Eilige CSU-Gründung vor 80 Jahren: Prominenz beim Ehrenabend des Ortsverbands in Waldmünchen

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs am 8. Mai 1945 wurde vier Monate später, am 12. September, die Christlich-Soziale Union Bayerns (CSU) gegründet. Danach versammelten sich in verschiedenen Orten politisch Interessierte mit dem Ziel, Ortsverbände zu etablieren, so auch in Waldmünchen am Freitag, 7. Dezember 1945.
Am Mittwoch wurde mit einem Ehrenabend im Gasthaus „Hotel Garni zum Schwan“ der 80. Geburtstag des Ortsverbands gefeiert, dort, wo sich schon die Gründungsväter versammelt hatten. Ortsvorsitzender Martin Frank hieß im voll besetzten Gastzimmer den Festredner, Bayerns Finanzminister Albert Füracker, Mitglieder, unter ihnen Ehrenbürger Josef Brückl, die Bürgermedaillenträger Elisabeth Ruhland und Arnold Lindner, den Bereichsvorsitzenden Stephan Thomas sowie die FU-Vorsitzende Elisabeth Hutterer willkommen.
In den acht Jahrzehnten gelebter Demokratie habe man gemeinsam viele Höhen und Tiefen durchschritten: „Wir lebten 45 Jahre am Eisernen Vorhang. Bereits seit 35 Jahren sind die Grenzen zu unserem böhmischen Nachbarn offen. Es sind echte Freundschaften entstanden, und unsere Region entwickelte sich äußerst positiv.“

In den Memoiren des Gründungsmitglieds Heinrich Eiber stehe geschrieben, dass der Gründungsakt des CSU-Ortsverbands notwendig wurde, weil für Ende Januar 1946 die Kommunalwahlen angesetzt waren. Zugelassen war nur, wer bis 7.12.1945 spätestens 12 Uhr das Protokoll über die Gründung einer politischen Partei bei der US-Militärregierung eingereicht hat. So schickte der damalige Kooperator Nagler an diesem Tag seinen Mesner und die Ministranten hauptsächlich zu den Leuten der ehemaligen Bayerischen Volkspartei mit der Bitte, bis 10 Uhr zum „Schwanawirt“ zu kommen. Die Gründung glückte mit etwa 25 Personen.
Gefährliche Kräfte am Werk
Martina Englhardt-Kopf, Parlamentarische Staatssekretärin, dankte sowohl den Gründern als auch denjenigen, die in den folgenden Jahrzehnten Verantwortung übernahmen. Ohne dieses gelebte Miteinander, ohne den Willen, vor Ort mitzugestalten, wären Stadt und Gesellschaft viel ärmer. Immer mehr Länder und Kräfte würden versuchen, Europa auseinanderzutreiben: „Es ist eine Herausforderung, es zu schaffen, dass unsere Systeme gut funktionieren. Dafür braucht es aktive Menschen und den Zusammenhalt der Generationen.“
Für den Kreisvorsitzenden und MdL Dr. Gerhard Hopp mache die CSU Mut mit konstruktiver Politik: „Wir halten zusammen, während andere spalten.“ Bei ihr stehe der Mensch im Mittelpunkt und nicht irgendeine Ideologie oder die verrückte Idee, dass es einer, der die Demokratie bekämpft, allein besser könne.
Bürgermeister Markus Ackermann richtete den Fokus auf die Kommune. Der Ortsverband sei die Urzelle in der CSU: „Unserer hat über Jahrzehnte mit großartigen Persönlichkeiten in einem aus der Mitte der Bevölkerung gewachsenen politischen Prozess unsere Heimat mitgestaltet.“ Aus eigener Erfahrung könne er bezeugen, dass in dieser Partei Zusammenhalt keine Worthülse sei. Ginge dieser verloren, gewännen Kräfte die Oberhand, „die wir alle nicht wollen.“
Franz Löffler, Landrat und Bezirkstagspräsident, blickte auf die Ereignisse von vor 80 Jahren zurück, als auch ein neuer Staat mit den vier Säulen christlich, sozial, föderalistisch und demokratisch auf den Weg gebracht wurde. Ihm seien zudem Leitplanken gesetzt worden: vor ihm die Familie, neben ihm die Kirchen, über ihm die Gesellschaft und hinter ihm die Partei. Dieses stabile Staatssystem habe zum Wohlstand beigetragen, der durch den Fleiß der Menschen entstand, aber die Rahmenbedingungen mussten funktionieren – und dazu habe die CSU an vielen Stellen beigetragen. In den schwierigen Zeiten heute gelte es einerseits, der Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen, andererseits aber zu wissen, dass die Ausgaben davonlaufen und man sparen, aber dennoch soziale Bereiche abdecken müsse: „Wir haben die letzten Jahre aus einem vollen Topf auch manchmal zu große Leistungen entwickelt und an manchen Stellen den Sozialstaat ein Stück weit übertrieben. Die Vollversorgungsmentalität kann nicht so weitergehen.“
Spitze beim Glasfaserausbau
Minister Füracker begann seine Rede mit dem zentralen Schlagwort, dass Krisen uns seit 2007 fest im Griff hätten. Trotzdem gebe es in der Demokratie Möglichkeiten, ihnen etwas entgegenzusetzen. Eine wirkliche, fast nicht zu bewältigende Krise für den Normalbürger habe es 1945 gegeben: „Wir leben auch jetzt nicht im Schlaraffenland und es gibt Probleme genug, aber in einem Staat, in dem wir sie selber mit angehen können, darf jeder sagen, was er will und kann mitentscheiden.“ Dazu brauche es politische Parteien. Die CSU sei seit Jahrzehnten die bestimmende Kraft. Sie mache Politik auf Basis des christlichen Menschenbildes und auch das „S“ im Parteinamen sei aktuell wie vor 80 Jahren.

Der Sozialstaat sei etwas Wunderbares, aber man müsse ihn neu justieren. Den Wert einer Zeit erkenne man an der Aussaat, nicht an der Ernte. Füracker erinnerte daran, dass der Landkreis Cham beim Glasfaserausbau der fortschrittlichste weit und breit sei, dass der Nachwuchs hinsichtlich der Bildung alle Chancen habe und dass die CSU die Partei der Kommunen und des ländlichen Raumes mit dessen Schatz sei: die Kultur selber zu machen. „Wir brauchen keine Sehnsucht nach dem starken Mann. Und wer uns einreden will, es gäbe für komplexeste Fragen einfache Antworten, sind die Rattenfänger der modernen Zeit.“
Frank überreichte Füracker einen Geschenkkorb mit Waldmünchner Schmankerln, ehe die Feier mit der Ehrung langjähriger Mitglieder endete.