Studenten auf Abwegen? Chamer Campus wird erweitert, aber Bahnstrecke trennt die Gebäude

Der Technologie Campus in Cham bekommt Zuwachs: Mitte 2027 soll ein neues Forschungszentrum für intelligente Robotik in der Altenstadterstraße eröffnen. Aber weil der bestehende Campus und das neue Gebäude durch Bahngleise getrennt sind, stellt sich die Frage, ob die Studenten in Zukunft lange Fußwege erwartet. Wir fragen bei Campus, Stadt und Bahn nach.
Campusleiter Jürgen Wittmann gibt Entwarnung: „Es wird keine große Geherei geben, weil beide Gebäude jeweils andere Forschungsbereiche beheimaten.“ Während in der Badstraße die Studenten der bestehenden Masterstudiengänge ihre Vorlesungen besuchen, soll ab 2027 alles rund um die Robotik in der Altenstadterstraße stattfinden.
„Da wird auch viel an Künstlicher Intelligenz geforscht“, meint Wittmann und ist sich laut eigener Aussage sicher, dass der Campus von der Erweiterung über viele Jahre hinweg profitieren wird.

Getrennte Standorte
„Dass beide Standorte durch die Gleise getrennt sind, ist nicht optimal“, gibt Wittmann zu und ergänzt: „Natürlich wären wir offen für einen Bahnübergang oder eine Unterführung beim Campus.“ Bereits in der Vergangenheit habe es Überlegungen dazu gegeben. Und auch mit der Stadt sei die ein oder andere Idee bereits besprochen worden. „An uns wird es sicher nicht scheitern und wir hoffen, dass das irgendwann klappt.“
Die Überlegungen bestätigt auch der Chamer Bürgermeister Martin Stoiber: „Wir haben das Ganze schon mal geprüft.“ Bei der ein oder anderen Stadtratsitzung sei das Thema schon aufgekommen. „Wir haben sowohl unten drunter als auch oben drüber diskutiert“, erklärt er. Ob ein Bahnübergang oder doch lieber eine Unterführung am besten wäre, darauf will sich Stoiber nach eigenen Worten aber noch nicht festlegen.
Dass eine Verbindung der beiden Gebäudekomplexe sinnvoll wäre, daran gibt es laut ihm aber keinen Zweifel: „Von einem Gebäude ins andere, das wäre natürlich perfekt.“ Aber auch wenn die Verbindung scheitert, geht Stoiber nicht von einem Fußweg-Fiasko aus. „So wie ich das verstanden habe, funktionieren die beiden Gebäude getrennt voneinander.“
Mit einer endgültigen Entscheidung ist sowieso erst einmal nicht zu rechnen: „Vor 2027 keine Chance.“ Das liege aber nicht an einem Versagen der Bahn, „sondern an der Komplexität“ des Vorhabens und den vielen Vorschriften.
Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigt anhaltende Diskussionen rund um eine Verbindung zwischen Badstraße und Altenstadterstraße. Trotzdem: „Ein Austausch zu einer konkreten Projektidee hat bislang nicht stattgefunden.“
Eine Verbindung wäre mit Blick auf das Eisenbahnkreuzungsgesetz aber möglich. In Frage komme dabei laut der Sprecherin entweder eine Über- oder Unterführung.

Für Richard Brunner, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Cham, ist die Sache klar: „Natürlich brauchen wir eine Unterführung, da gibt es für mich keine zwei Meinungen.“ Eine Bahnstrecke könne heutzutage kein Hindernis mehr sein. „Das ist ein Problem, das schnell gelöst werden kann.“
Die Unterführung sei für ihn eine notwendige Investition in die Zukunft des Campusgeländes, auf dem sich auch sein Büro befindet. „So eine Verbindung würde ich mir auch ganz persönlich wünschen, es wäre ja schon blöd, wenn man nur rüber schauen kann“, meint Brunner.
Campusleiter Wittmann ist sich sicher, dass die Studierenden auch ohne eine direkte Verbindung viel Spaß mit dem neuen Forschungszentrum haben werden: „Wir freuen uns schon alle sehr auf die Robotik-Erweiterung.“
Es gibt noch ein Problem
Außerdem ist die fehlende Bahnüberführung laut ihm nicht das größte Problem der Studierenden: „Wir haben weiterhin Schwierigkeiten, alle in Cham unterzubringen.“ Es fehle an ausreichend und bezahlbaren Wohnungen. „In der Vergangenheit sind wir wirklich heftig gewachsen, deshalb müssen wir dafür eine schnelle Lösung finden.“
Aktuell seien rund 900 Studenten aus 40 Nationen Teil der Campusgemeinschaft. „Und es werden vermutlich noch mehr werden.“
Ob sich die vielen Studenten dann irgendwann auch über eine Über- oder Unterführung freuen können, bleibt aber erst einmal unklar.