Mit Fieber zum Erfolg: Chamer Karikaturist Daniel Stieglitz holt erneut internationalen Preis

Von David Salimi · 17. November 2025 um 15:28

Es will einfach nicht aufhören. Daniel Stieglitz schwimmt weiter auf der Erfolgswelle – diesmal hat ihn diese bis nach Los Angeles getragen. Bei der Convention der International Society of Caricature Artists (ISCA) gewann der gebürtige Chamer, der heute in Kassel lebt, erneut einen der begehrten Nosey-Awards. In der Kategorie „Karikatur des Jahres“ belegte er den dritten Platz und brachte damit bereits zum fünften Mal eine der prestigeträchtigen Trophäen nach Deutschland.

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Wieder daheim versucht Stieglitz seinen jüngsten Erfolg zu verarbeiten: „Einen Nosey zu gewinnen, ist der Traum eines jeden Karikaturisten. Ich bin dementsprechend unglaublich glücklich und stolz darauf, diese erneute Ehre zu erhalten“, sagt er. Die Noseys gelten in der Szene als das, was für die Filmwelt der Oscar ist: eine der wichtigsten Auszeichnungen im internationalen Karikaturmilieu.

Mit Fieber und Halsschmerzen angetreten

Umso größer dürfte die Freude bei ihm sein, nachdem er krankheitsbedingt nicht unbedingt mit den besten Startvoraussetzungen angetreten war. „Die ersten 24 Stunden waren die härtesten“, erzählt der Künstler. „Ich hab mir im Flugzeug eine Erkältung zugezogen und bin mit Fieber und Halsschmerzen gestartet.“ Letztlich haben ihm seine Routine und „jede Menge Erkältungssaft“ dabei geholfen, „ins Bild zu finden“, berichtet er.

Über 150 Zeichner aus 14 Ländern kamen in Los Angeles zusammen – 75 Stunden Zeit, um live zu zeichnen, zu modellieren und künstlerische Grenzen auszuloten. Die Teilnehmer selbst entschieden anschließend in 15 Kategorien über die besten Arbeiten – von „Bester Cartoon Style“ bis „Schnellster Zeichner“.

Einen Nosey zu gewinnen, ist der Traum eines jeden Karikaturisten.Daniel Stieglitz, Karikaturist und gebürtiger Chamer

Mit seiner preisgekrönten Gruppenkomposition „What (the frog) is so special about Caricature?“ präsentierte Stieglitz ein Werk, das schon durch seine Dimension auffällt: über drei Meter groß, detailreich, dynamisch und zugleich präzise in Ausdruck und Linie. Er porträtierte darin zahlreiche Kollegen und hielt nicht nur deren markante Gesichtszüge fest, sondern auch ihre Antworten auf die titelgebende Frage – notiert in Sprechblasen direkt in der Zeichnung. Ergänzt wird das Werk durch einen fünfminütigen Videoclip mit kurzen Interviews, der online einsehbar ist. Stieglitz selbst hat versucht, sich mit seinem aktuellen Werk noch weiter zu steigern: „Was die Ästhetik betrifft, habe ich versucht, noch wilder und fantasievoller zu arbeiten und noch mehr zu übertreiben.“

Erneut erfolgreich in den USA: Der gebürtige Chamer Karikaturist Daniel Stieglitz mit seinem Nosey-Award in Los Angeles. In der Kategorie „Karikatur des Jahres“ erreichte er Platz drei. - Foto: Jeff Redford

Dass es für den gebürtigen Chamer letztlich erneut für einen Platz in den oberen Rängen gereicht hat, damit hat er selbst trotz vielfacher Prämierungen in der Vergangenheit nicht unbedingt gerechnet: „Ich hatte zwar ein gutes Gefühl und war zufrieden mit meiner Arbeit – aber ob ich damit auch die Kollegen überzeugen würde, wusste ich natürlich nicht“, sagt er. Zudem spiele nach seiner Wahrnehmung möglicherweise eine Rolle, dass er bereits mehrfach ausgezeichnet worden sei und andere neben ihm ebenfalls berücksichtigt werden wollen. Die Anspannung sei daher groß gewesen.

Nächster Wettbewerb in Südkorea naht

Zeit zum Ausruhen bleibt ihm kaum: Bereits im Februar tritt Stieglitz beim nächsten internationalen Wettbewerb in Seoul an. Die Reise ist für ihn nochmals eine neue Herausforderung, sagt er: Nach acht Teilnahmen in den USA wisse er dort zumindest genau, was ihn erwartet. In Südkorea aber komme vieles neu auf ihn zu: „ein neues Land, eine ganz andere Sprache und eine Veranstaltung, die zwar sicherlich ähnlich sein wird, aber womöglich so ihre Eigenheiten und Tücken mit sich bringen wird“.