Bezahlbares Wohnen: Schafft Regensburg die Wende?

Die Stadt Regensburg entwickelt ab 2026 im Regensburger Norden ein großes Wohngebiet. Auf dem Areal der früheren Prinz-Ludwig-Kaserne entstehen schon Hunderte Wohnungen. Und der Wille zum einfacheren, schnellen Bauen ist da. Eine gut besuchte Debatte im Degginger schenkt Hoffnung.
Das Thema Wohnen brennt den Menschen auf den Nägeln. Schon die Besucherzahl bei der zweiten Regensburger Wohnbaukonferenz am Montag zeigte das. Im Nu füllte sich das Degginger. Eine ganze Reihe von Zuhörern musste stehen. „Gamechanger Wohnen“ nannte sich die Debatte, bei der es um die Entwicklung in der Stadt, um Fördergelder und günstiges, schnelles Bauen ging.
Bis 2040 müssen 22.000 Wohnungen gebaut werden
Die Veranstaltungsreihe, die Planungs- und Baureferent Florian Plajer angestoßen hat, macht Sinn. „Die Stadt ist sehr bemüht, dass wieder Neubauprojekte kommen“, sagte Markus Leberkern, Geschäftsführer der Wohnbau St. Wolfgang. „Sie beachtet uns Genossenschaften wieder. Aus dieser Situation heraus können wir in den nächsten Jahren erneut Mietwohnungen bauen.“ Leberkern plant ein Projekt in Kumpfmühl.
Wenige Zahlen von Plajer beleuchteten die Situation: Bis 2040 müssten etwa 22.000 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Das sind im Jahr beinahe 1500. Die Stadt wächst. Der gewünschte Wohnraum pro Person nimmt zu. Und in immer mehr Haushalten, derzeit über 54 Prozent, leben Singles.
Neuer Stadtteil im Norden
Bis vor wenigen Jahren wurde viel gebaut: Candis, Dörnbergviertel, Marina Quartier sind einige Beispiele. Dennoch sind bezahlbare Wohnungen seit langem knapp. Gegenwärtig spitzt sich die Lage zu, weil die Bautätigkeit wegen der Kostensteigerungen, eingeschränkter Fördermittel und der schwierigen wirtschaftlichen Lage enorm nachgelassen hat. Seit 2018 waren jedes Jahr weit über 1000 Wohnungen entstanden. 2024 sind es nur noch 425 gewesen, dabei lagen Baugenehmigungen für über 3200 Wohnungen vor. Investoren und private Bauherren zögern.

„Wohnen ist ein Grundbedürfnis“, sagte Florian Plajer. „Wer nicht gut wohnt, fühlt sich in unserer Gesellschaft nicht unterstützt und tendiert vielleicht dazu, Extreme zu wählen.“ Das Rezept dagegen: Die Stadtbau hat im Sommer auf dem Areal der früheren Prinz-Leopold-Kaserne mit dem Bau von Hunderten Wohnungen begonnen. Zugleich hat die Kommune vor, 2026 an der nordöstlichen Stadtgrenze zwischen dem Gewerbegebiet Haslbach und bereits verdichteter Bebauung weiter südlich 107 Hektar Bauland zu entwickeln. „Rahmenplan Regensburg Nord“ lautet der Arbeitstitel. Den Bauturbo des Bundes will die Stadt nutzen, um schneller nachzuverdichten und Gebäude umzubauen, Büros in Wohnungen zum Beispiel.
Referent Plajer forderte zur neuen Alternative zum Regensburger Baulandmodell (40-prozentige Sozialquote), Bauträger müssten vereinbarte Wohnungen auch ohne Förderung realisieren, sofern sie Baurecht aus einem Bebauungsplan erhalten und einen städtebaulichen Vertrag unterschrieben haben, also gegenseitiges Einverständnis zu den Konditionen bestand.
Für mehr Wohnraum muss nachverdichtet werden
OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer ging auf den Konferenztitel „Gamechanger Wohnen“ ein. Gemeint ist damit ein Wendepunkt. „Wir müssen gewohnte Pfade verlassen“, forderte sie. „Und genug Wohnungen für alle schaffen.“ Auch die Unternehmen aus dem Bausektor sollten davon leben können. Die Liste der Personen, die Wohnberechtigungsscheine beantragen, werde immer länger.
Annette Brunner, Vorständin der Bayerischen Architektenkammer, knüpfte hier an. „Der Gamechanger Wohnen ist Loslegen und einfacher Bauen.“ Das Einfamilienhaus ist zwar in Bayern die häufigste Form des Hausbesitzes. Doch für mehr Wohnraum muss nachverdichtet werden. Brunner schlug vor, auf Garagen zu bauen, Fabriken in Mehrfamilienhäuser umzuwandeln, Häuser aufzustocken oder anzubauen. Sie verwies auf den neuen Gebäudetyp E, der flexibleres und weniger normengebundenes Planen erlaubt. Zurzeit laufen Pilotprojekte.
Über die Mietwohnraumförderung sprach Oliver Seidel von der Regierung der Oberpfalz. In Regensburg stehen 1438 Wohnungen zur Förderung an, die sich auf rund 385 Millionen Euro summiert.
„Das ist ja ein Witz!“
627 dieser Apartments betreffen laufende Bauland-Entwicklungen, 112 zählen zu weiteren Projekten, bei denen die Regierung berät. Für 304 Wohnungen liegen Förderanträge vor und bei 395 wurde bereits zugestimmt. Der Fachmann erwartet bei der Mietwohnraumförderung des Bundes keine Reduzierung. Die schlechte Nachricht: Die Auszahlungsbedingungen ändern sich. „Es dauert länger“, sagte Seidel. Aus dem Publikum hörte man den Ausruf: „Das ist ja ein Witz!“ Regensburg schreibt bei größeren Baugebieten eine 40-prozentige Sozialquote vor. Nach Berechnung Seidels müssten 400 bis 640 bezahlbare Neubauwohnungen pro Jahr in Regensburg gefördert werden, um die Situation zu entspannen. „Wir sind bei 151.“
Markus Leberkern lobte die Wohnbaukonferenz. Es sei wichtig, das Bauen zu vereinfachen. „Alle Normen müssen auf den Prüfstand.“