Diskussion um Rewe in Bruck: Grüne kritisieren Standort und bezweifeln Notwendigkeit

Von Renate Ahrens · 15. November 2025 um 19:00

Die geplante Ansiedlung eines Rewe-Markts in Bruck im Landkreis Schwandorf sorgt schon seit Jahren für Diskussionen – sowohl unter Bürgern als auch in der Kommunalpolitik. Nun heizten die Grünen die Diskussion bei einer Veranstaltung an. Es gebe keinen Bedarf.

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Der Ortsverband der Grünen wehrt sich weiterhin vehement gegen den geplanten Standort an der Schöngraser Straße – nicht gegen den Supermarkt an sich, wie Marktrat Rudi Sommer bei einer Veranstaltung der Grünen zum Thema „Ökologische und ökonomische Auswirkungen der Rewe-Pläne“ betonte, zu der alle Bürger eingeladen waren. Ein Bedarf für einen neuen Rewe sei allerdings nicht nachweisbar und auch die Bevölkerung wachse nicht.

Bei einer Unterschriftenaktion im Jahr 2021 waren rund 600 Stimmen gegen das Projekt gesammelt worden, beim Bürgerbegehren 2022 stimmten jedoch 62,5 Prozent für die Ansiedlung. Auch die Entscheidungen im Marktgemeinderat fielen bislang stets knapp aus. In der Oktober-Sitzung wurden der Vorentwurf des Bebauungsplans sowie die Änderung des Flächennutzungsplans mit zehn zu sieben Stimmen gebilligt.

Das Interesse am Thema war bei der Veranstaltung der Grünen groß: Der Gasthof Zur Post war mit Bürgern aus vielen Ortsteilen gut gefüllt, die Diskussion verlief lebhaft, aber sachlich. Die Empörung vieler Bürger war dabei deutlich spürbar – sämtliche Wortmeldungen sprachen sich gegen den Standort aus. Evi Glöckl (55) aus Mögendorf befürchtet eine Zunahme des Verkehrsaufkommens. „Wir haben Angst, dass es nicht bei dem Supermarkt bleibt, sondern sich dort weitere Geschäfte ansiedeln“, sagte sie. Schon jetzt seien – anders als anfangs geplant – zusätzliche Läden wie ein Getränkemarkt, ein Non-Food-Discounter oder ein Imbiss vorgesehen.

Bürger sorgen sich um den bestehenden Edeka

„Wir wohnen 300 Meter vom Edeka-Markt in Bodenwöhr entfernt – wir brauchen keinen weiteren Supermarkt“, ergänzte Petra Käsbauer aus Mögendorf. „Wenn die Touristen in Bodenwöhr künftig alle zum Rewe fahren, muss der Edeka schließen“, befürchtet sie.

Einigkeit herrschte unter den Anwesenden darüber, dass der Standort „denkbar ungünstig“ sei – auch wegen der derzeitigen und geplanten Verkehrsführung. „Wir wollen heimische Geschäfte unterstützen“, erklärte Erika Meier aus Schöngras. „Jeder im Dorf hat ein Auto. Wir brauchen keinen Supermarkt an dieser Stelle.“ Gregor Baumann (27) stimmte zu: „Norma, Edeka, Netto – das reicht im näheren Umfeld völlig aus.“

Manfred Pfauntsch (l.) und Rudi Sommer von den Grünen stellten sich den Fragen der Bürger. - Foto: Renate Ahrens

Nun befinde sich das Projekt in der „entscheidenden Phase“ des Genehmigungsverfahrens, erklärten Rudi Sommer und Manfred Pfauntsch von den Grünen. Sie erläuterten ausführlich die Gründe, die aus ihrer Sicht gegen den Standort sprechen. Insgesamt seien von einem vom Investor beauftragten Gutachter neun mögliche Standorte geprüft worden. Als am geeignetsten sei der Standort in der Schöngraser Straße empfohlen worden – was, wie eine E-Mail belege, von der Regierung der Oberpfalz bestätigt wurde und laut Sommer „unerklärlich“ sei. „Bestehende Leerstände wurden dabei gar nicht berücksichtigt“, kritisierte Pfauntsch. „Davon gibt es in Bruck genug – so ließe sich eine Neuversiegelung von rund 10.000 Quadratmetern vermeiden.“

Im Gemeinderat wurde so oft abgestimmt, bis das Ergebnis gepasst hat.Manfred Pfauntsch, Marktrat der Grünen

Als mögliche Alternative nennen die Grünen das Areal neben dem Netto-Markt. Der Investor argumentiere, dort sei die Erschließung nicht gegeben. „Diese Hürden könnte man überwinden“, sind die Grünen überzeugt. Zudem gebe es dort bereits eine Bushaltestelle und einen Fahrradweg. „Es existieren etliche Gewerbeflächen, die ebenfalls geeignet wären“, fügte Gertrud Kühnle hinzu.

Ein Standortentwicklungskonzept aus dem Jahr 2009 empfehle, den Ortskern zu stärken und die Nachbarorte Bruck und Bodenwöhr gemeinsam zu betrachten. Landwirtschaftliche Flächen – sogenannte Tabuzonen – sollten demnach nicht bebaut werden. „All das wird jetzt umgangen“, so die Kritik der Ortsgruppe von Bündnis90/Die Grünen. „Es würde eine riesige Halle mit zehn Metern Höhe entstehen“, warnte Pfauntsch.

Das schwerwiegendste Argument gegen den Standort sei aus ihrer Sicht jedoch der Verkehr. „Es ist eine fatale Fehleinschätzung zu glauben, das hätte keine Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit“, betonte Kühnle, und viele Anwesende stimmten ihr zu. Unverständnis herrsche über die geplante Verkehrsführung, nach der von Hoffeld kommend, also gegenüber des Standorts, nur rechts abgebogen werden dürfe. Ein Kreisverkehr solle nun geprüft werden, hatte man im Gemeinderat beschlossen.

Noch bis 24. November eine Stellungnahme abgeben

Noch bestehe die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Projekt einzubringen, erinnerte Sommer: Bis zum 24. November können Bürger Stellungnahmen abgeben, und an dem Abend kündigten viele an, das nun auch zu tun.

Grundsätzlich hätten sich die Grünen mehr Bürgerbeteiligung seitens der Gemeinde gewünscht, sagte Kühnle. „Das ist unverantwortlich.“ Die Baupläne, über die beim Bürgerbegehren 2022 abgestimmt wurde, seien inzwischen überholt. „Die Bürger, die es jetzt betrifft, wurden gar nicht mehr gefragt.“ Die Vorentwürfe der Pläne liegen noch bis 24. November im Rathaus zur Einsicht aus. Danach endet die Einwendungsfrist.