Marode Gerberei in Bruck: Landkreis Schwandorf handelt wegen Einsturzgefahr

Um die ehemalige Gerberei Lippert in Bruck ranken sich einige kuriose Geschichten. So erzählte man sich im Ort früher, dass auf dem seit Jahrzehnten leerstehenden Gelände der Milzbranderreger im Boden sitzen könnte, weil hier einst Tierhäute aus Afrika verarbeitet worden sein sollen. Jetzt beschäftigt das marode Anwesen den Landkreis Schwandorf: Für 63.000 Euro lässt er hier Sicherungsmaßnahmen durchführen.
Wie lang die beiden Gebäude in der Gänsbergstraße 5 und 7 schon leer stehen bzw. wann sie errichtet wurden, lässt sich schwer nachvollziehen. Im Gemeindearchiv ist allerdings hinterlegt, dass der Rothgerber Nicolaus Lippert im Jahr 1840 ein Heimat- und Konzessionsgesuch in Bruck eingereicht hat. 1865 wurde er in die Gewerbeliste eingetragen. Darüber hinaus ist im Archiv ein Eintrag zu finden, dass im Juli 1956 ein Gerbereimeister verstorben sei – und dessen Nachfolger in den 1960er Jahren ebenfalls. Damit, so scheint es, ging auch die Geschichte der Gerberei in Bruck zu Ende.
Seit langer Zeit ist das Anwesen in Bruck unbewohnt
Doch nun tauchte das Anwesen auf der Tagesordnung des Kreisausschusses auf – und bei der Sitzung wurde eine Eilentscheidung bekannt gegeben, mit der der Landkreis auf dem Grundstück für Sicherheit sorgen will. Die beiden Gebäude seien „seit langer Zeit unbewohnt und teilweise stark einsturzgefährdet“, heißt es von Seiten des Landratsamts. Man habe eine Verschlechterung des Gebäudezustands festgestellt, was sich durch statische Untersuchungen auch bestätigt habe, erklärte Pressesprecher Manuel Lischka auf Nachfrage der Mittelbayerischen.
Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Schwandorfer Landratsamts dadurch, dass Gebäudeteile an öffentliche Verkehrsflächen angrenzen und teilweise offen zugänglich seien. Außerdem befinden sich laut Kreisverwaltung lose Materialien auf den Gebäuden, die bei Unwetter auf öffentliche Verkehrsflächen verteilt werden könnten.
Landratsamt sieht sich zu Sicherungsmaßnahmen gezwungen
Die Eigentümerin sei „trotz mehrmaliger Aufforderung ihrer Instandhaltungspflicht nicht nachgekommen“. Deshalb habe der Landkreis bereits im März 2024 eine statische Nachprüfung in Auftrag gegeben, die die Einsturzgefahr von Gebäudeteilen bestätigt und Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Standsicherheit aufgezeigt habe. Nachdem die Eigentümerin der darauffolgenden Aufforderung zur Erfüllung dieser Maßnahmen abermals nicht nachgekommen sei, sah sich das Landratsamt „aufgrund der konkreten Gefahr“ gezwungen, Notsicherungsmaßnahmen im Rahmen der sogenannten Ersatzvornahme einzuleiten.
Man weiß einfach nicht, was im Boden ist. Wir haben damals deshalb das Kaufinteresse verloren, weil wir nicht die Katze im Sack kaufen könnenHeike Faltermeier, Bürgermeisterin
Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) kennt die Probleme rund um die alte Gerberei. Es habe immer wieder Beschwerden von Nachbarn über den Zustand des Gebäudes gegeben, das ziemlich überwuchert sei. Bislang habe die Eigentümerin auf solche Beschwerden aber nicht reagiert. Faltermeier erinnert sich noch gut daran, dass das Anwesen bereits etliche Jahre vor ihrer Wahl zur Bürgermeisterin 2020 den Marktrat beschäftigt hatte. Damals habe man überlegt, das Grundstück zu kaufen.
Guter Standort für neue Wohnhäuser
Allerdings habe man sich Sorgen gemacht, dass der Boden mit Chemikalien, die in der Gerberei früher zum Einsatz kamen, belastet sein könnte, so Faltermeier. Bodenproben seien damals wegen der Einsturzgefahr auf dem Areal nicht genommen worden. „Man weiß einfach nicht, was im Boden ist. Wir haben damals deshalb das Kaufinteresse verloren, weil wir nicht die Katze im Sack kaufen können“, sagt Faltermeier.
Grundsätzlich fände die Rathauschefin das Gelände aber interessant – wenn es ein Gutachten gäbe, das belegt, dass der Boden nicht kontaminiert ist. In dem Fall könnte sie sich vorstellen, dass der Markt Bruck das Gelände kauft. Schließlich sei die Lage gut – und ein geeigneter Standort für neue Bauparzellen.
Ehemalige Gerberei Lippert in Bruck: Giebelseite verankern
Doch davon ist man derzeit noch weit entfernt. Zunächst geht es dem Landratsamt darum, die Sicherheit auf den unmittelbar angrenzenden öffentlichen Grundstücken herzustellen: Lose aufliegende Dachziegel müssen entfernt und zwei Kamine rückgebaut werden. Die Überdachung des Innenhofs wird abgebaut, Holzfensterläden müssen entfernt werden. Außerdem sind eine Rückverankerung der nördlichen Giebelseite und die Aussteifung des Dachstuhls nötig.
Das Vergabeverfahren wurde bereits durchgeführt. Lediglich das Bauunternehmen Hampel hat laut Landratsamt ein Angebot für die Sofortmaßnahme in Höhe von rund 37 600 Euro abgegeben. Dazu kämen noch Leistungen des Ingenieurbüros Lintl für Planleistungen, die Erstellung des Leistungsverzeichnisses, Baubegleitung und Dokumentation in Höhe von rund 23 200 Euro brutto. In Summe bedeutet das für den Landkreis Ausgaben in Höhe von rund 63 000 Euro.
Wie groß die Chancen sind, dass der Landkreis sich diese Kosten von der Eigentümerin zurückholen kann, ist derzeit schwer zu sagen. Man gehe in Vorleistung und versuche natürlich, die Kosten der Eigentümerin in Rechnung zu stellen – sofern diese zahlungsfähig sei.