Schwandorfs Polizeichef wechselt zur Kripo – Bald mehr Polizisten in der Stadt?

Bestimmt an 25 verschiedenen Schreibtischen saß Reiner Wiedenbauer (55) seit Oktober 1987 bei der Bayerischen Polizei. Bald schon kommt ein neuer Arbeitsplatz hinzu. Schwandorfs Polizeichef wechselt zur Kriminalpolizei Amberg. Der Abschied aus der Großen Kreisstadt kommt unerwartet, hat aber dennoch triftige Gründe.
Wie berichtet, hatte der Erste Polizeihauptkommissar am 1. November 2023 die Leitung der örtlichen Polizeiinspektion übernommen. Bei der Amtseinführung war die Freude groß, dass mit Wiedenbauer die verantwortungsvolle Stelle langfristig besetzt werden konnte. Und auch der neue Chef machte damals kein Geheimnis daraus, dass er in Schwandorf gerne einmal in Pension gehen würde. Kurzum: Wiedenbauer war gekommen, um zu bleiben. Wer fortan den „Donau 34/1“ anfunkte, sollte über Jahre dieselbe Stimme hören.
Der neue Polizeichef, der mit seiner Familie im Landkreis Amberg-Sulzbach lebt, war gleich ordentlich gefordert. Erst war er als Einsatzleiter bei den von der AfD organisierten Protestaktionen gegen die Corona-Maßnahmen präsent, dann sorgte er für Sicherheit bei den Bauern-Demos. Nicht wenigen Beobachtern ist Wiedenbauer dabei aufgefallen: als weitsichtiger und kommunikationsstarker Beamter.
Persönliche Gründe für den Abschied aus Schwandorf
Doch zwei Jahre später gibt es eine überraschende Entwicklung an der Spitze der PI Schwandorf. Der erfahrene Polizeibeamte tritt auf eigenen Wunsch eine neue Stelle bei der Kriminalpolizei Amberg an. Dort übernimmt er zum 1. Januar 2026 die Funktion als stellvertretender Inspektionsleiter. Es waren ausschließlich persönliche Gründe, die sein Versetzungsgesuch auslösten, sagt Wiedenbauer im MZ-Gespräch.
Der Beamte geht offen damit um, dass er nach einer Herzerkrankung im Frühjahr 2024 einfach mehr auf sich selbst achten muss. Als Vize-Chef in Amberg hofft er, Gesundheit und Beruf künftig besser unter einen Hut bringen zu können. Vielleicht sei dann auch mehr Zeit für Sport und Hobbys wie das Schreinern.
Ich gehe mit zwei weinenden Augen. Es war mir eine Ehre, der Schwandorfer Polizeichef zu sein.Reiner Wiedenbauer, Erster Polizeihauptkommissar
In Schwandorf seien die Arbeitstage zuletzt immer voller geworden, erklärt Wiedenbauer. Er sieht mehrere Herausforderungen, vor denen die örtliche Inspektion steht. Da wäre zum Beispiel die digitale Anzeigen- und Servicestelle (DAS), die gleich nebenan im Ämterzentrum einziehen wird und dienstaufsichtlich bei der Schwandorfer PI angegliedert sein soll. Los geht es bereits am 1. Januar mit zehn Beamten, sagt Wiedenbauer. In den kommenden Jahren sollen es gar 35 werden.

Dann wäre da das hohe Einsatzaufkommen im Dienststellengebiet. „Für die vielen Einsätze bräuchte es eigentlich mehr Polizisten in Schwandorf“, konstatiert der Erste Polizeihauptkommissar. Das sieht offenbar auch der Polizeipräsident so. In den kommenden Jahren soll der Personalstand sukzessive ausgebaut werden, weiß Wiedenbauer. Aus den aktuell 57 Köpfen bei der PI Schwandorf sollen mehr als 65 werden.
Schwandorfs Innenstadt steht im Fokus der Polizei
Als Einsatzschwerpunkt nennt der scheidende Polizeichef vor allem die Schwandorfer Innenstadt und den dortigen Publikumsverkehr. In den Parks und Parkgaragen würde man vor allem Jugendliche und sozial benachteiligte Menschen antreffen. „Hier sind oft polizeibekannte Personen unterwegs“, stellt der Erste Polizeihauptkommissar fest. Vor allem mit Polizeipräsenz könne man dieser Entwicklung begegnen. Wiedenbauer verweist hier beispielsweise auf die Zusammenarbeit zwischen Bundes- und Landespolizei rund um das Bahnhofsareal. „Es geht hier hauptsächlich um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“, sagt er. Denn einen echten Kriminalitätsschwerpunkt würde man in Schwandorf zum Glück vergeblich suchen.
Dem scheidenden Polizeichef ist um die Zukunft seiner bisherigen Dienststelle nicht bange. Die Beamten seien sehr jung und hochmotiviert. „Da sind richtig gute Leute dabei“, lobt der Chef seine Mitarbeiter. Seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger dürften viel Freude haben, ist er sich sicher. Noch steht nicht fest, wer künftig im Chefbüro der Polizei Schwandorf sitzen wird. Anfang Dezember sollte die Personalie fix sein, sagt der 55-Jährige. Immerhin: Mit dem 14. Januar steht bereits der Termin für die offizielle Amtseinführung fest.
Als Ermittler künftig bei schweren Straftaten vor Ort
Auch Reiner Wiedenbauer wird an dem Festakt teilnehmen, zu dem gewöhnlich auch die Spitze des Polizeipräsidiums Oberpfalz erscheint. Und überhaupt wird er die Große Kreisstadt weiter im Blick behalten – auch dienstlich. Denn als stellvertretender Chef der Kripo ist Wiedenbauer gleichzeitig auch der Leiter des Sachbereichs Einsatz. Bei schweren Straftaten wird er – dann als Erster Kriminalhauptkommissar und mit dem Funkrufnamen „Donau 92/2“ – selbst als Ermittler vor Ort sein.
Nun heißt es für den Polizeichef aber erst einmal, nach und nach Abschied zu nehmen. „Ich gehe mit zwei weinenden Augen. Es war mir eine Ehre, der Schwandorfer Polizeichef zu sein“, sagt Wiedenbauer.