Skepsis im Landkreis Schwandorf über geplante Führerschein-Reform

Von Bernd Hofmann · 2. November 2025 um 19:00

Kaum etwas gehört so sehr zum Erwachsenwerden dazu wie der eigene Führerschein. Aber dieser ist teuer: Im Schnitt kostet der Führerschein in Deutschland um die 3400 Euro, in manchen Regionen sogar noch mehr, wie das Bundesverkehrsministerium vorrechnet. Das soll sich ändern. Doch die Reform kommt bei den Fahrschulen im Landkreis Schwandorf weniger gut an.

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Um die Fahrerlaubnis günstiger zu machen, veröffentlichte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kürzlich ein Eckpunktepapier mit Reformvorschlägen für die Fahrschulausbildung. Freude kommt darüber bei den hiesigen Fahrschulen nicht auf.

Keine Präsenzpflicht im Theorieunterricht geplant

Thomas Schwarz von Fahrschule Schwarz in Bruck ist grundsätzlich skeptisch, was die Vorschläge des Bundesverkehrsministers angeht. Einer der Eckpunkte der Reform ist die Abschaffung der Präsenzpflicht im Theorieunterricht. Fahrschulen sollen zukünftig selbst entscheiden, ob sie die Stunden digital oder eben direkt vor Ort halten.

Schwarz ist sich nicht sicher, ob das funktionieren kann. Viele seiner Fahrschüler werden schon beim Lernen in der App leicht durch Benachrichtigungen auf ihren Geräten abgelenkt, erzählt er. Ähnliche Erfahrungen habe man bereits in der Zeit der Corona-Pandemie gemacht.

Neben dem theoretischen Teil soll auch die praktische Ausbildung erneuert werden: Fahrsimulatoren sollen mehr eingebunden werden, zum Beispiel, um Sonderfahrten digital durchzuführen. Die Fahrschule Schwarz hat so einen Simulator jedoch nicht. Warum? Es rentiere sich nicht, sagt Schwarz. Man bräuchte grundsätzlich zwei, die dann monatliche Kosten von rund 1500 Euro pro Stück hätten. „Das kostet uns genau so viel wie ein Auto“, so Schwarz.

Fahrsimulator würde 40.000 Euro kosten

Auch Wolfgang Reiter von der Fahrschule Reiter in Burglengenfeld kennt dieses Problem: Die Anschaffung eines Fahrsimulators koste inzwischen rund 40.000 Euro. „Ich bin überhaupt kein Freund vom Simulator“, so Reiter. Viele Fahrschulen würden ihre Schüler ohne einen Lehrer, der Rückmeldung geben kann, vor die Simulatoren setzen. „Die Schüler zahlen fürs Computerspielen“, sagt Reiter.

Man könnte die Mehrwertsteuer auf Fahrstunden entfernen. Das stand auch einmal im Raum.Wolfgang Reiter, Inhaber der Fahrschule Reiter in Burglengenfeld

Ein weiterer Vorschlag ist die verpflichtende Veröffentlichung von Durchfallquoten und den Kosten der Fahrschulen. Für Reiter sind öffentliche Kosten nichts Neues. „Seitdem wir die Internetseite haben, sind die Preise öffentlich“, erklärt er. Bei der Durchfallquote befinde man sich beim Bundesdurchschnitt. Er hat einen eigenen Vorschlag, wie man den Führerschein günstiger mache kann.

„Man könnte die Mehrwertsteuer auf Fahrstunden entfernen. Das stand auch einmal im Raum“, weiß er. So könne man den Schein rund 600 Euro billiger machen.

Fahrschüler brauchen heutzutage mehr Fahrstunden

Andreas Friedrich von der gleichnamigen Fahrschule in Schwandorf sieht ein langfristiges Problem bei den Fahrschülern: „Das Problem ist nicht der Preis der Fahrstunde an sich, sondern, dass die Leute sich nicht mehr so leicht mit dem Lernen tun, oder die Lust verlieren. Gehen wir 15 Jahre zurück, braucht man 50 Prozent mehr Fahrstunden.“ Damit meine er nur die Grundstunden. „Wo man heute 30 Übungsstunden plus die zwölf Sonderfahrten braucht, hat man 2008/09 nur 25 Fahrstunden inklusive der Sonderfahrten gebraucht.“ Unter 40 Fahrstunden komme man heutzutage nicht durch den Führerschein, so Friedrich.

Wo man heute 30 Übungsstunden plus die zwölf Sonderfahrten braucht, hat man 2008/09 nur 25 Fahrstunden inklusive der Sonderfahrten gebraucht.Andreas Friedrich, Inhaber der Fahrschule Friedrich in Schwandorf

Ein weiterer Vorschlag des Ministeriums ist die Reduzierung der Theoriefragen. Die sollen um ein Drittel abgespeckt werden, auf rund 750 Fragen. „Die Fragen sind schon sehr viele“, sagt Friedrich – und zum Teil auch ungenau. Der Fahrschullehrer ist ebenfalls Kfz-Meister, und einige der Fragen seien zum Teil nicht richtig ausgedrückt.

Die Reaktionen der Fahrschulen im Landkreis Schwandorf machen deutlich, dass viele der geplanten Änderungen auf Skepsis stoßen – vor allem, wenn es um den Praxisbezug und die Umsetzbarkeit geht.

Die Reformvorschläge sollen nun gemeinsam mit den Ländern und der Branche weiterentwickelt werden. Ziel sei es, die rechtlichen Änderungen im ersten Halbjahr 2026 auf den Weg zu bringen, so das Bundesministerium für Verkehr.

Die Ansätze im Überblick

• Ursprung: Erste Änderungsvorschläge wurden bereits 2024 unter dem Namen Optimierte Fahrschulausbildung 2 (OFSA2) veröffentlicht.

• Preistransparenz: Verpflichtende Veröffentlichung von Durchfallquoten und Kosten der Fahrschulen.

• Theoretische Ausbildung: Abschaffung der Präsenzpflicht, Bürokratieabbau, Kürzung des Fragenkatalogs um ein Drittel auf rund 750 Fragen.

• Praktische Ausbildung: Verstärkter Einsatz von Fahrsimulatoren, weniger verpflichtende Sonderfahrten, Senkung der Dauer der Fahrprüfung auf die europarechtlich vorgeschriebenen 25 Minuten, Bürokratierückbau bei Dokumentationspflicht.