Die tägliche Zumutung auf den Bahnsteigen in Maxhütte-Haidhof und Regensburg

Von Thomas Rieke · 18. November 2025 um 19:00

Es gibt viele, gute Gründe, die dafür sprechen, als Berufspendler vom privaten Auto auf den Öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Doch nicht jeder macht damit positive Erfahrungen, wie ein aktuelles Beispiel aus dem Städtedreieck zeigt.

Video ansehen

Der Teublitzer Helmut Hofrichter arbeitet seit über 30 Jahren für ein börsennotiertes Unternehmen in Regensburg. Die längste Zeit bewältigte er die Strecke hin und zurück mit seinem eigenen Wagen. Als aber vor wenigen Jahren das Neun-Euro-Ticket eingeführt wurde, dachte er sich: Ein Umstieg auf Bahn und Bus ist zumindest einen Versuch wert. Auch wenn sich die Fahrzeit dadurch fast verdoppelte – Hofrichter versprach sich einen entspannenden Effekt.

Tatsächlich zog der 61-Jährige bald eine eher positive Bilanz. Über die eine oder andere Verspätung wollte er nicht meckern; Dank Gleitzeit in seiner Firma ließ sie sich auch problemlos kompensieren. Und auch die Tatsache, dass sich der Ticketpreis mittlerweile vervielfacht hat, nahm er klaglos hin.

Vergangene Woche jedoch spitzte sich die Lage an den Bahnsteigen in Regensburg und Maxhütte so zu, dass sich Hofrichter entschied, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Grenze des Zumutbaren war überschritten.

Nerviges Warten in ungemütlicher Atmosphäre

Kurz zusammengefasst: An drei von vier Tagen kam es sowohl morgens als auch am späten Nachmittag zu Verspätungen der Länderbahn-Züge, jeweils von bis zu einer halben Stunde. In einem Fall kam der angesagte Zug gar nicht. Das Ärgste aber: die Ungewissheit. Laut Hofrichter warteten zahlreiche Passagiere bei sehr ungemütlichen äußeren Bedingungen vergeblich auf irgendeine handfeste Information.

Von einer Ausnahme abgesehen, wurde weder an den Anzeigetafeln am Bahnsteig, noch via Bahn-App mitgeteilt, wie viel Geduld gefordert sein würde – geschweige was der Anlass für die Verspätung war. Am Mittwoch, 12. November, als in Maxhütte auch nach über einer Stunde kein Zug einrollte, sank die Stimmung unter den Wartenden auf den Tiefpunkt, berichtet Hofstetter. Ein Mann habe lautstark über „die Bahn“ geflucht. Andere zogen sich nach und nach zurück, um mit dem eigenen Auto vielleicht doch noch rechtzeitig zur Arbeit zu kommen.

Vergangene Woche am Regensburger Bahnhof: In einem Zeitfenster von nur 36 Minuten haben fünf Züge Verspätung. Immerhin gab es dazu eine Info. - Foto: Helmut Hofrichter

Ins Bild der offensichtlich unzureichenden Kommunikation passt Folgendes: Nur per Zufall erfuhr Hofrichter, dass die Bahnstrecke wenige Wochen nach der angekündigten umfangreichen Instandsetzungsarbeiten im Oktober erneut für mehrere Wochen gesperrt werden sollte. Da hatte der 61-Jährige sein Deutschlandticket für diesen Monat schon erworben.

Zur Erinnerung: Die Bahnstrecke ist noch immer nicht elektrifiziert. Erste Vorarbeiten wurden aber heuer erledigt

Der Teublitzer versuchte, eine Entschädigung zu bekommen, doch die Bahn blockte ab. Im vorliegenden Fall sehe das System keine „finanzielle Kompensation“ vor. Die Baustelle sei erneut eingerichtet worden, weil man die Arbeiten vorher mit Rücksicht auf das Oktoberfest unterbrochen habe, heißt es in einer Mail.

Darüber hinaus beteuerte eine Bahnsprecherin gegenüber der MZ, die Sanierungsmaßnahmen zwischen Regensburg und Weiden seien nicht nur lange geplant, sondern sehr wohl auch rechtzeitig mitgeteilt worden – auf verschiedenen Kanälen und bis ins Detail.

Leitstellen der Unternehmen sind in der Pflicht

Zurück zu den verspäteten Zügen vergangene Woche: Die Redaktion hat versucht, die Ursachen zu ergründen – und vor allem zu klären, weshalb man die Wartenden regelmäßig im Ungewissen ließ.

Das Ergebnis: Die Länderbahn reagierte auf eine entsprechende Anfrage bis Dienstag überhaupt nicht. Seitens der Deutschen Bahn bestätigte eine Sprecherin zwar, die DB-Tochter Infrago sei grundsätzlich für die Information der Reisenden zuständig, egal welches Eisenbahnverkehrsunternehmen sich eine Verspätung leiste. Doch sei man dabei darauf angewiesen, dass die Leitstellen ihre Daten „rechtzeitig und korrekt eingeben“.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Zustand wichtiger Brücken in Burglengenfeld ist teils besser als erwartet

Nur wenn Verspätungen, Gleiswechsel oder sonstige Störungen zeitnah in die zentralen Systeme gemeldet würden, könnten diese Infos automatisch in die digitalen Anzeigesysteme an den Bahnhöfen sowie in den DB-Navigator und andere Auskunftsmedien übernommen werden. Und nur so sei sichergestellt, dass Reisende genau über den aktuellen Stand Bescheid wüssten.

Helmut Hofrichter nahm’s zur Kenntnis und hofft, dass sich der Bahnbetrieb bald wieder so einpendelt, dass alle damit leben können. Er ist sich bewusst, dass es auch auf der Straße immer schwieriger wird, ohne Verspätungen ans Ziel zu kommen.

Aktuelles Beispiel: Als Hofrichter am vergangenen Donnerstag gegen 16.45 Uhr in Maxhütte-Haidhof fast pünktlich aus dem Zug kletterte, standen auf der A93 in Richtung Hof Hunderte von Verkehrsteilnehmern im Stau. Nach Auskunft der Autobahnpolizei war im Baustellenbereich zwischen Ponholz und Teublitz ein Fahrzeug wegen einer Panne liegengeblieben. Bis es geborgen war und der Verkehr wieder rollte, dauerte es genau eine Stunde.

Die Fahrgastzahlen steigen deutlich

Situation: Marode Infrastruktur hin, Verspätungen her: Immer mehr Menschen nutzen trotzdem die Bahn auf der Strecke Regensburg- Schwandorf. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) lieferte dazu eindrucksvolle Zahlen. Wurden auf der genannten Linie im Jahr 2022 täglich im Schnitt 6720 Fahrgäste gezählt, so waren es 2023 am Tag rund 7800 Fahrgäste und 2024 bereits 9042.