Bargeldloser Ticketkauf: Stadtwerk erklärt schwarze Bezahl-Displays in Regensburger Bussen

Schwarzes Display, ein Aufkleber erklärt: „Außer Betrieb“. Legt die ohnehin kritisierte Umstellung auf rein bargeldlosen Ticketkauf in Regensburger Bussen einen Stotterstart mit defekten Bezahl-Automaten hin? Nein, sagt Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk. Er erläutert die Hintergründe der nicht nutzbaren Kästchen.
Flüssiger soll der Busverkehr fließen, wenn die Busfahrer nicht mehr damit aufgehalten werden, Fahrkarten zu verkaufen. Das ist eines der Hauptargumente des Stadtwerks für die Umstellung auf ausschließlich bargeldlose Bezahlung von Tickets an digitalen Terminals in Bussen.
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Es liegt weder Ausfall noch Defekt vor
Mancher Fahrgast vermutet nun aber einen Stotterstart auf dem Weg zu flüssigerer Fahrt. In einigen Bussen sind die digitalen Bezahl-Kasterl zwar installiert, doch die Bildschirme sind schwarz. „Außer Betrieb“ lautet die karge Erklärung per Aufkleber. „Schön, dass man jetzt kostenlos Bus fahren darf“, schreibt ein Fahrgast mit einer gehörigen Prise Sarkasmus. Er sei in fünf Bussen gefahren, beim Fahrer könne man kein Ticket mehr kaufen und die bargeldlosen Automaten funktionieren alle nicht, ärgert er sich. Doch laut Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk liegt weder ein Ausfall noch ein Defekt vor.
Die Fahrgäste haben sehr wahrscheinlich eingebaute Geräte gesehen, die eben noch nicht eingeschaltet warenMartin Gottschalk, Stadtwerk-Sprecher
Aktuell befindet sich das System im Übergang von der Testphase in den flächendeckenden Betrieb. In manchen Bussen seien Bezahl-Automaten schon installiert worden, die aber noch nicht aktiviert waren, erläutert Gottschalk. „Die Fahrgäste haben sehr wahrscheinlich eingebaute Geräte gesehen, die eben noch nicht eingeschaltet waren.“
Mit aktivierten Geräten habe es bisher keinerlei Probleme gegeben. „Die Testphase war also dahingehend ein voller Erfolg, weil wir einen sehr stabilen Betrieb gesehen haben.“ Sollte künftig tatsächlich eines der Geräte defekt sein, sollen Fahrgäste die Störung beim Fahrpersonal melden, teilt Gottschalk mit. „Damit ist auch im Fall einer Kontrolle gewährleistet, dass es keine Sanktionierung gibt.“
Die Hälfte der Busflotte ist umgestellt
Seit Ende Oktober wird die gesamte Stadtbusflotte nach und nach auf ausschließlich bargeldloses Bezahlen umgestellt. „Aktuell sind 50 Prozent unserer Busse – gut 60 Stück – mit den entsprechenden Automaten ausgerüstet“, sagt Gottschalk.
Doch auch wenn die Automaten funktionieren, sind nicht alle von der Systemumstellung überzeugt. Gerade Seniorenvertreter hegen Zweifel. „Meist sind ältere Menschen mit der modernen Technik überfordert“, sagt Rosita Schottenloher, 60-plus-Vertreterin des SPD-Stadtverbands zur Bezahlung im Bus mit Karte oder Smartphone. „Solche neumodischen Dinge hat eben nicht jeder ältere Mensch und so eine Umstellung kann und will nicht jeder mitmachen.“ Damit auch in Zukunft die älteren Mitbürger nicht abgehängt werden, müsse es noch weitere Alternativen für die Bezahlung geben, fordert sie.
Es gibt ja noch Vorverkaufsstellen. Da muss man halt ein bisschen planen. Ich glaube, das ist Senioren auch zuzumuten.Michael Lehner, CSU-Fraktionsvorsitzender
Auch Seniorenbeiratsvorsitzender Klaus Steiner regte zuletzt ein komplett anderes Abrechnungssystem an, bei dem man sich bei Ein- und Ausstieg an- und abmeldet und nur die tatsächlich zurückgelegte Strecke bezahlt. Allerdings würde auch ein solches System digital funktionieren. Auf einen Kilometertarif pocht auch CSU-Fraktionsvorsitzender Michael Lehner. Er nennt die Bezahlumstellung in Bussen eine „blöde Geschichte“. Denn einerseits kann er die Sorgen von Senioren nachvollziehen, nicht mehr mitzukommen, andererseits sagt er: „Es gibt ja noch Vorverkaufsstellen. Da muss man halt ein bisschen planen. Ich glaube, das ist Senioren auch zuzumuten.“
Erleichterung hinterm Steuer
Fragt man nach bei Daniel Gaittet, Fraktionsvorsitzender der Grünen, Alexander Irmisch, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands, oder Brücke-Stadtrat Florian Rottke drücken sie durch die Bank zunächst ihr Verständnis für die Ängste vor ungewohnten Bezahlvorgängen älterer Fahrgäste aus. Bei allen folgt dann das große „Aber“. Dass man nicht mehr bei Busfahrern mit Münzgeld eine Fahrkarte lösen kann, sei nun mal „ein notwendiger Teil der Beschleunigung des Busverkehrs“, wie Rottke sagt. Zu vielen Kaufvorgängen im Bus selbst sei es ohnehin nicht mehr gekommen, die würden allerdings den ganzen Betrieb verlangsamen.

Rottkes Kiosk am Neupfarrplatz fungiert als einer von 30 Fahrkartenschalter im Stadtgebiet. Etwa 150 RVV-Tickets verkauft er im Monat, davon sind 90 Streifentickets. Nun hat das Stadtwerk zudem eine Prepaid-Karte eingeführt, die man an den Vorverkaufsstellen mit Bargeld aufladen kann. Alternativen – etwa auch für Kinder – existieren also. „Ich habe schon den Eindruck, dass sich das Stadtwerk bemüht hat, das möglichst verträglich zu gestalten“, sagt Gaittet. Die Umstellung hält er insgesamt für „richtig und wichtig“.
Dass viele Senioren nicht mit Handys umgehen können, ist auch eine Unterstellung.Alexander Irmisch, Vorsitzender des SPD-Stadtverbands
Irmisch beteuert, Kritik ernst genommen und mit vielen Senioren das Gespräch gesucht zu haben. Dabei habe sich ein anderes Bild ergeben: „Die verstehen die ganze Aufregung nicht.“ Die meisten hätten den Stadtpass oder Monatskarten, die betreffe die Bezahl-Umstellung gar nicht. Wäre es ein großes Problem, hätte man nachsteuern können. Doch ein solches sieht Irmisch nicht. Denn: „Dass viele Senioren nicht mit Handys umgehen können, ist auch eine Unterstellung.“