Mit Hingabe zur eigenen Dirndl-Schürze: Nähkurs in Furth vermittelt Präzision und Tradition

Von Maria Bastek · 20. November 2025 um 13:00

Ein Stück gelebte Tradition ist am Mittwochabend in die Hammerschmiede in Furth im Wald zurückgekehrt. Fünf Damen trafen sich dort, um unter der Anleitung von Elfriede Brandl vom Bezirk Oberpfalz bei einem Trachten-Nähkurs eine Dirndl-Schürze anzufertigen. Der Bezirk ist für die Förderung der Vereine zuständig und engagiert sich seit vielen Jahren dafür, traditionelles Handwerk als Teil des immateriellen Kulturerbes zu bewahren.

Elfriede Brandl ist als Schneidemeisterin für Kultur- und Heimatpflege beim Bezirk angestellt. Neben der praktischen Vermittlung alter Fertigkeiten betreut sie auch die Archivierung von historischen Kleidungsstücken, Büchern und weiterem Kulturgut. Zudem hat der Bezirk eine eigene Broschüre mit Schnittmustern unter dem Titel „AllerGwand“ aufgelegt – ein wertvolles Nachschlagewerk, das Brandl künftig auch für weitere Nähkurse nutzen wird. Die Pastritztaler stellten unter der Leitung von Trachtenwartin Maria Kellner die Räumlichkeiten in der Hammerschmiede zur Verfügung. Dank dieses Engagements konnte der offene Kurs stattfinden. Durch die Unterstützung des Bezirks war er für alle Teilnehmerinnen kostenlos.

Die Kursbesucherinnen brachten ihre eigenen Stoffe, ihre Nähmaschinen sowie sämtliche Nähutensilien mit. Schritt für Schritt führte sie Brandl durch den komplexen Entstehungsprozess einer Dirndl-Schürze. Viele Arbeitsschritte sind nötig. Zunächst galt es, den passenden Stoff auszuwählen und das Design zu planen – abhängig von Muster, Farbe und dem gewünschten Schürzenstil.

Verschiedene Techniken

Zur Gestaltung standen unterschiedliche Techniken zur Verfügung, etwa Stiften, Falten oder Einreihen. Eine besondere Rolle spielte das traditionelle Stiftelband, das in vielen Trachtenvereinen bis heute gepflegt wird. Mit dieser Methode entstehen kleine, gleichmäßige Fältchen, die einer Schürze ihren typischen fein strukturierten Charakter verleihen. Beim Falten werden diese einzeln von der Mitte des Stoffes aus gelegt, fixiert und anschließend sorgfältig durchgenäht.

Nachdem das Faltbild festgelegt war, wurde der Bund vorbereitet und mit Vlies verstärkt, um Stabilität zu gewährleisten. Auch der seitliche Rand der Schürze wurde exakt eingefasst. Am Bund wurden anschließend die Bindebänder befestigt, die je nach Modevariante unterschiedlich ausfallen können. Klassisch wird ein langes Band zum Binden verwendet, das an der Taille zu einer Schleife geknotet wird. Besonders modern ist hingegen ein kurzes Band mit dekorativer Schließe, die sich vorn öffnen lässt und so das An- und Ausziehen ermöglicht. Die Bindebänder wurden verstürzt gearbeitet und fachgerecht am Bund angenäht, sodass sie stabil saßen und zugleich elegant wirkten. Der Saum wurde sorgfältig mit stabilen, gleichmäßigen Stichen vernäht und fachgerecht verarbeitet. So erhielt die Schürze einen sauberen Abschluss.

Trotz der anspruchsvollen handwerklichen Arbeit herrschte in dem traditionsreichen Raum der Hammerschmiede eine konzentrierte, zugleich aber fröhliche und gemeinschaftliche Atmosphäre.Am Ende des Kurses konnten die Teilnehmerinnen mit Stolz auf ihre fertig genähten oder weit vorangeschrittenen Dirndl-Schürzen blicken. Der Kurs zeigte, wie viel Hingabe, Präzision und Tradition in einem einzigen Trachtenstück steckt – und wie lebendig dieses Handwerk bleibt, wenn es in solch authentischer Umgebung weitergegeben wird.

Die Dirndl-Schürze mit feinem Stiftelband zeigt das kunstvolle Faltenbild des traditionellen Handwerks. - Foto: Maria Bastek

Am Christkindlmarkt

Ein Veranstaltungshinweis: Alle, die traditionelle Handwerkskunst und weihnachtliche Stimmung erleben möchten, sind eingeladen: Am 6. und 7. Dezember findet bei der Hammerschmiede der Christkindlmarkt der Pastritztaler statt. Geöffnet ist am Samstag, 6. Dezember, 16 bis 22 Uhr, am Sonntag, 7. Dezember, von 13 bis 18 Uhr. Ein kostenloser Shuttle-Service fährt am Samstag ab 15.30 Uhr alle 15 Minuten vom Möbelhaus Staudacher zur Hammerschmiede und am Sonntag ab 13 Uhr, ebenfalls im 15 Minuten-Takt. Die Rückfahrten finden ebenfalls alle 15 Minuten statt.