechnet. Deswegen sei die höchstmögliche Entnahmemenge erhöht worden, weil man nur das bezahlen müsse, was man tatsächlich verbraucht.

Vorerst zurückgestellt wird die Idee, im AquaFit die Saunaanlage zu erweitern. Dies habe sich als nicht wirtschaftlich erwiesen. Dennoch bleibt das Freizeitbad ein Zuschussbetrieb. Jeder Badegast wird vom Landkreis Cham und der Stadt Waldmünchen mit gemeinsam mit rund 13,30 Euro bezuschusst.